Kirsten Gerland

Politische Jugend im Umbruch von 1988/89

Generationelle Dynamik in der DDR und der Volksrepublik Polen
Cover: Politische Jugend im Umbruch von 1988/89
Wallstein Verlag, Göttingen 2016
ISBN 9783835318496
Kartoniert, 432 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Der Umbruch von 1988/89 wird überwiegend aus der Perspektive der Älteren, der Führungsfiguren der ostdeutschen Bürgerbewegung oder der 'Solidarnosc', erzählt. Doch es bildete sich auch eine 'junge Opposition', die Ende der 80er Jahre einen politischen Wandel anstrebte und die sich von 'den Alten' abgrenzte, um ihre eigenen, jugendspezifischen Gruppen aufzubauen. Diese Studie vergleicht die politische Jugend aus einer doppelten Perspektive - sowohl aus ihren Selbstbeschreibungen in den achtziger Jahren als auch ex post. In beiden Ländern verwiesen die jungen Aktivisten auf den Mythos 'Jugend' als gesellschaftsverändernde Kraft. In erinnerungskulturellen Debatten nehmen sie eine unterschiedliche Bedeutung ein. In der Volksrepublik Polen spielte die 'junge Opposition' eine wesentliche Rolle in den Streiks von 1988. Sie spricht von sich auch heute noch als 'Generation des Umbruchs' und wird als solche diskutiert. Dagegen haben die Mitglieder der ostdeutschen neuen Jugendvereinigungen noch kein vergleichbares mediales Narrativ aufbauen können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2016

Kirsten Gerlands Buch scheint Frank Bösch vor allem die Herausbildung politisch organisierter Generationen zu beleuchten. Ihre vergleichende Perspektive auf unabhängige Jungendgruppen und deren Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit sowie die generationsgeschichtliche Grundierung findet der Rezensent erkenntnisfördernd, vor allem, wenn es um die stark von Selbstheroisierung geprägten Jugendbewegungen in Polen geht. Schwächer erscheinen ihm hingegen die DDR-Kapitel, allein schon, da die Generationenbildung hier eher im nicht institutionellen Bereich stattfand, wie Bösch meint, die Autorin sich jedoch fast ausschließlich der "Vogelperspektive" bedient, statt einzelne Orte und Viertel genauer zu untersuchen. Ein neuer Blick auf die junge DDR-Generation kommt so laut Bösch nicht zustande.