Volker Klotz

Erzählen

Von Homer zu Boccaccio, von Cervantes zu Faulkner
Cover: Erzählen
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406542732
Gebunden, 508 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Volker Klotz zeigt in diesem Buch an Meisterwerken der Weltliteratur, was seit Homer "Erzählen" bedeutet, was daran konstant geblieben ist und wie es sich im Lauf der Jahrtausende verändert hat. Wieso erzählt Vergil in der "Aeneis" den schaurigen Abstieg in die Unterwelt anders als sein früher Vorläufer Homer und sein später Nachfolger Dante? Warum begründet Döblin in seinem Hamlet-Roman die erfundene Erzählrunde anders als Chaucer in den Canterbury Tales, der sie fast ebenso deutlich vom ursprünglichen Vorbild unterscheidet, dem Decameron des Boccaccio? Klotz nimmt den Leser mit auf eine Reise durch 3000 Jahre Weltliteratur, quer durch die Kulturen und Sprachen. Man lernt, berühmte Werke mit anderen Augen zu lesen, von "Don Quijote", "Tausendundeine Nacht", Potockis "Handschrift von Saragossa" bis zu "Huckleberry Finn" oder Carlos Fuentes' "Terra Nostra", aber man wird auch neugierig gemacht auf Werke, die der Durchschnittsleser heute kaum noch kennt, obwohl sie ehemals zum klassischen Kanon gehört haben, etwa die "Lusiaden des Cames", einen verschollenen Roman Heliodors oder Ariosts "Orlando furioso".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2006

Peter von Matt ist diesem "Heinz Widerporst" der Germanistik und "zyklopischen Leser", wie er Volker Klotz nennt, zugetan. Die kleine Anmaßung, seinen Band einfach "Erzählen" zu nennen, als wäre er der erste Literaturwissenschaftler auf Erden, verzeiht er ihm gern. Wie auch nicht, hält der Rezensent doch ein wahres Füllhorn an "unerschöpflichen" Fragen und "aufregenden" Erkenntnissen in Händen. Das "listig-naive" Fragen des Autors führt laut von Matt zu folgendem: dem Einrennen manch offener Tür, auch, vor allem aber zu einer "Ordnung der großen Felder". Klotz entwerfe zwar kein System, schreibt von Matt, doch seine Arbeit am konkreten Text bringt dem Rezensenten Einsichten in Erzählbedingungen (Lichtregie!) und gibt ihm treffende Begriffe ("industrielles Erzählen") an die Hand, die er systematisch nützlich findet. Und die im Band enthaltenen Deutungen, von Doderer oder Keller etwa, hält von Matt für ganz eigene wissenschaftliche Ereignisse, die sich die Forschung nicht entgehen lassen sollte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.06.2006

Burkhard Müller zeigt sich von dem zupackenden Mut, mit dem Volker Klotz sich an einer Geschichte über das Erzählen versucht, beeindruckt und findet sie alles in allem sehr gelungen. Am Beispiel von Klotz' Darstellung des "Rasenden Rolands", in der er die Inhaltsangabe mit der Interpretation verknüpft, demonstriert der eingenommene Rezensent die Qualitäten dieser Art von Literaturbetrachtung. Beeindruckend knapp stelle der Autor das Werk von Ariost vor, bringe es aber gelungen auf den Punkt und mache damit Lust, das Epos selbst in die Hand zu nehmen, lobt Müller. Klotz nehme den Leser an die Hand und weihe ihn in die Welt des Erzählens ein, wobei er mit so mancher klugen Erkenntnis aufwartet, beispielsweise dazu, warum Romane zumeist wortgewaltig und ausschweifend einsetzen, das Ende aber fast immer etwas unbefriedigend ist. Dieses Buch ist eine Ermunterung zum Lesen, so der Rezensent erfreut. Und bei einigen Werken kann der Leser nach Lektüre von Klotz' Buch auch zu dem Schluss kommen, sie lieber nicht zu lesen, was ja auch ein durchaus wertvoller Hinweis ist, so Müllers zufriedenes Resümee.
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