Klappentext
Mit 36 zum Teil farbigen Abbildungen. Eine Spurensuche legt ökologische Entwicklungslinien in Marx' Schreiben frei, die oft übersehen wurden: ein neuer Zugang zu einem Werk von überraschender Aktualität.Ökologische Sensibilität bestimmt Karl Marx' Werk von Anfang an. Sie ist nicht erst das Ergebnis eines späten Wandels, sondern imprägniert sein Denken von den frühen Schriften über das "Kapital" bis in seine letzten Jahre. Marx nimmt das Naturdenken der Romantik auf und stellt es vom spekulativen Kopf auf die empirischen Füße. Dabei spielen Ludwig Tieck und Goethe eine nicht geringere Rolle als Charles Darwin oder Adam Smith. Poetische Texte und Schreibweisen durchdringen gesellschafts- und naturwissenschaftliche Diskurse.In einer Verbindung von Ideengeschichte und intensiven Textlektüren legt Detering die überraschende Aktualität von Marx' Schreiben in unserer Zeit frei, einer Zeit, in der die Deformationen des Marxismus abgewirtschaftet haben und der sie überlebende Kapitalismus einen globalen Ökozid heraufbeschwört.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.05.2025
Aus der traditionellen Lesart, erklärt Rezensent Thomas Groß, aus den gemeinen Vorurteilen über Marx und seine Schriften, aus den rein rationalen ökonomischen Analysen will Heinrich Detering verschüttete "utopische Gehalte" bergen. Und es gelingt ihm, lobt der Rezensent. Mit beeindruckender philologischer Präzision untersucht der Literaturwissenschaftler das Marxsche Gesamtwerk und führt uns dabei einen Marx vor Augen, wie ihn wohl die wenigsten sich je vorstellen konnten: schwärmerisch, romantisch, ökologisch sensibel, ein Autor, der eben nicht nur in der Tradition von Naturwissenschaftlern und Ökonomen steht, sondern auch stark geprägt ist von Goethe, Heine, oder der Romantikerin Bettina von Arnim, ein Marx, der das Verhältnis von Mensch und Natur naturmythologisch denkend als ein "leibliches Liebesverhältnis" fasst. Besonders überrascht zeigt sich Groß allerdings von der Tatsache, dass es gerade "Das Kapital" ist, das gefürchtete Marxsche Mammutwerk, aus dem der Autor eine verborgene Erzählung vom verlorenen Paradies herausarbeitet sowie die Vision eines künftigen "kommunistischen Weltgartens". Schade nur, dass uns Detering nicht noch mehr darüber erzählt, weshalb Marx und jene, die mit ihm und weiter dachten, diese Vision nicht realisieren konnten, so der angetane Rezensent. Er wäre Deterings Gedanken gerne noch länger gefolgt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2025
Der hier rezensierende Politologe Herfried Münkler begegnet in dem Buch des Literaturwissenschaftlers Heinrich Detering einer im Umgang mit Marx seltenen Frische. Anregungen bekommt er eine ganze Menge, wenn Detering den naturphilosophischen Implikationen bei Marx nachspürt, dafür das gesamte Werk des Ökonomen durchforstet und Verbindungen zwischen Marx' Beschäftigung mit den Romantikern und etwa Ausführungen über den Verbrauch von Pferden bei der Industrialisierung Englands herstellt. Was der Autor vorlegt ist für Münkler nicht nur eine Seltenheit, sondern bietet auch tiefgründige Beschäftigung mit Marx und für den interessierten Leser Anregung zum Weiterdenken, versichert der Rezensent.