Lisbeth Exner, Herbert Kapfer

Verborgene Chronik 1915-1918

Cover: Verborgene Chronik 1915-1918
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783869710907
Gebunden, 816 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Eine Montage aus über hundert bisher unveröffentlichten Tagebüchern aus der Zeit des Ersten Weltkriegs gibt ein erschütterndes Bild des ersten großen Weltenbrandes. Die Verborgene Chronik ist eine gewaltige Collage von Originalzeugnissen von Front- und Etappensoldaten, Rekruten, Arbeiterfrauen, Kindern, sorgenden Familienmitgliedern, Ärzten, Stabsoffizieren, Krankenschwestern, propagandistischen Pressemeldungen, Altoffizieren, Kriegswitwen, Militärgeistlichen, Kriegsgefangenen etc., die ihre Hoffnungen, Eindrücke und Ängste unzensiert und völlig offen ihren Tagebüchern anvertrauten. In bisher ungekannter Authentizität und Direktheit zeigt sich in ihnen die verwirrende Vielfalt und Ungleichzeitigkeit der die Biografien der Schreiber existenziell erschütternden Eindrücke. Von der Mobilmachung bis zur Niederlage entsteht so ein Echolot jener Tage: Trennungsschmerz und patriotisches Hoch, Todesangst und Heldenmut, Freudengesänge und das nackte Grauen stehen unmittelbar nebeneinander. Geschichte von unten erzählt und gleichzeitig ein großartiges Zeitzeugnis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2018

Michael Epkenhans bekommt einen wichtigen und ertragreichen Beitrag zur Weltkriegsforschung mit dem von Lisbeth Exner und Herbert Kapfer herausgegebenen Band. Die Zeitzeugnisse aus dem Tagebucharchiv Emmendingen von insgesamt 111 Verfassern und Verfasserinnen geben dem Rezensenten einen plastischen Eindruck des Daseins in den Jahren 1915 bis 1919. Die Tagebucheinträge von Soldaten, Arbeiterinnen und Kriegsgefangenen aller Konfessionen und Jahrgänge ergeben laut Epkenhans ein differenziertes Bild vom Kriegsalltag, seinen Sorgen und Hoffnungen. Kurzbiografien im Anhang lassen die Menschen vor seinem Auge lebendig werden. Dass die Fotos und Zeichnungen aus den Tagebüchern nicht mit abgedruckt wurden, bedauert er.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.01.2018

Rudolf Walther wünscht dem von Lisbeth Exner und Herbert Kapfer herausgegebenen Band mit Tagebucheinträgen von 111 Verfassern, Soldaten, Offizieren, Gefangenen und Zivilisten aller Schichten und Berufe aus den Jahren 1915-1919 viele Leser. Die Dokumentation des Kriegsalltags in seiner Normalität und Drastik ist für ihn historische Aufklärung von unten. Ein facettenreiches, bestürzendes Mosaik von Erfahrungen, das die Grausamkeit, die Verblendung und die Banalität des Krieges offenlegt, meint Walther. Dass die Auswahl aus dem Tagebucharchiv Emmendingen kaum Privates, außerhalb der Kriegswelt Liegendes enthält, kann der Rezensent verschmerzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2017

Auch wenn laut Rezensent Alexander Gallus die ordnende Hand einer wissenschaftlichen Edition fehlt, bietet ihm der von Lisbeth Exner und Herbert Kapfer herausgegebene Band mit Erinnerungsschätzen aus Tagebüchern aus dem Ersten Weltkrieg aufregende wie bewegende Lektüre. Die Kurzbiografien, Zeittafeln, Ortsregister und Erläuterungen zur Auswahl nimmt Gallus dankbar an. Im übrigen aber muss er die Dissonanzen ertragen, die ihm der Band zumutet, Orts- und Gedankensprünge, Gefühlsausbrüche und das Fehlen eines roten Fadens. Die "stroboskopartigen" Schlaglichter auf das Leben (und Sterben) im Krieg, die die aus dem Deutschen Tagebucharchiv stammenden Texte der vielen Unbekannten werfen, scheinen ihm in jedem Fall lesenswert und mittels der Kolumnentitel im Band auch stichwortartig zu verorten.
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