Wagemut und Wissbegier, ein feines Beobachtungs- und Differenzierungsvermögen und vor allem die unbändige Lust an immer neuen Begegnungen machten Alexander von Humboldt vor 200 Jahren zu einem epochalen Weltentdecker. "Das Buch der Begegnungen", das die emphatischsten Zeugnisse aus den "Amerikanischen Reisetagebüchern" versammelt, zeigt einen warmherzigen Menschen ohne Berührungsängste. Auf seiner Reise in die amerikanischen Tropen von 1799 bis 1804 hielt der preußische Kosmopolit eine Vielzahl exotischer Physiognomien fest und sah die Welt, wie sie vor ihm noch keiner gesehen hatte. Als einer der ersten Europäer überhaupt kritisierte er Kolonialismus, Sklavenhandel und christlichen Bekehrungseifer. Dagegen betonte er die Würde und den kulturellen Reichtum vermeintlich primitiver Völker. Überzeugt davon, dass es keine unterlegenen oder gar minderwertigen Ethnien gebe, war er seinen Zeitgenossen weit voraus. Und selbst im 21. Jahrhundert kommt Alexander von Humboldt als Anwalt einer universellen Humanität wie gerufen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2018
Hymnisch bespricht der hier rezensierende Germanist Bernhard Malkus diesen von Ottmar Ette herausgegebenen und kommentierten Band mit Auszügen aus den amerikanischen Tagebüchern von Alexander von Humboldt. 4500 Seiten umfassen Humboldts Manuskripte, Ettes Entscheidung, das Moment der Begegnung in den Mittelpunkt zu stellen, erscheint dem Kritiker schon deshalb klug. Darüber hinaus lernt Malkus Humboldt in den Texten, in denen Ette "Menschen, Kulturen und Geschichten" ins Zentrum stellt, insbesondere als "fühlenden Menschen" kennen, der nicht nur über eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe verfügte, sondern den Beobachterstandpunkt stets mitbedachte. Dass Humboldts naturwissenschaftliche Praxis hier zu wenig beleuchtet wird, kann der Rezensent angesichts der faszinierenden Einblicke verzeihen.
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