Kabarett der Namenlosen
Roman

Arco Verlag, Wuppertal 2025
ISBN
9783965870659
Gebunden, 244 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Los Angeles zwischen 1939 und 1945. Endstation für deutsch-jüdische Emigranten, Regisseure, Schauspieler, Schriftsteller. Einer von ihnen ist Leopold Jessner. Von 1919 bis 1930 erster Generalintendant des Preußischen Staatstheaters in Berlin, Revolutionär der Bühne, bewundert, gehaßt, bekämpft. Eng verknüpft mit ihm ist das Los "seiner" Schauspieler: Alexander Granach, Fritz Kortner, Elisabeth Bergner und Ernst Deutsch. Ihr Schicksal teilen Autoren wie Alfred Polgar, Alfred Döblin, Ludwig Marcuse oder Bruno Frank. Sie alle waren berühmt - in Deutschland. In Amerika sind sie "namenlos", können in ihrem Metier kaum arbeiten, das größte Hindernis ist die Sprache. So leben die meisten von Spenden betuchterer Emigranten oder Gelegenheitsjobs. Zwischen diesen Mittellosen und den Feuchtwangers oder Thomas Mann in ihren Villen in Pacific Palisades liegen Welten. Doch im "Jewish Club of 1933" kommen sie alle zusammen. Mit Autorenlesungen und Theateraufführungen stemmen sich die Emigranten hier gegen die Unkultur in Deutschland, aber auch gegen die Nazi-Anhänger in den USA. Bei privaten Treffen geht es um das fiebrige Leben in der Glitzerstadt, um Träume, auch die geplatzten. Um ihre deutsch-jüdische Identität, hin- und hergerissen zwischen alter und neuer Heimat. Um die Hoffnung, vielleicht doch noch einmal im Theater und Film oder als Autoren gebraucht zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.08.2025
Rezensentin Cornelia Geißler liest gespannt über die Schicksale deutscher Theaterleute im "Dritten Reich", die Susanne Schädlich in ihrem Roman in Schlaglichtern szenisch beschreibt. Leopold Jessner, Ernst Deutsch, Liesl und Bruno Frank, Brecht und viele andere kommen laut Geißler im Text, manchmal parallel, manchmal auseinander driftend. Mit Zeit- und Ortssprüngen werden die Flucht- und Exilgeschichten angerissen, die Schädlich akribisch recherchiert hat, wie Geißler erläutert. Auch wenn die Sprunghaftigkeit dieses Tatsachenromans die Rezensentin fordert, der Ertrag scheint es Geißler wert zu sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2025
Sensibel und detailliert schildert Susanne Schädlich in ihrem neuen Buch die Schicksale deutscher Exilanten in Los Angeles, freut sich Rezensent Benno Herz. Schädlich nimmt weniger bekannte Biografien aus der Theater- und Filmwelt unter die Lupe, gerade solche, die "tragische und wenig glamouröse" Erfahrungen im Exil machten. Im Mittelpunkt steht der Regisseur und Intendant Leopold Jessner, der das politische Theater der Weimarer Republik entscheidend mitprägte und vor den Nazis erst nach Palästina, dann in die USA floh. Aber Herz findet hier noch viele weitere eher unbekannte Geschichten zum Beispiel von Schauspielerin wie Alexander Granach, Fritz Kortner und Elisabeth Bergner oder auch die des Kabarettisten Erich "Elow" Lowinskys und dessen ewiges Warten auf ein Visum. Gleichzeitig lernt der Kritiker aber auch, wie unterschiedlich die deutsche Filmindustrie auf die Machtergreifung der Nazis reagierte: Während manche Studios die deutsche Filmindustrie boykottierten, gab es auch einige, die die Kooperationen aufrecht erhielten und, zum Beispiel, jüdische Namen aus den Abspännen löschten, wie der Kritiker anmerkt. Einfühlsam und atmosphärisch präsentiert Schädlich die Schwierigkeiten, auf die deutsch-jüdische Exilanten trafen, Sprachbarrieren und mangelnde Engagements, aber auch die "Zerrissenheit" zwischen der Sehnsucht nach der Heimat und dem neuen, fremden Umfeld. Herz spricht eine deutliche Empfehlung für dieses Buch aus!