Fritz Stern

Fünf Deutschland und ein Leben

Erinnerung
Cover: Fünf Deutschland und ein Leben
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406558115
Gebunden, 674 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Friedrich Griese. Die "deutsche Frage" wirft ihren Schatten auf die moderne Welt: Wie war es möglich, daß eine so zivilisierte Nation für das schrecklichste Verbrechen des 20. Jahrhunderts verantwortlich wurde? In diesem Buch, einer Verbindung aus Erinnerung und Geschichtsschreibung, betrachtet der große Historiker und Friedenspreisträger Fritz Stern die Frage durch das Prisma seines eigenen Lebens. Er verwebt historische Erzählung, scharfsinnige Analysen und dramatische Episoden seiner Lebensgeschichte zu einem Porträt jener fünf Deutschland, die er selbst miterlebt hat: Weimar, das "Dritte Reich", Bundesrepublik und DDR, das vereinigte Deutschland nach 1989. Seine Freundschaften mit deutschen Intellektuellen und Politikern haben ihm besonders tiefe Einblicke in die Grundlegung der liberalen Demokratie eröffnet. Doch Stern zeigt auch, dass die unruhige deutsche Geschichte politische Lektionen für die Bürger überall bereithält - vor allem für solche, die der Gefahr der Tyrannei entgegentreten wollen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2007

Großen Respekt bringt Michael Jeismann dem Autor entgegen, den er "einen der guten Geister der Bundesrepublik" nennt. Die Erinnerungen des Historikers Fritz Stern liest Jeismann nicht "nur retrospektiv", sondern er erkennt Sterns Lebensthema der Zugehörigkeit ("das "klassische jüdische Thema") als so allgegenwärtig in diesem Buch wie in der Zeit. Das Beispielhafte, findet Jeismann, macht es zum "Lehrstück für die Gegenwart". Gleich, ob man das Buch von vorn oder von hinten zu lesen beginnt - für den Rezensenten ergibt es eine Geschichte, ein Leben vor wechselndem Hintergrund.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2007

Als eine "eindrucksvolle" Autobiografie lobt Julia Encke in der FAZ am Sonntag dieses Buch des amerikanischen Historikers Fritz Stern. Mehr noch: dem Autor gelingt es in ihren Augen, persönliche Erinnerung und ein ganzes Jahrhundert Deutscher Geschichte zu vereinen. Encke interessiert sich in ihrer Besprechung aber eher für die persönliche Geschichte Sterns. Eingehend berichtet sie über Sterns Herkunft aus einer zum Christentum konvertierten, deutsch-jüdischen Familie, die unter den Nazis ihre Heimatstadt Breslau verlassen mussten. Sie erzählt, wie der zwölfjährige Fritz in New York Briefe an Freunde und Verwandte in der alten Heimat schrieb, um die Verbindung aufrecht zu halten. Und sie schildert Sterns ersten Besuch seiner Geburtsstadt nach dem Krieg und die zahlreichen Besuche in Deutschland, wo der liberale Gelehrte immer ein gern gesehener Gast war. Sterns Leben erscheint für sie als ein Gelehrtenleben, ein Leben von Vortrag zu Vortrag, von Begegnung zu Begegnung. Zu ihrer Freude zeichnet sich das Werk durch Witz und "feine" Ironie aus, die es vor all zu viel "schwergewichtiger Gelehrsamkeit" retten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2007

Rezensent Cord Aschenbrenner weiß die Doppelrolle Fritz Sterns als Historiker und Zeitzeuge zu schätzen, gewährleistet sie doch, dass seine Erinnerungen weit über die bloße Schilderung der eigenen Vergangenheit hinausgehen und Verbindungen zum historischen Hintergrund knüpfen. Sterns Darstellung der glücklichen Kindheit in Breslau, seiner Emigration 1938 nach New York, sein Werdegang als Historiker für deutsche und europäische Geschichte, das alles ist mit großer Zurückhaltung, aber dennoch klug und mit Witz erzählt, lobt der Rezensent. Besonders beeindruckt ist Aschenbrenner davon, wie der Autor seine wechselvolle Haltung zu Deutschland schildert. Insgesamt imponiert ihm diese Autobiografie auch als eindrucksvoller und differenzierter Abriss deutscher Geschichte von der Weimarer Republik bis zur Nachwendezeit. Dass Stern als ehemals vertriebener Emigrant nicht nur als großer Kenner der deutschen Geschichte, sondern auch als "Ratgeber und Gesprächspartner" für die Deutschen hervortritt, sichert ihm den tiefen Respekt des Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.09.2007

Franziska Augstein schreibt ihre Rezension im unterkühlten Ton leisen Spotts, der sich möglicherweise nicht ganz an die Oberfläche traut. Dabei will sie Sterns Buch keineswegs die Qualitäten absprechen: Besonders bis ins Jahr 1938 überzeugen sie Sterns Memoiren voll und ganz. Mit Interesse begleitetet sie den Autor in die versunkene Welt des jüdisch-deutschen Bürgertums in Breslau und darüber hinaus von der Kaiserzeit bis in die Nazizeit. Was ihr aber ganz und gar nicht behagt, ist eine etwas festrednerhafte Koketterie, mit der Stern in ihren Augen die Nachkriegszeit abhandelt. Sie ist nicht so interessiert an seinen Begegnungen mit den Großen dieser Welt, an seinen Gefühlslagen bei den großen Preisreden und überhaupt: an dem hier ihrem Eindruck nach abgespulten Terminkalender eines großen Historikers. Auch seine Ausführungen zur DDR scheinen ihr nicht überzeugend. Das Buch bietet einen "präzisen Einblick in das Arbeitsleben eines bekannten Historikers des 20. Jahrhunderts", lautet Augsteins leicht vergiftetes Schlusskompliment.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.08.2007

Die Erinnerungen des Historikers Fritz Stern "Fünf Deutschland und ein Leben" hat Rezensenten Rudolf Walther nicht als Autobiografie im engeren Sinne gelesen, sondern als Geschichte Deutschlands vom Kaiserreich bis zur heutigen Zeit, die Stern allerdings mit seiner Familiengeschichte verknüpft: die Diskriminierung und Verfolgung unter den Nazis, die Emigration in die USA, der dortige Erfolg. Doch so sehr Stern Distanz hielt zu den "selbstgefälligen" Deutschen nach dem Krieg, die sich "kollektiver Selbstverleugnung" ergingen, so intensiv studierte er die Geschichte. Ein wenig mehr hätte sich der Rezensent von Sterns persönlicher Geschichte gewünscht, doch die Darstellung der "großen Geschichte", da lässt Walther keinen Zweifel aufkommen, gerät ihm immer "souverän", klar und "aus der Perspektive eines Liberalen". Und selbst dass Stern 68 so kritisch eingeschätzt hat, verzeiht ihm der Rezensent, denn selbst wenn der Historiker "irre", tue er dies auf die "charmante Art des gebildeten Grandseigneurs".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.08.2007

"Ein großartiges Werk, lehrreich, klug und menschlich tief berührend", schreibt der hier rezensierende Historiker Norbert Frei voller Hochachtung über die Erinnerungen seines großen Kollegen Fritz Stern. Was den Rezensenten besonders beeindruckt, ist, wie gegenwärtig Stern selbst mit der Vergangenheit lebe und wie anschaulich er sie mit den Schilderungen seines eigenen Lebens zu verknüpfen versteht. Dass die bewegendsten Kapitel dem Nationalsozialismus gelten, versteht sich dabei fast von selbst für den Sohn einer jüdisch-schlesischen Arztfamilie, der den Nazi-Terror mitbekam, bevor er überhaupt wusste, woher die Babys kommen, wie Frei Stern paraphrasiert. Gefesselt hat den Rezensenten zudem, wie Stern von der Emigration seiner Familie in die USA berichtet, von seiner "enthusiastischen Selbsterziehung zum Bürger der Vereinigten Staaten". Doch auch die anderen Deutschlands, die der Historiker Stern besuchte und erforschte, werden plastisch, originell und scharfsichtig, versichert Rezensent Frei. Dafür bürgten Sterns "Sinn für die historische Pointe" sowie sein "politischer Witz".