Manfred Gailus

Kirchliche Amtshilfe

Die Kirche und die Judenverfolgung im 'Dritten Reich
Cover: Kirchliche Amtshilfe
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2008
ISBN 9783525553404
Gebunden, 223 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Mit der einsetzenden nationalsozialistischen Rassenpolitik fiel den Kirchen eine neue Bedeutung zu: sie verwalteten mit den Kirchenbüchern wesentliche bevölkerungsgeschichtliche Personendaten, die für die nationalsozialistische Unterscheidung zwischen "Ariern" und "Nichtariern" relevant waren. Staats- und Parteistellen verlangten "Amtshilfe": die Auslieferung dieser Daten. Und die Kirchen kamen dieser Forderung - meist sehr bereitwillig - nach. In vielen Fällen leisteten kirchliche Mitarbeiter (Pfarrer, Kirchenbeamte und andere) aktive Beiträge zur NS-Sippenforschung. Nicht selten entstanden besondere Kirchenbuchstellen, die rassistisch motivierte Forschung betrieben und die Resultate an staatliche Behörden und Parteistellen weiter reichten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.01.2009

Erst seit 15 Jahren wird intensiv über die Rolle der Kirche bei der Ausstellung von Ariernachweisen im Nationalsozialismus geforscht, berichtet Rezensent Carsten Dippel. Und deswegen könne der vom Berliner Kirchenhistoriker Manfred Gailus herausgegebene Sammelband zu diesem Thema noch keinen Überblick leisten, sondern nur Anregungen für weitere Forschungen geben. Die entscheidende Quelle für die von den Bürgern geforderten Abstammungsnachweise waren die im Eigentum der Landeskirchen befindlichen Kirchenbücher. Die "spannend zu lesenden" Fallstudien zeigen, so Dippel, dass abgesehen von wenigen Fällen der Informationsverweigerung in der Regel die hier ausschließlich untersuchten evangelischen Kirchen Amtshilfe geleistet haben, was etwa die Verfolgung von Christen jüdischer Herkunft zur Folge hatte. Das Verhaltensspektrum reiche dabei von der Herausgabe "korrekter Angaben" trotz Ablehnung des Arierparagrafen (etwa bei der Bekennenden Kirche) über "willfähriges Entgegenkommen" bis hin zu Fällen von Eigeniniative einzelner Pfarrer bei der Zusammenarbeit mit der verantwortlichen "Reichsstelle für Sippenforschung". Dippel zeigt sich sehr angetan von diesem Forschungsband und vermutet schon mal vorab, dass sich die hier nicht untersuchte katholische Kirche ähnlich verhalten haben dürfte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2008

Rudolf Lill schätzt diesen von Manfred Gailus herausgegebenen Band über die Praxis der Kirchen, während des Nationalsozialismus Auskünfte aus Archiven zu Personen- und Familienstand für die Ariernachweise zu geben. Er bescheinigt den Autoren, die Archivpraxis der katholischen Kirche und der verschiedenen evangelischen Landeskirchen anhand von Quellen darzustellen. Titel und Untertitel des Buchs erwecken für ihn zwar den falschen Eindruck, die Kirchen insgesamt hätten bei der Judenverfolgung geholfen, und auch in der Einleitung von Manfred Gailus findet er einige Pauschalurteile. Die einzelnen Beiträge aber bieten in seinen Augen eine "differenziertere Darstellung", die dem Thema gerecht wird.

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