Balzac und ich
Wie man sein Leben meistert, indem man grandios scheitert

Friedenauer Presse, Berlin 2024
ISBN
9783751880220
Kartoniert, 208 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Nicola Denis. Schon in jungen Jahren sehnte sich Titiou Lecoq nach einer Zeit, in der Schriftsteller noch Superstars waren. An einem emotionalen Tiefpunkt angelangt, hört sie im Radio von dem Balzac-Haus in Passy und beschließt kurzerhand, sich auf die Spuren ihrer literarischen Jugendliebe zu begeben. Doch das Haus ist überraschend leer, die Einsamkeit des legendären Autors spürbar. Statt einen Psychologen aufzusuchen, entscheidet sich Lecoq, eine Biografie Balzacs zu schreiben und der Frage nachzugehen, warum der große Schriftsteller sich in dieser kleinen Wohnung verkrochen hat und die Besucher dort heute nur noch eine hässliche Vase vorfinden. Sie entlarvt den Mythos des Literaturgenies und zeigt uns einen Mann, der schrieb, um zu Geld und Ruhm zu gelangen, der sich nach Liebe sehnte, aber sein Glück nur erträumen konnte, der seine unvorteilhaften Körperproportionen durch extravagante Kleidung zu kaschieren suchte, der ein Faible für Luxus hatte und dafür ein finanzielles Fiasko nach dem anderen in Kauf nahm. Kurzum: einen Mann aus Fleisch und Blut. Titiou Lecoq fegt in "Balzac und ich" den Staub von dem literarischen Denkmal Balzac und führt uns seine ungeheuerliche Modernität vor Augen: sein Engagement für die Frauen, seinen Unternehmergeist, seine Verirrungen in einem System, in dem Geld eine notwendige Voraussetzung für Glück zu sein scheint.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 08.04.2025
Rezensent Jochen Schimmang findet Titiou Lecoqs Balzac-Biografie äußerst lesenswert. Das liegt natürlich am spannenden Sujet, Balzac war einfach ein großartiger Schwerenöter, zum anderen an Lecoqs immer spürbarer Zuneigung, ohne dass sie allerdings hagiografisch würde, wie Schimmang betont. Dass es im Band immer wieder um Balzacs Talent zum Bankrott geht, macht die Lektüre für Schimmang besonders attraktiv. Angefangen mit dem ersten Mikrokredit bis zur großen Schuldenkarriere fächert die Autorin Balzacs sich in Wohnungsausstattung, Kleidung, Personal äußerndem Größenwahn auf, erklärt der Rezensent gut amüsiert. Außerdem räumt die Autorin mit allerhand Legenden über den Dichter auf, und klug und elegant geschrieben ist das Buch auch, versichert Schimmang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Die Journalistin Titiou Lecoq hat eine Biografie über Honoré de Balzac geschrieben, der sie seit ihrer Jugend fasziniert und entlockt dem Rezensenten Hubert Spiegel mit ihren Schilderungen die ganze Bandbreite an Reaktionen von Mitgefühl bis Entsetzen. Balzac, der als Schriftsteller große und größte Erfolge gefeiert hat, als schreibender Feminist gelten darf und "das Finanzwesen als literarisches Motiv" erkundete, war auch bis über beide Ohren verschuldet, hatte einen ziemlich teuren Geschmack in allem und hat in seiner Geldgier auch ihm Nahestehende übers Ohr gehauen, erfährt Spiegel in diesem anregenden Porträt. Trotz dieser Zwiespältigkeit widmet sich Lecoq ihrem Subjekt mit großer Zuneigung, lobt der Kritiker, der sich auch von skurillen Details aus dem Leben des Schriftstellers, wie, dass er bisweilen unter falschem Namen lebte und Freunde nur mit Parole einließ, bestens unterhalten fühlt.