Aus dem Französischen von Christiana Goldmann, herausgegeben von Edgar Pankow. Zum ersten Mal in deutscher Sprache: der Schlussteil der "Menschlichen Komödie" - eine Kulturgeschichte des Alltags. Die Tradition des französischen Moralismus hat hier ihren Ernst abgelegt. Der große Romancier zeigt sich als gewandter Essayist und gewitzter Physiognomiker.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2002
Der "Balzac der sanften Negation", findet Alexandre Métreaux, ist bisher meist aus der Rezeption seines Werkes "ausgeklammert worden". Mit diesen Aufsätzen, die "erstmals vollständig ins Deutsche" gebracht sind, sei nun ein "Zugang" zu diesem Balzac möglich geworden. Am meisten hat den Rezensenten dabei der Essay "Theorie des Gehens" (1833) interessiert. An diesem Beispiel entwickelt Metreaux seinen eigenen Blick auf Balzac und stellt uns auch den Herausgeber Edgar Pankow vor. Pankow "diagnostiziert akkurat", so Metreaux, dass Balzac mit seiner Theorie des Gehens scheitere, weil hinter den Codes oder "Zeichen", also dem "Stolpern, Stampfen, Stolzieren" etc, keine "eindeutig klassifizierbaren Wesenheiten" mehr liegen. Balzac selbse sagt es radikaler und weniger "rücksichtsvoll", findet Metreaux: "Nichts, so wird das ewige Epigraph unserer wissenschaftlichen Bemühungen sein.". In diesem "Nichts" sieht der Rezensent auch gleich schon eine der "Zukunft vorrauseilende Einsicht in die bloß medial noch zu bestimmbare Zeichenhaftigkeit des Soziallebens". Vielleicht ein bisschen viel behauptet, aber es reicht allemal, um ein geneigtes Publikum sehr neugierig zu machen.
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