Hansestädtische Handelsfirmen profitierten von der Beteiligung an der deutschen Besatzung Polens während des Zweiten Weltkriegs. Zahlreiche Hamburger und Bremer Überseehandelsfirmen engagierten sich in der Besatzungswirtschaft des Generalgouvernements. Sie beteiligten sich zum einen an der brutalen Ausbeutung der polnischen Landwirtschaft. Zum anderen trugen sie dazu bei, die polnischen Jüdinnen und Juden auszurauben und wirtschaftlich zu verdrängen - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Genozid. Die Kaufleute erhielten nicht nur einen Teil des Raubguts. Sie füllten auch die volkswirtschaftliche Lücke aus, die durch die Vernichtung der jüdischen Gemeinden entstand. Viele waren bis 1939 im Kolonialhandel tätig gewesen und rechtfertigten ihr Tun in Polen mit kolonialistischen und antisemitischen Deutungsmustern. Das für die hansestädtischen Unternehmen sehr profitable Geschäft bildete ein wesentliches Element der verbrecherischen deutschen Besatzung in Polen. Eine zentrale Rolle spielten dabei die Handelskammern Hamburgs und Bremens, die den "Osteinsatz" ihrer Kaufleute mit vorantrieben. Felix Matheis beleuchtet die bislang kaum bekannte Geschichte der lukrativen Zusammenarbeit zwischen hanseatischen Wirtschaftseliten und nationalsozialistischen Besatzungsbehörden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2024
Nachdem schon 2015 eine Auftragsarbeit der Hamburger Handelskammer zu deren Geschichte im Nationalsozialismus erschienen war, die Rezensentin Ulla Fölsing als eher verharmlosend einschätzt, ist sie froh, dass der Historiker Felix Matheis nun nach äußerst akribischer Arbeit ein Buch vorlegt, das sich den hanseatischen Handelsfirmen während der Kriegsjahre widmet. So kann man bei Matheis nun detailliert nachlesen, wie Bremer und Hamburger Handelsfirmen während der Deutschen Besatzung in Polen eifrig mit den Nazis zusammenarbeiteten und damit große Profite machten. Dabei unterstützten die Kaufleute, dass polnische Landwirte ausgebeutet wurden, ebenso wie die "Verdrängung und Vernichtung" jüdischer Geschäftsleute in Polen, so die Kritikerin. Auch die verharmlosenden Narrative, die diese Jahre im Nachhinein als verschwindend unwichtig in den Firmenchroniken anzeigen, stellt Matheis aufschlussreich dar, schließt Fölsing.
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