Wir wissen heute viel über die Umstände einzelner Kriege. Aber eine umfassende Einordnung von Kriegen in die Gesellschaft, in der sie stattfinden, steht noch aus. Wie hängen etwa die Muster der Rekrutierung von Kämpfern mit der Gesellschaftsform zusammen, in der sie leben? Wo ist die Kontrolle der bewaffneten Truppen angesiedelt? Inwieweit werden Rollenkontexte durch Kriege beschädigt und wie werden sie geschützt? Wie wird über Kriegsanfang und Kriegsende entschieden? Auf der Basis der soziologischen Gesellschaftstheorie analysiert Barbara Kuchler Zusammenhänge zwischen Kriegsformen und gesellschaftlichen Differenzierungsformen seit der Antike bis heute. Sie arbeitet dabei das typische Profil moderner Kriege heraus, das sich jenseits aller Unterschiede zwischen "alten" und "neuen", regulären und irregulären Kriegen beobachten lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2013
Zu reiner Rhetorik wird die Frage, ob Krieg zu etwas gut sei, für Thomas Speckmann beim Lesen des Buches der Bielfelder Soziologin Barbara Kuchler. Dankenswert findet Speckmann, dass die Autorin nicht die reißerische These reitet, sondern Grundlegendes zu erkennen trachtet. Indem Kuchler fragt, wie Krieg im Lauf der Menschheitsgeschichte gewertet wurde, kommt sie laut Rezensent zu interessanten Einsichten. Derjenigen etwa, dass die negative Bewertung des Krieges historisch jung recht ist, oder über die Rolle die Opferperspektive dabei. Dass Krieg negativ zu bewerten sei, daran ist für den Rezensenten nach dieser Lektüre kein Zweifel mehr.
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