Robert Mueller-Stahl

Das Leben festhalten

Deutsch-jüdische Privatfotografie in den 1930er Jahren
Cover: Das Leben festhalten
Wallstein Verlag, Göttingen 2026
ISBN 9783835360525
Gebunden, 341 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Mit 105 farbigen Abbildungen. Bilder von Leichtigkeit und Normalität inmitten einer Welt, die zutiefst erschüttert wurde. Im Urlaub, beim Sport, selbst auf der Flucht und nach der Ankunft im Exil: Während der Zeit des nationalsozialistischen Terrors hielten Jüdinnen und Juden ihren Alltag mit der Kamera fest. Ihre Fotos bewahrten sie oft in selbst gestalteten Alben auf. Die herausgestellte Leichtigkeit und die Normalität der Bilder stehen quer zum Wissen um die Anfeindung und Entrechtung, die die Abgebildeten als Juden erfuhren. In einer Zeit, in der ihre gesamte Lebenswelt zutiefst erschüttert wurde, gewinnen sie aber eben dadurch an Bedeutung. Anhand einer sensiblen Analyse von mehr als hundert größtenteils unbekannten Sammlungen zeigt Robert Mueller-Stahl, wie die private Fotografie für Jüdinnen und Juden zu einem Medium der Selbstbestimmung wurde. Kamera und Album ermöglichten es ihnen, sich so zu sehen und zu erinnern, wie sie selbst es wollten. Die Fotos widersetzen sich nicht nur den Blicken der Tätergesellschaft, sie fordern auch die heutigen Vorstellungen über das jüdische Leben der Zeit heraus. Inmitten von Verfolgung und Vernichtung sind es Zeugnisse des Lebens.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.07.2026

Rezensent Klaus Hillenbrand blättert mit großem Interesse durch dieses Buch, das Fotografien jüdischen Alltags während der Nazizeit versammelt. Es handelt sich um gerettete private Bilder, die oft unter schwierigen Bedingungen überlebt haben. Sie widmen sich in ihrer Mehrzahl den kleinen Freiräumen, die Juden in den ersten Jahren des Dritten Reiches noch blieben. Mueller-Stahl gliedert sein Buch in vier Teile: Sport, Urlaub, Flucht und Ankunft im Exil. Hillenbrand schreibt vor allem über die ersten beiden: jüdische Amateursportvereine waren für viele Verfolgte bis zu ihrem Verbot 1938/39 eine Möglichkeit, kleine Glücksmomente "im Schatten der Bedrohung" zu erleben; Urlaubsfotos wiederum zeigen teils sogar, wie Juden sich über den sie umgebenden Antisemitismus lustig machten. Beeindruckend sind diese Bilder, meint der Rezensent, weil in ihnen eine Spannung eingeschrieben ist zwischen existenzieller Bedrohung und einem trotzdem gelebten Alltag. Sichtbar wird "ein Leben jenseits der Verfolgung in der Verfolgung". Bilder die, so Hillenbrand, auf den ersten Blick nichts Spektakuläres zeigen und doch etwas festhalten, was andere Dokumente aus der NS-Zeit nicht zu fassen bekommen.

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