Zuhören
Die Kunst, sich der Welt zu öffnen

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446281387
Gebunden, 336 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Warum hören wir nicht zu? Ein Plädoyer, sich der Welt zu öffnen, von Bernhard Pörksen, der bereits in seinem Buch "Die große Gereiztheit" Wege für positive gesellschaftlichen Debatten aufgezeichnet hat. Zuhören, Gehörtwerden, den Dialog auf Augenhöhe führen - das sind Schlagworte unserer Zeit, Leerformeln der politischen Rhetorik. Aber was heißt es, wirklich zuzuhören, die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen, sich der Weltsicht des anderen auszusetzen? Warum hört man so lange nicht auf die Opfer sexuellen Missbrauchs, warum nicht auf die Warnungen vor dem Klimawandel? Bernhard Pörksen zeigt, welche Mechanismen das Zuhören verhindern - ob im privaten Umgang oder in der Öffentlichkeit. Und er präsentiert Ansätze und Methoden, die eine neue Offenheit, tieferes Verstehen und empathisches Zuhören ermöglichen. Wie erreicht man, so lautet die Schlüsselfrage, diejenigen, die man nicht mehr erreicht?
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2025
Wirklich überzeugt ist Rezensentin Greta Zieger nicht von Bernhard Pörksens Ausführungen zum Zuhören. Pörksen beschäftigt sich mit Gegenwartsdebatten, erfahren wir, in denen sich unterschiedliche Lager unversöhnlich gegenüberstehen und er plädiert als Lösung, wieder das Zuhören zu lernen. Zu diesem Zweck unterhält er sich, referiert Zieger, unter anderem mit der Schulleiterin der Odenwaldschule über den dortigen Missbrauchsskandal und mit Klimaaktivisten, die er fragt, warum andere Leute ihre Warnungen ignorieren. Pörksen betont laut Zieger die Macht der Gefühle, die oft wichtiger seien als stringente Argumentationen, in aktuellen Debatten sind also anschauliche, emotionale Botschaften wichtig. Außerdem sollen die Menschen weniger auf ihr eigennütziges Ich-Ohr hören und mehr auf ihr andere Perspektiven mitdenkendes Du-Ohr, so Pörksen laut Zieger. Schön wäre das ja, meint Zieger, die freilich kritisiert, dass Pörksen selbst eh nur denen zuhört, mit deren Position er übereinstimmt. Dass man auf diese Weise in Streitfragen vorankommen kann, scheint die Rezensentin eher nicht zu glauben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.01.2025
Sehr einverstanden ist Rezensent Pitt von Bebenburg mit dem, was Bernhard Pörksen in diesem Buch über den Umgang mit Skandalen aufschreibt. Pörksen beschäftigt sich mit mehreren Skandalen, die Rezension konzentriert sich auf eines dieser Beispiele, nämlich den sexuellen Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule. Der wurde von Jörg Schindler bereits 1999 in der Frankfurter Rundschau thematisiert, woraufhin allerdings erst einmal gar nichts geschah, bis gut zehn Jahre später ein weiterer FR-Artikel Schindlers endlich ein Umdenken auslöste. Bebenburg denkt entlang des Buches darüber nach, warum es zu dieser Verzögerung kam, das veränderte mediale Umfeld des Jahres 2010 mit social media könnte eine Rolle spielen, auch die neue Rektorin der Schule Margarita Kaufmann, die mit den die Täter schützenden Männerbünden bricht. Der Kritiker findet es gut, dass Pörksen nicht auf finale Antworten aus ist, sondern dafür plädiert, immer wieder neu und vorurteilsfrei auf die Welt zu blicken.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.01.2025
Keineswegs bloß ein Gemeinplatz ist es, meint Rezensentin Vera Linß, wenn Bernhard Pörksen in seinem Buch die krisenhafte Debattenkultur retten will, indem er besseres Zuhören verlangt. Denn keineswegs glaubt der Medienwissenschaftler Pörksen laut Linß, eine Patentlösung für alles und jeden parat zu haben, vielmehr zeigt er Prinzipien des Zuhörens auf, die zum Beispiel auf die persönliche Geschichte des Zuhörers abheben, oder auch darauf, dass manche eher sich selbst, andere den anderen zum Maßstab nehmen beim Zuhören. Ebenfalls wichtig, lernt Linß von Pörksen: der Kontext, was sich im Buch anhand zweier Beispiele - amerikanische Umweltaktivisten und die Aufarbeitung des Skandals an der Odenwaldschule - zeigt. Hier traf Pörksen Beteiligte. Kommunikation ist nicht alles, liest Linß bei Pörksen, aber sie kann, richtig kalibriert, sehr hilfreich sein und eben deshalb ist sein Buch gut und richtig.