Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer. Zum ersten Mal in der Geschichte dominiert ein einziges Wirtschaftssystem den Globus. Von Peking bis Porto Alegre: Ob es uns gefällt oder nicht, heute sind wir alle Kapitalisten. Das Mantra der Alternativlosigkeit gehört längst zum rhetorischen Standardrepertoire von Politikern jeder Couleur. Warum konnte sich der Kapitalismus gegen den Kommunismus durchsetzen? Wie steht es um die Aussichten auf eine gerechtere Welt, nun, da seine Vorherrschaft ohne Konkurrenz ist? Spätestens seit der Finanzkrise zeichnet sich ab, dass zwei Ausprägungen im Wettstreit miteinander liegen: ein liberaler Kapitalismus, der mit rechtsstaatlichen Prinzipien und Demokratie einhergeht, und ein autoritärer, in dem Vetternwirtschaft und politische Willkür an der Tagesordnung sind. Wenn es nicht gelingt, so Milanović, Herausforderungen und Probleme wie Ungleichheit, Migration oder Korruption zu meistern, ist nicht nur die liberale Wirtschaftsordnung, sondern auch die Demokratie in Gefahr. Aber der Kapitalismus ist ein von Menschen gemachtes System: Unsere Entscheidungen bestimmen, welche Form er in Zukunft annimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2020
Rezensent Michael Zöller wird nicht froh mit dem Buch von Branko Milanovic. Schon die Dichotomie zweier kapitalistischer Systeme, die der Autor aufmacht, liberaler Kapitalismus hier, autoritärer Kapitalismus dort, überzeugt Zöller nur bedingt. Vor allem stört ihn die "begriffliche Unschärfe", die sich einschleicht, wenn der Autor die beiden Varianten beschreibt und dazu etwa von John Rawls die Benennungen "meritokratisch" und "liberal" borgt. Besser gefällt ihm das Buch, wenn der Autor eigene empirische Erkundungen in Sachen Grundeinkommen und Migration vornimmt.
Zum Erkälten findet Rezensent Lars Weisbrod diese Analyse, die ebenso auch eine Prognose wagt. "Capitalism, alone", der Originaltitel des Buchs, so der Kritiker, passt sehr gut zu dieser Kälte, die eintritt, wenn private Lebensäußerung wie Nachbarschaftlichkeit oder gar Sex unter Ehepartnern vollends zur bezahlbaren Dienstleistung kommodifiziert, wie hier vorausgesagt. Dabei sollen in positiv gewendeter Kapitalismusgläubigkeit die Einkünfte von Reichen und Armen "protokommunistisch" aufeinander zu wachsen, staunt Weisbrod und findet auch die Analyse zu Migranten einigermaßen schizophren, da sie einerseits als Gefahr für das Sozialleben angesehen werden, andererseits vehement die Freizügigkeit verteidigt wird. Auch solche Unvereinbarkeit löst bei diesem Kritiker Gänsehaut aus.
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