In 'Spur und Abweg' stellt Kurt Tallert sich der Verfolgungsgeschichte seiner Familie. Das Besondere an seinem Schicksal und seiner Perspektive auf die deutsche Geschichte: Kurt Tallert ist heute 37 Jahre alt, und doch wurde sein Vater als junger Mann noch von den Nazis als sogenannter Halbjude verfolgt. Bei der Geburt seines Sohnes ist Harry Tallert 58 Jahre alt. Und stirbt zwölf Jahre später. Was bleibt sind Erinnerungen, Notizen, Briefe, Fotos. Spuren eines beschädigten Lebens. Auf diesen Spuren wandelt Kurt Tallert. Sie führen ihn ins Bad Honnef seiner Kindheit, in zahllosen Regionalzügen quer durch die Republik und schließlich zu seiner jüdischen Urgroßmutter Berta - und zu der Frage: Was hat das eigentlich alles mit mir zu tun?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2024
Ein kluges Buch über seinen Vater hat Kurt Tallert laut Rezensent Sascha Feuchert verfasst. Der, Harry Tallert, war ein 1927 geborener Halbjude, durfte als solcher nicht bei der Hitlerjugend mitmachen, träumte dennoch zwischenzeitlich davon, als "Ehrenarier" anerkannt zu werden, bevor er zu Zwangsarbeit verpflichtet wurde. Nach dem Krieg wurde Tallert, setzt die Zusammenfassung fort, SPD-Politiker, war entsetzt über die Nichtaufarbeitung der NS-Zeit sowie über die Berufung ehemaliger Nazis in hohe Ämter und legte sich deshalb unter anderem mit Herbert Wehner an. Sein Sohn schreibt über dieses Leben nicht chronologisch, erläutert Feuchert, sondern verknüpft seine eigene Rechercheperspektive mit Briefzitaten und einzelnen Episoden. Diese Herangehensweise schadet dem Buch kein bisschen, findet der Rezensent, der Tallerts Buch für einen sehr intelligenten Text hält, der über das Private hinaus auf Allgemeines zielt.
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