Aus dem Italienischen von Daniel Creutz. Einführung und Kommentar von Franco D'Intino. Essay zur deutschen Leopardi-Rezeption von Cornelia Klettke. "Vom Nichts geht man in der Literatur zum Mittleren und zum Wahren über und sodann zur Verfeinerung: Es existiert kein Beispiel dafür, dass man von dort aus wieder zum Wahren zurückgekehrt wäre." Mit diesem Gedanken beendet Giacomo Leopardi 1817 die erste Seite seines heimlichen Notizbuchs, des "Zibaldone di pensieri". Bei seinem Abschluss fünfzehn Jahre später ist daraus ein Buch ohne Vorbild geworden, das sich jeder Gattung entzieht - und mit über 4500 Seiten ein "Sammelsurium" der Maßlosigkeit. Im Zibaldone fand der junge und genialische Leopardi zu einem "dichtenden Denken", das den Kosmos des 19. Jahrhunderts in sich birgt - und weit über die Vorstellungswelt seiner Zeit hinausweist. Erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt, lesen wir das dicht gesponnene Hauptwerk eines der wichtigsten europäischen Denker der Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.03.2025
Otto Kallscheuer freut sich über diese deutschsprachige kritische Edition von Giacomo Leopardis Gedankentagebuch. Die niedergeschriebenen Gedanken des großen italienischen Romantikers in der texttreuen Übersetzung von Daniel Creutz bieten Kallscheuer eine Nahaufnahme von Leopardis verzweifelter Seele und erinnern den Rezensenten mit ihren hypotaktischen Endlossätzen an - Überraschung - Thomas Bernhard! Ob über Kosmologie, die Aufklärung oder den Verfall der Regierungsformen, Leopardi offeriert einen echten Gedankenberg, aus dem sich laut Rezensent "ganze Abhandlungen herausdestillieren" lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2024
Mit Begeisterung und absoluter Hingabe betritt Rezensent Thomas Steinfeld die wie "pausenlos ratternde Gedankenwerkstatt" des italienischen Dichters Giacomo Leopardi. Durch seinen nun auf Deutsch vorliegenden "Zibaldone" - was so viel heißt wie eine neuzeitliche Sammlung wichtiger überlieferter Schriften - begegnet Steinfeld einem geradezu enzyklopädisch und emotional überbordenden Intellekt und einem unbändig tiefen Wissen. In diesem Buch werden alle Schöngeister fündig, vom akribischen Philologen und Romanisten bis zum Tagträumer und Literaten. Alle geisteswissenschaftlichen Sehnsüchte werden von Leopardi mit nicht weniger als einem der wichtigsten Texte des 19. Jahrhunderts" befriedigt, schwärmt Steinfeld. Denn Leopardi schreibt alles, vom literarischen Kommentar über bewundernde Verse bis hin zu erschütternden Aphorismen, die allesamt von philosophischer und literarischer Kraft zugleich leuchten und insgesamt zu einer eleganten und elementaren Morallehre werden. Den vielseitig interessierten und begabten jungen Leopardi erkennt Steinfeld in seinen erwachsenen Schriften, die, so interpretiert der Rezensent, eine umgekehrte Aufklärung versuchten: Der Fortschritt der Zivilisation führe in eine leere und hoffnungslose Existenz. Und hier identifiziert Steinfeld den biographischen Knackpunkt dieser Gedankensammlung. Die Verbindung von Enthusiasmus und Nihilismus, mit der Leopardi über das Verlorene alle Gründe schreibt, ist nichts anderes als die Suche nach einem Halt - den es aber nicht geben kann. Nun liegt auch eine verlässliche deutsche Übersetzung der Korridore dieses labyrinthischen wie laborhaften Intellekts vor, und Steinfeld zollt schließlich den deutschen Philologen, Herausgebern und Verlegern, die sich darum bemüht haben, ein ausführliches Lob.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
"Ein Buch für alle und keinen" ist Rezensent Andreas Platthaus zufolge die erste deutsche Ausgabe des rund zweihundert Jahre alten "Zibaldone" des italienischen Gelehrten Giacomo Leopardi, einer Sammlung von Gedanken und Überlegungen zu Themen wie italienischer Literatur (für Leopardi im Abstieg begriffen) und des Wortreichtums der französischen Sprache. Die lange Vorbereitungszeit von zehn Jahren, die in diesen ersten Band auf Deutsch geflossen ist, hat sich gelohnt, bekräftigt Platthaus, die von Daniel Creutz besorgte Übersetzung ist auch nach den strengen Kriterien des Verfassers - eine möglichst nahe am Original befindliche Imitation - gelungen. Zwischen "ästhetischer Selbstbefragung" und der Schaffung seines Denksystems bewegt sich dieses Buch, das der Kritiker ob seiner "Bewegung, Wärme, Leben" gerne zum Lesen empfiehlt.
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