Patrick Rambaud

Die Schlacht

Roman
Cover: Die Schlacht
Insel Verlag, Frankfurt am Main - Leipzig 2000
ISBN 9783458170082
Gebunden, 320 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Ina Kronenberger. Patrick Rambaud beschreibt die Schlacht von Aspern und Eßlingen vor den Toren Wiens 1809 als Niedergang des französischen Kaiserreichs. In dreißig Stunden wurden 40.000 Soldaten und Zivilisten getötet und 11.000 verwundet - das erste große Blutbad des modernen Krieges. Rambaud erzählt aus der Perspektive verschiedener Protagonisten, von Napoleon, seinen Offizieren bis zu den einfachen Soldaten und dem Beobachter Henri Beyle, der sich damals noch nicht Stendhal nannte. Im Mittelpunkt steht Oberst Lejeune, dessen - fiktive - Liebesgeschichte mit einer jungen Wienerin es Rambaud erlaubt, auch die Situation des besetzten Wiens zu schildern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2000

Ob ein Romanprojekt von Balzac, das dieser aus Zeitmangel nicht realisieren konnte, im 21. Jahrhundert aufgegriffen werden sollte, findet Hermann Kurzke grundsätzlich fragwürdig. Davon abgesehen hat der Rezensent einiges an diesem Roman über die Schlacht von Aspern (1809) auszusetzen. Er kritisiert, dass der Kampf ausschließlich aus dem französischen Blickwinkel beschrieben und die österreichische Perspektive gänzlich außer Acht gelassen wird. Kurzke missfällt auch die Einführung der "schwächliche" Liebesgeschichte eingeführt, die im ursprünglichen Plan zum Roman von Balzac nicht enthalten war.. Doch auch einiges Positive hat der Rezensent anzumerken: die Beschreibung der Schlacht findet er "sehr spannend" und die größte Leistung des Romans sieht er in der Schilderung des schwindenden Kriegsglücks Napoleons. Hier zeige sich, wie in der Grausamkeit des Krieges die "Gewalt ihren Charme verliert, ein schrecklicher Automatismus sich bildet und menschliche Marionetten, mit der Sinnlosigkeit ihres Einsatzes allein gelassen, zu gefühllosen Kampfmaschinen degenerieren". Am Ende genügt ihm das alles jedoch nicht: Die Intention des Buches bleibt "undeutlich und wenig überzeugend", urteilt er.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2000

Thomas Laux zeigt sich ziemlich beeindruckt von diesem ?fesselnden, teilweise höchst beunruhigenden Roman? über die Schlacht von Aspern (1809). Es war die erste moderne Massenschlächterei, bei der in 30 Stunden 40.000 Soldaten fielen. Rambaud, der für diesen Roman mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, habe es nicht nötig, ständig zerfetzte Körper zu beschreiben, um seiner Geschichte den gebotenen Realismus zu verleihen. Vielmehr genügten ihm oft wenige Worte, um eine Figur ?bis in ihre psychologische Dunkelkammer hinein treffend wiederzugeben?, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2000

Ein glatter Verriss! Jörg Drews kann diesem Buch gar nichts abgewinnen. Gewiss, es ist gut recherchiert und der Autor "militärhistorisch bestens informiert". Aber die "rasende Harmlosigkeit" des Erzähltons findet Drews schlicht unangemessen für ein Buch, dass den Wandel von der "Schlacht zur blanken Metzelei" zum Thema hat, die schon die Massenmorde des 20. Jahrhunderts ankündigt. Der milde Erzählton ist "auf elegante Weise unfreiwillig grotesk", meint Drews. Richtig zynisch findet er das. Das Werk "nimmt sich selbst nicht ernst" resümiert er und schließt etwas pathetisch: "Damit ist es gerichtet: Gewogen und zu leicht befunden".
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