Insel Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783458646235 Gebunden, 284 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine Legende gemacht, sondern Literatur. Ihre drei Ehen, mit dem Maler Lucian Freud, dem Komponisten Israel Citkowitz und dem Dichter Robert Lowell, stehen für ein glamouröses Dasein im Sog von Kunst, Begehren und weiblicher Selbstbehauptung. "Das Schicksal der Mary Rose", erschienen 1981 und endlich wiederentdeckt, ist ein Kammerspiel über Macht und Abhängigkeit. Blackwood zeigt, wie die Gewichte im bürgerlichen Idyll um Ehe, Kind, Heim sich so weit verschieben können, dass aus Fürsorge Kontrolle wird und das Unheimliche sich im Alltäglichen Bahn bricht.
Caroline Blackwood kennt man heute eher aus der Sicht, die andere auf sie hatten, weiß Rezensent Benedikt Herber, etwa ihr erster Ehemann, der Maler Lucian Freud, der sie mit dem Bild "Girl in Bed" verewigt hat. Sie hat aber auch selbst zehn Bücher geschrieben und darin einiges zu sagen, nun zum ersten Mal auch in deutscher Übersetzung, so Herber. "Das Schicksal von Mary Rose" ist der Roman einer "großen Schriftstellerin", gibt er gleich zu verstehen: Sie nimmt hier die Perspektive eines Mannes ein, Rowan Anderson, der eigentlich mit seiner Geliebten in London lebt und nur am Wochenende bei seiner Frau Cressida und der Tochter Mary Rose vorbeischaut, für die er sowieso wenig anderes als Verachtung empfindet. Als dann ein anderes kleines Mädchen in dem Dorf ermordet wird, berührt das Rowan auch nicht weiter, aber Cressida gerät in Panik um die Tochter: das wird laut Herber kammerspielartig und horrorhaft erzählt. Ihn erinnert Blackwoods Buch an Shirley Jackson, die "menschlichen Monster" lösen Beklemmungen aus - und die Vorfreude auf weitere Übersetzungen ins Deutsche, die zeigen, wie sich die Autorin dem menschlichen Wahnsinn widmet, schließt der Kritiker.
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