Heinrich Meier

Leo Strauss

Zur Sache der Politischen Philosophie
Cover: Leo Strauss
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406836046
Gebunden, 607 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Es gehört zur Signatur von Leo Strauss, daß er seine Politische Philosophie beinahe durchweg im interpretierenden Dialog mit anderen Denkern präsentiert. Sein Eigenstes tritt hervor, wenn er sich ganz in den Dienst der Auslegung eines Werks zu stellen scheint. Heinrich Meiers Buch nimmt seinen Ausgang von Leo Strauss' Kunst des sorgfältigen Schreibens, die die Kunst des sorgfältigen Lesens verlangt. Leo Strauss führte den Begriff des Politischen Philosophie in die Philosophie ein und unternahm deren Neubegründung in einem œuvre von schulbildender Kraft und weltweiter Ausstrahlung. Die Politische Philosophie, die Strauss verhandelt, bezeichnet die Hinwendung der Philosophie zu den politischen oder menschlichen Dingen im ganzen und die Rückwendung der Philosophie auf sich selbst, auf ihre Voraussetzungen und die Bedingungen ihrer Existenz. Die Sache, die mit ihr in Rede steht, ist nichts Geringeres als die rationale Begründung und die politische Verteidigung des philosophischen Lebens. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2025

Insgesamt fasziniert arbeitet sich Rezensent Philip Manow durch den hier vorliegenden vierte Band der Leo-Strauss-Studien Heinrich Meiers. Meier beschränkt sich hier komplett auf die Ausdeutung einiger Schriften - sechs an der Zahl - des Philosophen, die sich mit Fragen der politischen Theorie beschäftigen und dabei weit in die Philosophiegeschichte zurück blicken, genauer gesagt auf die Grundopposition von Wissenschaft und Glaube, beziehungsweise, bei Strauss, "Athen oder Jerusalem". Satzweise geht Meier die einzelnen Aufsätze laut Manow durch, der darin eine Parallele zu Strauss' eigener philosophischer Praxis entdeckt, die ebenfalls darauf basiert, eng an den Texten älterer Autoren entlang zu schreiben. Keineswegs geht es Meier jedenfalls darum, stellt Manow klar, Strauss zu dekonstruieren, vielmehr möchte er dessen elitäres Verständnis von Philosophie als hoher Kunst der Wenigen fortschreiben. Manow steht diesem Vorhaben durchaus aufgeschlossen gegenüber und stellt abschließend fest, dass die Themen, die Strauss und Meier hier umtreiben, insbesondere was die Verbindung von Religion und Politik angeht, uns nach wie vor etwas angehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.10.2025

Rezensent Jürgen Kaube fühlt sich ausgesprochen inspiriert von Heinrich Meiers Buch über Leo Strauss. Meier war nicht nur Strauss-Schüler, so Kaube, er orientiert sich hier auch an der philosophischen Praxis seines Lehrers: Wie dieser ignoriert er moderne Sekundärliteratur und zeitgenössische Debatten - etwa auch zu Strauss' Einfluss auf die aktuelle Politik etwa der amerikanischen Rechten - und liest stattdessen die philosophischen Klassiker noch einmal neu, von den Griechen bis Heidegger. Die zentrale Unterscheidung, die Meier und Strauss dabei Kaube zufolge herausarbeiten ist die zwischen Wissen und Glauben beziehungsweise Wissenschaft und Religion, Strauss wendet sich gegen den einseitigen Rationalismus der Aufklärung und will zu älteren, der Antike entstammenden Formen des Denkens zurückkehren. Gelegentlich hätte Kaube es schon bevorzugt, wenn Meier neben Strauss und dessen Quellen auch andere relevante Positionen in der philosophischen Diskussion zur Kenntnis genommen hätte, gleichzeitig jedoch schließt dieses Buch die von Strauss verehrten Klassiker auf bereichernde Weise neu auf. Dass man an die hier ausgebreitete Philosophie etwa hinsichtlich ihrer scharfen Absage an jeden Historismus auch kritische Fragen stellen kann, spricht, meint Kaube, keineswegs gegen, sondern klar für das Buch. Insofern eine tolle Veröffentlichung, die ihre Leser gedanklich bereichert, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.10.2025

Allzu viel Licht ins Dunkel des Denkens Leo Strauss' bringt dieses Buch nicht, findet Rezensent Jens Balzer. Heinrich Meier beschäftigt sich darin, lesen wir, mit den Schriften eines Philosophen, der sein Werk einerseits dem Hinterfragen aller Wahrheiten widmete, der aber andererseits auch die Notwendigkeit bleibender Werte betonte. Wie diese widerstreitenden Positionen Strauss' Denken bestimmen: das zeichnet Meier laut Balzer entlang der Schriften des Autors nach. Keine Rolle spielt hingegen, lernen wir, die Strauss-Rezeption insbesondere der gegenwärtigen amerikanischen Rechten. Balzer lernt von Meier vor allem, dass man mit Strauss' Schriften praktisch alle Gesellschaftsordnungen rechtfertigen kann, von der Demokratie bis zur Anarcho-Kommune, solange nur ein Moment der Elitenherrschaft beibehalten wird. War der Kritiker der Relativisten am Ende selbst ein Relativist? Auf diesen Verdacht läuft Balzers Besprechung eines Buches hinaus, das letztlich ähnlich esoterisch und opak bleibt wie das Werk des Philosophen, dem es sich widmet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.09.2025

Heinrich Meier beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Denken Leo Strauss' und mithin, so Rezensent Guido Kalberer, mit einer intellektuellen Figur, die in der gegenwärtigen populistischen Rechten viele Fans hat, darunter bei Figuren wie Peter Thiel, die einen Gegensatz zwischen Demokratie und Freiheit ausmachen und deshalb via Trumpismus mit ersterer aufzuräumen gedenken. Freilich gehe Meier in seinem Buch überhaupt nicht auf aktuelle Entwicklungen ein und konzentriere sich ganz auf die Rekonstruktion der Schriften eines Denkers, der sich vor allem mit Texten anderer Autoren auseinandergesetzt hatte. Besonders wichtig, so Kalberer mit Meier, war für Strauss Heidegger, dessen Diagnose einer "Seinsvergessenheit" er auf das gesamte an historischen Prozessen orientierte Denken ausdehnte - er selbst strebte in seiner eigenen esoterischen Textpraxis zu den Philosophen der Vormoderne zurück, die sich an überzeitlichen Werten orientierten. In seinem Buch "Natural Right and History" führt das laut Kalberer zu der Idee, dass das Naturrecht dem Geschichtlichen gegenüber vorzuziehen sei und dass die Gesellschaft am besten dran ist, wenn sie von einer Elite geführt wird, die sich der Weisheit verschreibt. Kalberer ist von solchen Volten nicht allzu beeindruckt und wundert sich abschließend vor allem darüber, dass ein durch und durch reaktionärer Typ wie Strauss zum Vorbild von Möchtegern-Revoluzzern wie Thiel werden konnte.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 26.08.2025

Der hier rezensierende Philosoph Leander Scholz rät dringend zur Lektüre von Heinrich Meiers Studie zum Gesamtwerk von Leo Strauss, schon um die amerikanische Politik besser zu verstehen. Denn Strauss, der vor den Nazis in die USA geflohen war, wurde dort zum Vordenker der  Neokonservativen und beschäftigte sich zeitlebens mit der Frage nach der Wehrhaftigkeit der Demokratie. Der Kritiker liest hier zunächst nach, wie Platon und Aristoteles Strauss' Denken prägten, bis er sich schließlich mit Heideggers Projekt, die "abendländische Metaphysik zu destruieren", auseinandersetzt. Mit großem Interesse folgt er zudem, wie sich Strauss mit dem Böckenförde-Diktum auseinandersetzte, dass besagt, dass der liberale säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebe, die er nicht garantieren könne. Strauss hingegen befand, dies schwäche die Gegenwart, was sich besonders in der Konfrontation mit Anhängern
einer politischen Religion, "die genau wissen, wem sie gehorchen" zeige. Wie dieses Denken die amerikanische Politik prägte, liest Scholz hier interessiert nach.