Wie wird aus dem mit einer halbseitigen Lähmung geborenen Kind, das laut Aussage der Ärzte sein Leben lang geistig behindert bleiben sollte, eine wagemutige und idealistische Pionierin? 1930/31, auf der Höhe ihres Schriftstellerinnenruhms, schreibt Alma M. Karlin eine Autobiografie voller Witz und (Selbst-) Ironie über die ersten dreißig Jahre ihres Lebens - zugleich eine kritische Betrachtung des beginnenden 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges.
2010 ins Slowenische übersetzt, erscheint Karlins Autobiografie "Ein Mensch wird" erstmals im deutschen Original, herausgegeben und mit einem Nachwort der Karlin-Biografin Jerneja Jezernik.
Rezensentin Doris Akrap hat nicht nur das schriftstellerische Talent Alma Karlins fasziniert, das sie mit dem ersten Teil ihrer Autobiografie, "Ein Mensch wird. Auf dem Weg zur Weltreisenden", entdeckt hat. Sie zieht vor allem den Hut vor der Autorin selbst: Halbseitig gelähmt, schielend und mit der Prognose, ihr Leben lang geistig behindert zu bleiben, erfuhr Karlin von Geburt an hauptsächlich Ablehnung von ihrer Umwelt, erfahren wir. Dass sie dennoch mit viel Witz und Selbstironie beschreibt, wie sie sich vom "Zusammenkratzerl zur Bestsellerautorin" gemausert hat, hat die Rezensentin tief beeindruckt. Auch bewundert sie Karlin, die in einem deutsch-slowenischen Städtchen in Österreich-Ungarn aufgewachsen ist, für ihren Mut: Sie habe sich nicht nur den Nazis widersetzt, sondern sei als weibliche Weltreisende in Ländern wie Peru und Japan ihrer Zeit eindeutig weit voraus gewesen. Akrap wünscht sich, auch den Rest dieses außergewöhnlichen Lebens aus der spöttischen Ich-Perspektive Karlins erzählt zu bekommen.
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