Iris Hanika

Echos Kammern

Roman
Cover: Echos Kammern
Droschl Verlag, Graz 2020
ISBN 9783990590560
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Zu Beginn von Iris Hanikas neuem Roman gelangen wir mit Sophonisbe, einer nicht mehr ganz jungen Dichterin, die wirklich so heißt, nach New York. So tollkühn der Roman anhebt - schon am zweiten Tag befinden wir uns auf einem Empfang bei Beyoncé -, so unnachahmlich katapultiert er uns dorthin, wo die Aufgabe des modernen Dichters liegt: eine neue, ganz andere Sprache zu finden für die Gegenwart, das Glück, das Wesentliche … für alles. Es geht um das Leben in den Städten (in der Mitte des Buches kehren wir nach Berlin zurück, das gerade in Gefahr steht, ebenso vom Geld plattgewalzt zu werden wie New York), es geht aber auch um einen späten Liebeswahn, der jedoch, anders als in der Jugend, nicht in den Abgrund führt, sondern nur die letzte Hürde vor der Befreiung von den Zumutungen des Triebs ist, worauf man sich den Freuden des Alters hingeben kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.06.2020

Rezensent René Hamann liest Iris Hanika aus Hassliebe. Dass es diesmal allemal gewinnbringend ist, liegt an der Klugheit und der Reibung im neuen, fünften Roman der Wahlkreuzbergerin, glaubt er. Ob Hanika über Millennials ätzt oder im bewährten Kurzprosastil flott das Partygebaren in New York beschreibt, stets fühlt sich Hamann witzig und schlau unterhalten. Zum einen, weil die Autorin es versteht, Begehrensperspektiven umzudrehen, zum anderern, weil sie Echo und Narziss, Spiegelung, Gentrifizierung und Overtourismus unter einen Hut bringt, und das mit einer kunstvollen, verweisreichen Sprache.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.06.2020

Rezensent Michael Braun begibt sich gleich in mehrere Echokammern mit Iris Hanikas, wie er findet, exzellentem Liebes- und New-York-Roman. Sofort erkennt er in der Schilderung der New Yorker Straßenzüge die Anleihen an John Dos Passos' Roman "Manhatten Transfer", auch der Bezug zu Ovids Narziss-Mythos scheint in der Geschichte um eine deutsche Schriftstellerin um die 50, bekannt geworden durch einen Gedichtband namens "Mythen in Tüten", die auf einer Party bei Beyonce den bildschönen jungen Josh kennenlernt, offenkundig, resümiert Braun. Aber der Roman zitiert keineswegs nur, sondern befreit sich gekonnt von den Vorbildern, fährt der Rezensent fort: Im ersten Teil durch eine amüsante Verwendung des von dem Deutsch-Amerikaner Kurt M. Stein erfundenen Kauderwelschs "lengevitch", im zweiten, in Berlin spielenden Teil durch eine wunderbar "ironische" Erzählstimme, versichert der Kritiker, der sich einmal mehr an Hanikas "Raffinesse und intellektueller Heiterkeit" erfreut.