John C. G. Röhl (Hg.), Guenther Roth (Hg.)

Aus dem Großen Hauptquartier

Kurt Riezlers Briefe an Käthe Liebermann 1914-1915
Cover: Aus dem Großen Hauptquartier
Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2016
ISBN 9783447105965
Gebunden, 299 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Mit den im Jahr 2008 in den USA entdeckten über einhundert Brautbriefen von Kurt Riezler an Max Liebermanns Tochter Käthe erschließt sich eine neue authentische Quelle zum Kriegsbeginn 1914. Die Briefe werden ergänzt durch einige Briefe, die Riezler aus der Moskauer deutschen Gesandtschaft im Jahr 1918 schrieb, als die bolschewistische Herrschaft ihren dramatischen Anfang nahm. Als junger Vertrauter des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg war Kurt Riezler sowohl ein Insider als auch ein Outsider inmitten der älteren zivilen und militärischen Führung, welche den Krieg bewusst gewagt hatte. Die Authentizität seiner berühmten Tagebücher wurde vor Jahrzehnten in den Auseinandersetzungen über die deutsche Verantwortlichkeit für den Ersten Weltkrieg kontrovers diskutiert. Die spontan, fast täglich geschriebenen Briefe an seine Verlobte bieten jedoch nun einen unverfälschten Einblick in die zunehmenden Frustrationen und Konflikte im Großen Hauptquartier, die aus dem Scheitern der Kriegspläne des Generalstabes resultierten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2016

Einen Schatz für die Weltkriegsforschung erkennt Rezensent Gerd Krumeich in den von Guenther Roth und John C.G. Röhl herausgegebenen Briefen des Reichskanzlervertrauten Kurt Riezler aus dem Hauptquartier an seine Geliebte. Viel Licht, meint Krumeich, fällt von ihnen auf die Denkweisen und Handlungsmotivationen der wilhelminischen Führungsschicht. Dass von den 300 Seiten die Hälfte Einleitungen und Erläuterungen sind, scheint dem Rezensenten angemessen, zumal er darin nicht weniger als ein Plädoyer für eine erneute Revision heutiger Weltkriegsforschung sieht, zurück zur Vorstellung, Deutschland habe den Krieg gewollt und mit Weltmachtsabsichten auch lange geplant. Dass die Argumentation dazu im Buch nicht immer eindeutig ausfällt, kann Krumeich verzeihen angesichts der intensiven Einblicke in die übermütige, euphorische Stimmung im Hauptquartier während der ersten Kriegsmonate, die seiner Meinung nach sogar das berüchtigte "Septemberprogram" des Reichskanzlers in den Schatten stellt.
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