Das Schicksalsjahr 1933 wurde und wird umfassend erforscht, aber man kann noch Neues entdecken. Zum Beispiel in der katholischen Stadt Münster die von Hitlers Vizekanzler Franz von Papen animierte Gruppe prominenter katholischer Autoren, die zögernde Zentrumswähler dem Nationalsozialismus zuführen sollten. Es waren so prominente Professoren der Theologie wie Michael Schmaus und Joseph Lortz. Auch der katholische Schriftsteller Josef Pieper schrieb kraftvoll mit. Kurt Flasch untersucht ihre Argumentation und beschreibt ihre historische Position. Sie "bewiesen" mit ihren Mitteln die providentielle Verwandtschaft von Kirche und Nationalsozialismus. Es geht nicht um Entlarvung oder späte Entnazifizierung. Die schriftstellernden Täter sind bekannt. Sie wurden angesehenste Lehrer in der frühen Bundesrepublik; das macht sie zu einem erforschenswerten Element der deutschen Kontinuität nach 1945.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2021
Rezensent Thomas Marschler folgt Kurt Flaschs Untersuchung intellektueller und spiritueller Motive von Katholiken wie Joseph Lortz und Josef Pieper bei der Stützung des nationalsozialistischen Regimes. Die Anbiederung an Hitler etwa durch den versuchten Schulterschluss gegen den Kommunismus analysiert der Autor laut Marschler weitgehend überzeugend, indem er Lortz, Pieper u.a. politische Naivität, ideologische Verblendung und wissenschaftliche Nachlässigkeit nachweist. Für Flasch handelt es sich um "intellektuelle Verbrechen", stellt Marschler fest. Dass der Autor die einschlägige Literatur zum Thema nur "selektiv" verwendet, bedauert Marschler ebenso wie den Umstand, dass Flasch innerkatholische Kritik an den im Buch vorgestellten Theologen nur kursorisch einbezieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2021
Der frühere bayerische Kultusminister und katholischer Zentralratspräsident Hans Maier hält das Buch von Kurt Flasch über drei katholische Akademiker auf Schmusekurs mit den Nationalsozialisten für einen guten Einstieg in die Debatte. Wie sich Michael Schmaus, Joseph Lortz und Josef Pieper jeweils den Nazis andienten, welche Verbindungen es gab zwischen ihrem Katholizismus und dem Nationalsozialismus, arbeitet Flasch laut Rezensent mit unterschiedlichen Akzenten heraus. Spannend für ihn zu lesen, wie Flasch die Gedanken seiner Protagonisten analysiert, ihren Wirklichkeitssinn und ihren Antiliberalismus. Am Ende sieht Maier die Titelbehauptung allerdings nicht eingelöst, schließlich waren die drei keine Politiker und initiierten auch keine Bewegung, und der NS-Staat erhielt von ihnen keine Anstöße, meint Maier.
Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…