Martin Sabrow (Hg.)

1989 und die Rolle der Gewalt

Cover: 1989 und die Rolle der Gewalt
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835310599
Gebunden, 428 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Wie friedlich war die "friedliche Revolution"? Die Rolle der Gewalt beim Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Europa.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2012

Über die Friedfertigkeit der Geschehnisse um den Zusammenbruch der osteuropäischen sozialistischen Staaten staunt der Rezensent einmal mehr. In dem vom Historiker Martin Sabrow herausgegebenen Sammelband erkunden diverse Beiträger die Rolle der Gewalt in, wie Oliver Kühn schreibt, kurzen und detaillierten Aufsätzen. Kühn erfährt, wie unterschiedlich die Gewaltbereitschaft bei alten und jungen DDR-Kadern war und welche Rolle die Erfahrung des Kampfes gegen den Faschismus dabei spielte. Ferner lernt er, dass es in Dresden Sicherheitspartnerschaften zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gegeben hat, die Schlimmeres verhinderten. Dass es aber auch andere Szenarien gab, so in Rumänien und Bulgarien, erfährt er aus weiteren Aufsätzen. Einige allgemeiner gehaltene Texte im Band findet er entbehrlich, da sie im Vergleich zu den Spezialaufsätzen, wie er meint, keine neuen Erkenntnisse bringen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2012

Wieso es im Zuge der Konterrevolutionen in einigen kommunistischen Ostblockstaaten nicht zu größeren Gewaltakten gekommen ist, lässt sich Klaus-Dietmar Henke von den siebzehn Autoren dieses auf eine Vortragsreihe zurückgehenden Sammelbandes erläutern. Untersucht werden die Umbrüche in der DDR und fünf weiteren Ländern. Henke erwähnt, dass der Band zwar vergleichend angelegt ist, auf eine allgemeine Antwort jedoch verzichtet wird. Erkenntnisse holt sich der Rezensent denn vor allem durch die Lektüre der Einzelanalysen. So kann ihm Wlodzimierz Borodziej erklären, warum sich Polen gewaltfrei gegen die Einparteienherrschaft erhob: Die Gewalterfahrungen von 1939 waren hier ausschlaggebend. Peter Ulrich Weiß andererseits führt dem Rezensenten "glänzend" vor, was eine verrohte politische Kultur in Rumänien bewirkte. Und Jens Giesekte liefert Henke ein Psychogramm des "entkräfteten Tschekismus" und zeigt, wie gut Armee und Stasi vorbereitet waren, um die Konterrevolution niederzuknüppeln, zugleich jedoch auch, wie sehr der Apparat schon in der Legitimationskrise steckte.
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