György Dalos
Neutralität und Kaiserschmarrn
Eine Geschichte Österreichs seit 1945

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406836961
Gebunden, 224 Seiten, 26,00 EUR
ISBN 9783406836961
Gebunden, 224 Seiten, 26,00 EUR
Klappentext
Deutsche Bearbeitung von Elsbeth Zylla. Von den Trümmern des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart dieses Buch bietet einen Überblick über die bewegte Geschichte Österreichs seit 1945. Wie positionierte sich die Alpenrepublik im Kalten Krieg? Wie prägt dies auch heute noch das Verhältnis zu Russland? Durch seine im Staatsvertrag von 1955 festgeschriebene "immerwährende Neutralität" war Österreich lange ein wichtiges Bindeglied zwischen Ost und West und hatte die Möglichkeit, seine Geschichte eigenverantwortlich fortzuschreiben. Dieses Buch zeichnet nach, inwieweit es der Zweiten Republik in den darauffolgenden Jahrzehnten gelang, diese günstige Konstellation zu nutzen. Wir erfahren, wie die innere Entwicklung verlief und welche Konflikte die Identitätsbildung als moderne Nation bis heute begleiten. Von der sozialdemokratischen Blütezeit der Ära Kreisky in den 1970ern bis zur Waldheim-Affäre, von den Ursprüngen der Umweltbewegung und dem Aufstieg der FPÖ unter Jörg Haider bis zum Ibiza- Video, von Kurz bis Kickl.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2025
Rezensent Michael Frank überlegt, für wen der Historiker und Exil-Wiener György Dalos dieses Buch über die Geschichte Österreichs nach 1945 wohl geschrieben hat. Einerseits ist es ein "geschichtsträchtiges, durchaus süffiges Bändchen", das mit vielen spannenden Anekdoten aufwartet. Andererseits: So beiläufig, ja karg, wie es daherkommt, stößt es den zeitgeschichtlich blanken Leser womöglich vor den Kopf, befürchtet Frank, der selbst Schwierigkeiten andeutet, Themen, Personen und Zeiten im Band immer richtig einzuordnen. Gleichzeitig mangelt es dem Band laut Frank an originellen Detaildeutungen, um dem Kenner Aha-Erlebnisse zu bieten. Register und Zeittafel im Buch genügen nicht, um das eine oder das andere zu kompensieren, meint er. Der Kritiker empfiehlt das Buch vor allem für "Nichtwisser".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2025
Rezensent Alexander Haneke hat durchaus seinen Spaß mit György Dalos' Buch - man sollte bloß nicht erwarten, dass der Autor hier eine ernsthafte Studie über österreichische Identität vorlegt, was man angesichts des Titels durchaus hätte denken können. Stattdessen schreibt Dalos, lesen wir, anekdotisch und beschwingt über Österreichs Nachkriegsgeschichte, die Beziehungen des Landes zu den Nachbarn im Osten spielen dabei immer wieder wichtige Rollen. Im Schnelldurchlauf nimmt Haneke die historischen Wegmarken durch, denen sich Dalos widmet, von einem Bericht George Orwells aus dem Land im Jahr 1945 über den die Neutralität garantierenden Staatsvertrag 1955, Österreichs Erfahrungen mit dem Terrorismus und dem fast-Einstieg in die Atomkraft in den 1970ern bis zu den Skandalen der Gegenwart. Immer wieder gerät dabei die bewunderswerte österreichische Lässigkeit im Umgang mit der eigenen Unvollkommenheit in den Blick, freut sich Haneke, dem ein bisschen mehr Stringenz alerdings schon gefallen hätte. Wenn man keine falschen Erwartungen hegt, kann man mit diesem sehr lebendigen Buch jedoch durchaus seine Freude haben.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.09.2025
Rezensent Wolfgang Schneider liest György Dalos versierte Geschichte Österreichs nach 1945 offenbar mit Interesse. Auch scheint er seine Freude zu haben an Dalos' feinem Humor, seinem subtilen Sarkasmus, mit dem er die Nachkriegszeit des Alpenlandes zwischen Ost und West beschreibt. Dieses "Dazwischen" dient dem ungarischen Autor als Leitmotiv, erklärt Schneider, versinnbildlicht es doch sehr treffend die Rolle Österreichs im europäischen Kontext: als neutrale Pufferzone zwischen den Machtblöcken. Dalos schildert diese Rolle, sowie die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Österreich, die zahlreichen Intrigen und Skandale, mit "fast trockener Sachlichkeit", jedoch nicht ohne eine gute Prise Ironie, so der Rezensent.
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