Wolf von Niebelschütz (1913-1960) ist in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts ein Einzelgänger geblieben - zu seiner Zeit schon aus der Zeit gefallen. Er war im verspielten französischen, im schwellenden Barock zu Hause, in der Epoche überspannter Lebenskunst, und hinterließ zwei monumentale Romane, "Die Kinder der Finsternis" und sein barockes Opus magnum "Der blaue Kammerherr". Impressionen und Divertimenti hat Wolf von Niebelschütz zwei erhaltene Typoskripte überschrieben - beide weitgehend unveröffentlicht. In Paris ist er Flaneur, führt zu Denkmälern, durch die Tuilerien und auf den Eifelturm in "Geistergesprächen". Frankreich, französische Landschaften begleiten ihn. Er schreibt über "seinen" Stendhal, über Balzac oder Madame De Stäel, die Musik von Mozart, die Malerei von Fragonard und Tiepolo. Als kunst- und kulturhistorischer Kenner mit Stil und Ironie erkundet er seine europäischen Traditionen, taucht ein in die "Welt von gestern" und feiert die "Wiederentdeckung der Heiterkeit".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2024
Rezensent Andreas Platthaus erinnert an Wolf von Niebelschütz und seine Texte, die hier wiederzuentdecken sind, wie Platthaus erfreut feststellt. Die aus der Zeit von Niebelschützens Wehrmachtsdienst stammenden Stücke tragen für Platthaus klar die Insignien eines romantischen Schreibens: Sie sind herzerwärmend, wie die teilfiktive Geschichte eines Heimkehrers, und barock (wie die Titelgeschichte über zwei dem Tod geweihte Statuen) oder galant, wie die ebenfalls enthaltenen Musset-Übersetzungen des Autors, erläutert der Rezensent. Darüber, dass derartige Schönheit ausgerechnet in der schaurigsten Zeit entstehen konnte, muss Platthaus viel nachsinnen.
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