Anne Sudrow

Saat der Gewalt

Der "Kräutergarten" in Dachau seit 1945
Cover: Saat der Gewalt
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783525311707
Gebunden, 124 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Während der NS-Zeit hatte das SS-Unternehmen "Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung" am KZ-Standort Dachau gesundheits- und konsumpolitische sowie kolonialwirtschaftliche Funktionen. Hier erforschte die SS Ersatzstoffe für Nahrungsmittel, Produkte und Verfahren der ökologischen Landwirtschaft sowie der Naturheilkunde. Tausende von KZ-Häftlingen wurden in diesem Produktions- und Forschungsbetrieb zur Arbeit unter menschenverachtenden Bedingungen gezwungen. Hunderte wurden dabei von der SS ermordet.Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernehmen ehemalige KZ-Häftlinge den "Kräutergarten". Anne Sudrows Studie fragt: Gelang dieser Versuch einer "Wiedergutmachung" des NS-Unrechts auf lokaler Ebene? Gegen welche Widerstände in der bayerischen Landespolitik der frühen Nachkriegszeit, in der Gesellschaft der ehemaligen Täter und im aufziehenden Kalten Krieg mussten die Akteure ankämpfen? Wer gewann schließlich diese Auseinandersetzungen? Und warum ist das Gelände des "Kräutergartens" bis heute, anders als geplant, weder Wissenschaftsstandort noch Erinnerungsort an den Nationalsozialismus geworden? Diese Studie entstand im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2025

Die ehemalige Leiterin der KZ-Gedenkstätte und Rezensentin Barbara Distel liest die beiden von Anne Sudrow im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau verfassten Bände über den vom KZ Dachau zusammen mit Häftlingen betriebenen anthroposophischen Kräutergarten mit Interesse. Die auf die beiden Bände verteilte detaillierte Analyse dieses Arbeitskommandos und seiner Nachkriegsgeschichte fokussiert laut Distel auf eine kleine Gruppe Gefangener, die in der "Plantage" unter Sonderbedingungen lebten und arbeiteten. Auch wenn die Autorin der Frage nach dem Opferstatus dieser Personen nicht unbedingt gerecht wird und deren Perspektive auch nicht wie angekündigt sichtbar macht, wie Distel kritisiert, erfährt der Leser viel über die Strukturen und vor allem die unrühmliche Rolle Bayerns in der Nachkriegsgeschichte dieser Institution, befindet Distel. 

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