Dietmar Pieper

Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche

Wie hanseatische Kaufleute Deutschland zur Kolonialherrschaft trieben
Cover: Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche
Piper Verlag, München 2023
ISBN 9783492071673
Gebunden, 352 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Der deutsche Kolonialismus entstand im Zusammenspiel von Kaufleuten, Bankiers und Reedern, für die der außereuropäische Handel seit Langem eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen war. Gerade Hamburg und Bremen spielten eine bedeutende Rolle: Ohne die hanseatischen Unternehmer hätte es die deutschen Kolonien nicht gegeben, erst auf ihr Drängen reagierte die Politik. Die Deutschen in Afrika waren berüchtigt für ihre Prügelstrafen, Zwangsarbeit war unter ihrem Regime die Regel. Dietmar Pieper beleuchtet ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2023

Rezensentin Ulla Fölsing verfolgt gespannt, wie der ehemalige Spiegel-Redakteur Dietmar Pieper sich in seinem Buch auf eine "kolonialistische Spurensuche" in Hamburgs Stadtbild macht. Die zentrale These des Buches: Vor allem hanseatische Kaufleute haben damals die Kolonisierung afrikanischer Länder durch das Deutsche Reich vorangetrieben. Die reichen Händler, die Pieper der Rezensentin zufolge als "harte Erfolgsmenschen" mit rassistischen Tendenzen porträtiert, forderten von Otto von Bismarck den Schutz ihrer selbst etablierten Handelsgebiete in Afrika, die dann wenig später zu den ersten deutschen Kolonien wurden. Wie der Autor zeigt, sind Überbleibsel dieser Vergangenheit nicht nur an wichtigen Gebäuden und Attraktionen der Stadt Hamburg zu finden, lernt die Kritikerin, sondern auch bei großen Unternehmen, wie zum Beispiel Edeka und Douglas. Diese haben sich mit ihrer Kolonialvergangenheit bis heute kaum auseinandergesetzt, zeigt der Autor in seinem Buch, das der Kritikerin zufolge den Blick für solche bisher wenig beachteten "Ungereimtheiten" schärft.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.02.2023

Schlüssig findet Rezensent Michael Wolf, wie Dietmar Pieper die Geschichte des deutschen Kolonialismus erzählt: Demnach waren es nicht staatliche Ambitionen, die das koloniale Projekt vorantrieben, sondern private Geschäftsinteressen: Bismarck wollte das Deutsche Reich aus kolonialen Abenteuern heraushalten, um England und Frankreich nicht zu verärgern, lernt Wolf, doch Unternehmer wie Adolf Lüderitz und Adolph Woermann leisteten aus wirtschaftlichem Eigeninteresse erfolgreich Lobbyarbeit. Dass eklatante Ausbeutung nur notdürftig als Zivilisationsprojekt kaschiert wurde, führt ihm der Autor deutlich vor Augen, aber auch dass sich dieses Ungleichgewicht im Welthandel seither nicht wesentlich verändert hat. "Klug und angenehm unaufgeregt" findet Wolf, wie Pieper für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der kolonialen Geschichte plädiert. Und auch durch die Hamburger Speicherstadt, zum Chilehaus und in Hagenbecks Tierpark folgt er Pieper gern mit geschärftem Blick.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Maxim Biller. Schwarze Samstage - Roman eines Jahres. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Maxim Biller: Schwarze Samstage
Eigentlich dachte Ari, der Ich-Erzähler von Maxim Billers neuem Roman, Ende der siebziger Jahre sei das Schlimmste vorbei gewesen: Nach ihrer Flucht aus der kommunistischen…