Helmut Schmidt, Fritz Stern

Unser Jahrhundert

Ein Gespräch
Cover: Unser Jahrhundert
C.H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406601323
Gebunden, 286 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

"Fangen Sie an, Fritz" - mit diesem Satz beginnt ein Gespräch unter Freunden. Helmut Schmidt und Fritz Stern kennen sich seit vielen Jahren und haben sich im Sommer 2009 zusammengesetzt, um über Themen miteinander zu reden, die ihnen am Herzen liegen: Erfahrungen und Lehren aus der Geschichte, das gemeinsam erlebte Jahrhundert, Menschen, die ihnen begegnet sind.
Das Ergebnis ist ein Buch, in dem sich der Politiker und der Historiker die Bälle zuspielen, mal im Konsens, mal im Widerspruch, stets auf eine pointierte Darlegung ihrer eigenen Positionen bedacht. Das Spektrum der behandelten Fragen reicht von Bismarck bis Israel, vom Zweiten Weltkrieg bis zum Aufstieg Chinas, vom Rückblick auf die Ära Bush bis zu den überhöhten Boni für Banker - und auch die Anekdoten kommen nicht zu kurz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Wenn Altkanzler Helmut Schmidt über die Lage der Welt doziert, wird dies hierzulande gewohnheitsmäßig mit gewichtigem Kopfnicken quittiert. Auch vom Rezensenten Gregor Schöllgen, der gar nicht genug davon bekommen kann, wenn Schmidt im Duett mit dem 1938 in die USA emigrierten Historiker Fritz Stern die Größen dieser Welt als allesamt überschätzt abkanzelt. Dass Stern meist etwas moderater urteilt als Schmidt, scheint Schöllgen ihm nicht nachzutragen, aber seine Vorliebe gilt ganz klar dem herrischen Verdikt, etwa Schmidt, etwa wenn dieser dekretiert, dass Deutschland keine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe, sondern dafür, dass sich Verbrechen wie der Holocaust nicht wiederholten. Wieso er Deutschland dazu besonders berufen sieht, erfahren wir nicht. Freudig berichtet der Rezensent schließlich, dass auch Bismarck, Helmut Kohl, Georg W. Bush und Dick Cheney ihr Fett wegbekommen. Oder Johannes Paul II., der Schöllgen zufolge als guter Mensch durchgeht - wenn auch "intellektuell beschränkt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2010

Die Angst des Rezensenten vor großen alten Männern, die vom Krieg erzählen, erweist sich als unberechtigt. Die beiden hier aufspielende alten Männer hält Alex Rühle jedenfalls für ein gutes Gespann: klug argumentierend, gesegnet mit Selbstironie und Sinn für Prägnanz und die richtige Frage an den Gesprächspartner und ganz ohne die Allüren oller Bescheidwisser. Ob es um Europa geht, die USA, die dunkle Vergangenheit oder Nietzsche, Rühle fühlt sich stets gut unterhalten, wenn Helmut Schmidt und Fritz Stern die Frage wälzen: Wie konnte das passieren? (der Holocaust etwa). So interessant erscheint Rühle, was hier thematisch aufgetischt wird, dass er ehrlich bedauert, wenn keine Zeit bleibt, in die Tiefe zu gehen. Etwas von der Kurzweiligkeit der Lektüre hätte er dafür gerne drangegeben.

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