Mit zahlreichen Fotos. Die DDR im Jahr 1989: Ein frisch gekürter Kulturstadtrat (einer Kleinstadt) fügt sich ratlos und verzweifelt einer Anweisung zur Wahlmanipulation. Ein Elektromonteur, der nie auffallen wollte, weil sein Vater in Bautzen inhaftiert war, stellt zum Zeichen des Protestes jeden Abend Kerzen in seine Fenster. Ein Schriftsteller fährt in die Sowjetunion, weil er Glasnost und Perestrojka studieren will, und erlebt den Fall der Berliner Mauer an einem flackernden Bildschirm. Studierende am Historischen Institut der FSU Jena fragten im Jahr 2008 sechzehn Männer und Frauen, die ihre Eltern oder Großeltern hätten sein können, nach deren Lebensgeschichten und nach jener entscheidenden Zäsur am Ende der Achtzigerjahre, die heute meist "Wende" genannt wird und die alle ostdeutschen Biografien in der Rückschau unweigerlich in ein "Vorher" und ein "Nachher" teilt. Die Geschichten, die ihre Interviewpartner ihnen erzählten und die hier aufgezeichnet sind, entziehen sich meist einfachen Zuordnungen. Es handelt sich um sechzehn ganz unterschiedliche Perspektiven auf das Leben im ostdeutschen Staat und auf die Jahre 1989/90, aufregend und alltäglich zugleich, weder schwarz noch weiß, sondern mit vielen Abstufungen von Farbund Grautönen. Ein Stück Zeitgeschichte aus der subjektiven Sicht der Betroffenen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2009
Rezensentin Franziska Augstein klärt auf über die Vorgeschichte des aus einer Lehrveranstaltung der Uni Jena hervorgegangenen Bandes. Die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung spielt darin keine rühmliche Rolle. Wäre es nach ihr gegangen, wäre das Buch wegen Verwendung von Begriffen wie "Klassengesellschaft" und "Kapitalismus" gar nicht erschienen. Das konnte verhindert werden. Und so darf Augstein beste oral history lesen: Wie Ostdeutsche in "klug und einfühlsam" angeleiteten Interviews von ihrem Leben in der und dem Ende der DDR erzählen. Sehr lesenswert, findet Augstein.
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