Michael Wedekind

Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945

Die Operationszonen
Oldenbourg Verlag, München 2003
ISBN 9783486566505
Gebunden, 526 Seiten, 44,80 EUR

Klappentext

Anders als im übrigen Italien war die nationalsozialistische Okkupation in Norditalien sowie in Slowenien und Westkroatien durch die Einrichtung von Sonderverwaltungsgebieten gekennzeichnet. Sie unterstanden der Ziviladministration der Gauleiter von Tirol und Kärnten. Die eingerichteten "Operationszonen" bildeten einen Sonderfall nationalsozialistischer Besatzungspolitik. Nach dem Sturz Mussolinis im September 1943 gaben sie Raum für eine von Teilen der österreichischen NS-Elite lancierte Expansionspolitik. Michael Wedekind beschreibt Verwaltungshandeln und Herrschaftssicherung der Deutschen, aber auch Attentismus, Kollaboration und Widerstand der Bevölkerung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2003

Michael Wedekinds Arbeit über die deutsche Besatzungspolitik in Norditalien in den Jahren 1943 bis 1945 widmet sich vor allem den bisher kaum erforschten Sonderverwaltungsgebieten "Alpenvorland" und "Adriatisches Küstenland", berichtet Wolfgang Schieder. Wie er darlegt, interpretiert Wedekind das nationalsozialistische Besatzungsregime in den beiden Operationszonen als ein Fallbeispiel "polykratischer Herrschaft" - ein Interpretationsansatz, dessen Tragfähigkeit der Autor zum Bedauern Schieders nicht methodisch reflektiert. Dennoch findet er die Darstellung im Ergebnis insofern überzeugend, als Wedekind zeigen kann, dass die Abtrennung der beiden Besatzungsgebiete nicht militärischer Notwendigkeit entsprang, sondern von österreichischen NS-Führern, insbesondere den Gauleitern Hofer (Tirol) und Rainer (Kärnten), aus rein politischen Gründen durchgesetzt wurde. Fragwürdig erscheint Schieder indes Wedekinds Unterfangen, die Sonderherrschaft der beiden Gauleiter als eine Art Zwischenschritt zu einer vollständigen "deutschen Beherrschung des europäischen Südostens" zu interpretieren. Als "besonders eindringlich" würdigt Schieder hingegen Wedekinds Beschreibung der "Gewaltentfesselung des NS-Repressionsapparates" in den Operationszonen, vor allem der Verfolgung der Juden, aber auch der slowenischen, kroatischen und italienischen Partisanen.
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