J. M. Coetzee, Arabella Kurtz

Eine gute Geschichte

Ein Gespräch über Wahrheit, Erfindung und Psychotherapie
Cover: Eine gute Geschichte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100025487
Gebunden, 256 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Wir alle erzählen Geschichten - Schriftsteller alleine für sich, wir für andere, gemeinsam mit einem Therapeuten, um das Rätsel unserer Biografie zu lösen. Wir sind von Geschichten umstellt und spinnen sie in einem fort. Doch steckt überhaupt eine Wahrheit hinter den Varianten, Versuchen, Projektionen? J. M. Coetzee geht in seinem Austausch und Briefwechsel mit der Psychotherapeutin Arabella Kurtz diesen Fragen nach. Ausgehend von seiner eigenen Arbeit, mit Exkursen zu Dostojewskij und Cervantes sowie Rückgriffen auf das eigene Leben, diskutieren sie Antworten in dem von Sigmund Freud und Melanie Klein abgesteckten Feld.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.11.2016

Gisela Trahms hält die Begegnung des Schriftstellers J. M. Coetzee mit der Psychotherapeutin Arabella Kurtz in Briefen für eine reizvolle Konstellation. Die Rollenverteilung scheint Trahms deutlich: Hier die junge weise Therapeutin, dort der ältere, jedoch auf dem Gebiet der Therapie laienhafte Autor; das Ziel beider: die gute Geschichte. Die um die Frage nach der Erzählbarkeit der eigenen Biografie kreisende Korrespondenz besticht laut Trahms durch die analytische Fähigkeit Coetzees, scharfsichtige Aussagen zu Schuld und Sühne und seine Bereitschaft, Persönliches preiszugeben und mit seinen Gefühlen nicht hinterm Berg zu halten. Kurtz begegnet ihr im Buch klug und warmherzig und anders als ihr Gesprächspartner ohne Verlangen nach einer überirdischen Instanz. Auch wenn der Band nicht mit "handlichen" Ergebnissen aufwarten kann, wie die Rezensentin einräumt, berührende Einsichten und Formulierungen biete er allemal.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.10.2016

Katharina Granzin kann Leben und Literatur auf neue Weise zusammendenken mit J. M. Coetzees und Arabella Kurtz' Gesprächsbuch. Ausschlaggebend dafür ist für Granzin, wie unterschiedlich die beiden Autoren, er Schriftsteller, sie Psychotherpeutin, Themen wie die Bedeutung des Geschichtenerzählens oder die Frage nach dem Ich angehen. Sie möglichst objektiv, fachlich, er subjektiv, unter Verwendung von eigenen Erlebnissen und Prägungen. Herauskommt dabei kein Sach- oder Fachbuch, das Fragen beantwortet, meint Granzin, sondern ein offener Text, der es den beiden Gesprächspartnern ermöglicht, extensiv ihre Gedanken zu entwickeln und der bei der Leserin idealerweise Fragen aufwirft.