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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Das Zentraleuropäische Forum in Bratislava

Von Thierry Chervel
20.11.2009. Eine solche Liebe dürfte einem ausländischen Staatsmann kaum je entgegenschlagen. Obama vielleicht. Aber der Jubel für Obama wirkt angesichts der Szene im ausverkauften Stadttheater von Bratislava wie kindische Verliebtheit. Denn dies hier ist Liebe, dauerhafte innige Dankbarkeit für einen, der wusste loszulassen. Vaclav Havel verbeugt sich in einer Reihe von Diskussionspartnern und nimmt den stehend dargebrachten Applaus mit Geduld und Bescheidenheit entgegen. Die Diskussion handelte von einem gewissen Gefühl der Ernüchterung nach zwanzig Jahren errungener Demokratie. Der Perlentaucher war eingeladen, weil er mit seiner englischsprachigen Seite signandsight.com immer wieder auch versuchte, europäische Debatten zu lancieren - und dabei in den mittel- und osteuropäischen Ländern auf größere Resonanz stieß als in Deutschland oder Westeuropa.
Eine solche Liebe dürfte einem ausländischen Staatsmann kaum je entgegenschlagen. Obama vielleicht. Aber der Jubel für Obama wirkt angesichts der Szene im ausverkauften Stadttheater von Bratislava wie kindische Verliebtheit. Denn dies hier ist Liebe, dauerhafte innige Dankbarkeit für einen, der wusste loszulassen. Vaclav Havel verbeugt sich in einer Reihe von Diskussionspartnern und nimmt den stehend dargebrachten Applaus mit Geduld und Bescheidenheit entgegen. Die Diskussion handelte von einem gewissen Gefühl der Ernüchterung nach zwanzig Jahren errungener Demokratie. Der Perlentaucher war eingeladen, weil er mit seiner englischsprachigen Seite signandsight.com immer wieder auch versuchte, europäische Debatten zu lancieren - und dabei in den mittel- und osteuropäischen Ländern auf größere Resonanz stieß als in Deutschland oder Westeuropa.

Havel sprach ruhig und ein bisschen stockend. Er wirkte gegenüber alten Fotografien ein bisschen gealtert und geschrumpft, zugleich hellwach und elegant. Er beklagte die Parteienherrschaft und kam gleich auf das Ursprungsereignis der Slowakischen Republik zu sprechen - die Teilung der Tschechoslowakei. Sie sei zuerst von Parteifunktionären als Verhandlungsergebnis von Parteien verkündet worden, und nicht von Parlament und Regierung, beklagte er. Auf dem Podium saßen berühmte Intellektuelle aus Mittel- und Osteuropa, der slowakische Politologe und Mitunterzeichner der Charta 77 Miroslav Kusy, die ungarische, seit Jahren in den USA lebende Philosophin Agnes Heller, der politische Denker Ivan Krastev aus Bulgarien, der tschechisch-slowakisch-französische Politologe und Historiker Jacques Rupnik, aus Deutschland Ingo Schulze und aus Österreich Robert Menasse.

Im Grunde war von Ernüchterung wenig zu spüren. Die Debatte war einfach zu lebendig. Robert Menasse nannte die EU undemokratisch, und erhielt dafür von Rupnik eine scharfe Replik. Agnes Heller benannte mit wunderbar ungarischem Akzent auf Englisch all das, was in den mitteleuropäischen Ländern unter den Teppich gekehrt wird - an erster Stelle die Beteiligung der Länder am Holocaust, aber auch Verbrechen der Kommunisten. Ivan Krastev hielt ein realistisches Plädoyer für die Demokratie, eine Schlampe, gewiss, aber eine verdammt attraktive. Es wurde so offen und selbstkritisch geredet, dass man sich bei allen Problemen und Populismen in der Region über die Zukunft keine Sorgen machen mochte.

Schwieriger ist das Verhältnis zur Vergangenheit. Auf einem anderen Podium diskutierten (von mir selbst moderiert) Adam Michnik, György Konrad, Slavenka Drakulic, die amerikanische Historikerin Marci Shore, ihr Kollege Timothy Snyder und der polnisch-schwedische Journalist Maciej Zaremba. Michnik, den ich vorher nie erlebt hatte, erwies sich als ein Mann von Gerd-Fröbe-hafter Berserkerherzlichkeit, der einem mit breiten Pranken auf die Schulter patscht und mit historischer - aber auch schlicht physischer - Statur die Runde dominierte. Er dekretierte laut, trotz wiederholter Versuche meinerseits, über zwei Punkte nicht sprechen zu wollen: seine eigene Vergangenheit und die von Milan Kundera.

Michnik argumentierte wie ein historischer Sieger, der dem von ihm Erledigten nun wieder auf die Beine helfen will. Er plädierte rundheraus gegen die Öffnung von Geheimdienstarchiven und begründet es aus einem Missbrauch der Akten ? etwa zu Kapuscinski und Walesa - unter den Kaczynskis. Seine Argumentation gipfelte in einer Verteidigung des Generals Jaruzelski, der einen gewaltlosen Übergang gestattet habe. Als Vorbild für den Umgang mit der Vergangenheit empfahl er nachdrücklich den spanischen Weg. Bei aller Sympathie mochte man sich fragen, ob hier nicht ein großherziger Macho andere große Männer verteidigte und darüber vergaß, dass es nicht in erster Linie um die Abstützung künftiger Denkmäler geht, sondern um die Rehabilitation von Opfern und historische Wahrheit. Akten können missbraucht werden gewiss, aber wer glaubt, dass dies systematisch geschieht und das man keinen fairen Umgang finden kann, glaubt nicht an die Demokratie, die er selbst geschaffen hat.

Dann wurde die Runde für Fragen aus dem Publikum geöffnet. Eine Studentin stand auf und fragte Adam Michnik, ob man dann nicht gleich das nächste Unrechtsregime errichten könnte, da seine Untaten ja nicht mit Aufarbeitung zu rechnen hätten. Wie gesagt: Um die Zukunft der Demokratie muss man sich in diesen Ländern keine Sorgen machen.

(Hier noch der Link zu allen Veranstaltungen, die das verdienstvolle slowakische Internetmagazin Salon.eu.sk für das Central European Forum organisiert hatte.)

Google books paradox

Von Thierry Chervel
15.11.2009. Google wird nach der neuen Version des Google Book Settlement nur noch amerikanische Bücher online verfügbar machen, heißt es (mehr zu den Details des neuen Google Book Settlement bei irights.info). Der ehemalige Direktor der Bibliothèque, Jean-Noël Jeanneney, hatte vor ein paar Jahren die Horrorvorstellung verbreitet, Google Books würde durch Bevorzugung der eigenen Sphäre die amerikanische Hegemonie steigern. Europäische Politiker nickten ernst und versprachen Abhilfe. Nun ist Jeanneneys Horrorvision wahr geworden - durch den Widerstand der Europäer.
Google wird nach der neuen Version des Google Book Settlement nur noch amerikanische Bücher online verfügbar machen, heißt es (mehr zu den Details des neuen Google Book Settlement bei irights.info). Der ehemalige Direktor der Bibliothèque, Jean-Noël Jeanneney, hatte vor ein paar Jahren die Horrorvorstellung verbreitet, Google Books würde durch Bevorzugung der eigenen Sphäre die amerikanische Hegemonie steigern. Europäische Politiker nickten ernst und versprachen Abhilfe. Nun ist Jeanneneys Horrorvision wahr geworden - durch den Widerstand der Europäer.

Thierry Chervel

Twitter.com/chervel

Schutzlos ausgeliefert im Internet?

Von Ilja Braun
15.11.2009. Am Montag und Dienstag werden Pflöcke eingeschlagen. Am Montag und Dienstag finden die VDZ Zeitschriftentage statt. Der Dienstag ist ganz dem Thema Leistungsschutzrecht gewidmet. Zuerst redet Hubert Burda, die keynote speech kommt dann von Angela Merkel. Die CDU hat bereits mehrfach bekundet, dass sie ein Leistungsschutzrecht einführen will - jetzt kommt's also drauf an.
Am Montag und Dienstag werden Pflöcke eingeschlagen. Am Montag und Dienstag finden die VDZ Zeitschriftentage statt. Der Dienstag ist ganz dem Thema Leistungsschutzrecht gewidmet. Zuerst redet Hubert Burda, die keynote speech kommt dann von Angela Merkel. Die CDU hat bereits mehrfach bekundet, dass sie ein Leistungsschutzrecht einführen will - jetzt kommt's also drauf an.

Auch das Kräftegleichgewicht zwischen Urhebern und Verwertern droht sich durch die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Verleger zu verschieben. Zu diesem Ergebnis kommt ein im Auftrag des Bayerischen Journalistenverbands verfasstes Gutachten, das am 3. Dezember 2009 in der Zeitschrift Kommunikation und Recht erscheinen und ab dem 14. Dezember auch online zur Verfügung stehen wird.
 

Urheber und Verwerter, also Verleger und Journalisten, haben nicht dieselben Interessen, stellen die Autoren Timo Ehmann und Emese Szilagyi zu Beginn ihrer Arbeit fest. Während Verleger das Internet als Konkurrenz zu ihren Printprodukten fürchten müssten, hätten Autoren ein Interesse daran, dass ihre Texte möglichst umfassend verbreitet werden.

Zudem müsse die Einführung eines neuen Schutzrechts für geistiges Eigentum sich durch einen Nutzen für das Allgemeinwohl rechtfertigen lassen. Allein die Tatsache, dass das Verlegen von Printprodukten eine wirtschaftliche Investition bedeute, rechtfertige noch kein weitreichendes Schutzrecht, so die Autoren, denn Investitionen müssten sich am Markt bewähren. Ein besonderer Schutz sei nur notwendig, wenn die entsprechende Leistung ohne diesen Schutz zum Schaden der Allgemeinheit nicht mehr erbracht werden könne. Zwar seien Verlagsprodukte aufgrund der mit ihnen verbundenen urheberrechtlichen Leistung durchaus schutzbedürftig. Daraus könne aber nicht gefolgert werden, dass die Vermittlung dieser Inhalte durch Printmedien vor der digitalen Konkurrenz gesetzlich geschützt werden müsse.

Außerdem, so stellen die Autoren heraus, gebe es schon heute zahlreiche Schutzmechanismen für Presseverleger:

- Sie können sich die entsprechenden Nutzungsrechte von den Autoren übertragen lassen.
- Sie können gegen die Übernahme wesentlicher Teile aus ihren Zeitschriften durch Suchmaschinen mit dem Datenbankherstellerrecht vorgehen.
- Sie können gegen unlautere Übernahmen ihrer verlegerischen Leistung anhand des Wettbewerbsrechts vorgehen.

Dass Presseverleger ein Leistungsschutzrecht bräuchten, um auch ohne die Kooperation des Urhebers gegen Rechtsverletzungen im Internet vorzugehen, halten die Autoren der Studie für nicht überzeugend: Wenn eine Zeitung sich die Nutzungsrechte von den Autoren habe übertragen lassen, dann sei es zumutbar, diesen Rechteerwerb nachzuweisen. Insofern aus dem neuen Recht Vergütungsansprüche erwachsen sollten, geben sie zu bedenken, dass bereits heute die Verwertungsgesellschaft Wort eine Verteilung solcher Tantiemen zwischen Autoren einerseits und Verlegern andererseits vornimmt, und warnen davor, "den bestehenden Interessenausgleich einseitig zugunsten der Verleger zu verschieben".

Ehmann und Szilagyi wundern sich ferner über die sogenannte "Hamburger Erklärung" (hier als pdf-Datei), in der es heißt, Presseverleger sollten nicht zum Verschenken ihres Eigentums ohne vorherige Zustimmung gezwungen werden, und stellen fest, dass dies keineswegs der Fall sei. Vielmehr sei das ökonomische Modell der Printverleger dadurch unter Druck geraten, dass im Internet private Kleinanzeigen billiger und kommerzielle Werbung zielgenauer zu haben sei. Es sei Verlegern aber unbenommen, kostenpflichtige Angebote im Internet einzurichten, statt Texte umsonst zur Verfügung zu stellen.

Dass die Angebote der Verlage für die Robots von Suchmaschinen offen gehalten würden, sei juristisch als konkludente Einwilligung der Verlage in diese Verwertung zu sehen, während die Anzeigeergebnisse selbst urheberrechtlich nicht schutzfähig seien. Ferner zeige die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass Links grundsätzlich nicht vergütungspflichtig seien. Sogenannte "Rip-Offs", also die kaum veränderte Übernahme von ganzen Texten, seien im Rahmen des Zitatrechts zu bewerten. Auch elektronische Pressespiegel seien nicht an sich illegal, sondern anhand der einschlägigen Regelung im Urheberrechtsgesetz zu beurteilen. Insgesamt sei durch die Einführung eines Leistungsschutzrechts eine Beeinträchtigung urheberrechtlicher Schutzregelungen zu befürchten, die derzeit für einen Interessenausgleich zwischen Autoren, Verlegern und Öffentlichkeit sorgten. Eine Einschränkung des Zitatrechts sei dabei ebenso denkbar wie eine Einschränkung der Verfügungsgewalt der Autoren über ihre Texte.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass Sinn und Unsinn eines verlegerischen Leistungsschutzrechts derzeit nicht abschließend beurteilt werden könnten, da die Verleger noch nicht dargelegt hätten, welche Handlungen, die derzeit erlaubt sind, durch dieses neue Recht verboten werden sollten. Für den Schutz vor Raubkopien und unlauterer Aneignung sind nach Ansicht der Autoren die bestehenden urheber- und wettbewerbsrechtlichen Regelungen ausreichend. Sollte dennoch ein verlegerisches Leistungsschutzrecht eingeführt werden, müsse der Interessenausgleich zwischen Autoren, Verlegern und Öffentlichkeit insgesamt neu austariert werden, so Ehmann und Szilagyi.

Einen konkreten Vorschlag dafür enthält das Gutachten auch: Der § 38 des Urheberrechtsgesetzes sollte nach Ansicht der Autoren zu zwingendem Recht werden. Das würde bedeuten, dass der heutzutage gängigen Buyout-Praxis, die dazu führt, dass Autoren alle Rechte an ihren Texten an den Verlag verlieren, ein Riegel vorgeschoben würde. Ob der Gesetzgeber an einer solchen Stärkung von Autorenrechten ein Interesse hat, bleibt abzuwarten.

Ilja Braun

Schirrmachers Payback kommt über Bande

Von Thierry Chervel
06.11.2009. Es wetterleuchtet am Horizont. Frank Schirrmacher hat ein neues Buch geschrieben, und anders als die allermeisten Journalisten seiner Generation hat er ja die Kapazität, Debatten auszulösen. Früher lancierte er seine Bücher per Vorabdrucken in Bild (was ja auch jetzt noch nicht ausgeschlossen ist). Diesmal aber spielt er zunächst über Bande: In Edge diskutieren einige bekannte Namen der von Schirrmacher vor zehn Jahren (wäre das nicht eine Gedenkausgabe wert?) ausgelobten "Dritten Kultur". "Payback" heißt das Buch - Randomhouse hat noch keine Leseprobe online gestellt. Es kommt noch im November. Die These lautet: Information Overload, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, das Internet macht uns gaga (auch Nicolas Carr hatte das vor gut einem Jahr in Atlantic Monthly beklagt). Und "wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?"
Es wetterleuchtet am Horizont. Frank Schirrmacher hat ein neues Buch geschrieben, und anders als die allermeisten Journalisten seiner Generation hat er ja die Kapazität, Debatten auszulösen. Früher lancierte er seine Bücher per Vorabdrucken in Bild (was ja auch jetzt noch nicht ausgeschlossen ist). Diesmal aber spielt er zunächst über Bande: In Edge diskutieren einige bekannte Namen der von Schirrmacher vor zehn Jahren (wäre das nicht eine Gedenkausgabe wert?) ausgelobten "Dritten Kultur". "Payback" heißt das Buch - Randomhouse hat noch keine Leseprobe online gestellt. Es kommt noch im November. Die These lautet: Information Overload, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, das Internet macht uns gaga (auch Nicolas Carr hatte das vor gut einem Jahr in Atlantic Monthly beklagt). Und "wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?"

Die Mitstreiter von Edge.org durften das Buch (englisch: "The age of the Informavore") - oder zumindest einen darauf basierenden Vortrag Schirrmachers - offensichtlich schon zur Kenntnis nehmen: "We are apparently now in a situation where modern technology is changing the way people behave, people talk, people react, people think, and people remember. And you encounter this not only in a theoretical way, but when you meet people, when suddenly people start forgetting things, when suddenly people depend on their gadgets, and other stuff, to remember certain things. This is the beginning, its just an experience. But if you think about it and you think about your own behavior, you suddenly realize that something fundamental is going on." Es diskutieren Jaron Lanier, Nick Bilton, Nick Carr, Douglas Rushkoff, Jesse Dylan, Virginia Heffernan, Gerd Gigerenzer, John Perry Barlow, Steven Pinker, John Bargh.

Pinker, Psychologe in Harvard, rät, einmal festzuhalten, was für ein haltloser Unsinn während eines stinknormalen Dinners geredet wird, und dann noch einmal neu über Internet nachzudenken: "I mention this because so many discussions of the effects of new information technologies take the status quo as self-evidently good and bemoan how intellectual standards are being corroded (the 'google-makes-us-stoopid' mindset). They fall into the tradition of other technologically driven moral panics of the past two centuries, like the fears that the telephone, the telegraph, the typewriter, the postcard, radio, and so on, would spell the end of civilized society."

ThierryChervel

twitter.com/chervel


Wir erinnern uns zu Tode

Von Thierry Chervel
02.11.2009. Gehen wir mal die Feuilletons der letzten Tage durch. Fünfzig Jahre Asterix. Dreißig Jahre Billy-Regal. Richard Serra wird siebzig. Vor vierzig Jahren starb Jack Kerouac. 25 Jahre Architekturmuseum Frankfurt. Zwanzig Jahre Mauerfall, klar. Helmut Kohl schaut zurück. Siebzig Jahre Herlinde Koelbl. Achtzig Jahre Bud Spencer. Sechzig Jahre FAZ. Schily, Ströbele, Mahler: Drei alte Herren plaudern aus dem Anwaltskollektiv. Wie Schabowski sich mit seinem Zettel verhaspelte. Hebung des Grabes von Federico Garcia Lorca. Frankreich sorgt sich um seine nationale Identität. Prächtige Dokumente aus der Familiengeschichte der Fugger. Was hat Angela Merkel am 11. November in Paris zu suchen? Die Titanen sterben aus - jungen Dirigenten fehlt das Charisma. Geschichte des Überlebens der Frankfurter Schule im schweizerischen und amerikanischen Exil. Georg-Elser-Denkmal enthüllt. 400 Jahre Shakespeare-Sonette. Heinz Czechowski ist tot. Heinz-Klaus Metzger ist tot. John Cleese siebzig. Zehn Jahre Lyrikline. Die Kindersendungen der siebziger Jahre sind nur noch auf Youtube zu sehen. Rappelkiste!
Gehen wir mal die Feuilletons der letzten Tage durch. Fünfzig Jahre Asterix. Dreißig Jahre Billy-Regal. Richard Serra wird siebzig. Vor vierzig Jahren starb Jack Kerouac. 25 Jahre Architekturmuseum Frankfurt. Zwanzig Jahre Mauerfall, klar. Helmut Kohl schaut zurück. Siebzig Jahre Herlinde Koelbl. Achtzig Jahre Bud Spencer. Sechzig Jahre FAZ. Schily, Ströbele, Mahler: Drei alte Herren plaudern aus dem Anwaltskollektiv. Wie Schabowski sich mit seinem Zettel verhaspelte. Hebung des Grabes von Federico Garcia Lorca. Frankreich sorgt sich um seine nationale Identität. Prächtige Dokumente aus der Familiengeschichte der Fugger. Was hat Angela Merkel am 11. November in Paris zu suchen? Die Titanen sterben aus - jungen Dirigenten fehlt das Charisma. Geschichte des Überlebens der Frankfurter Schule im schweizerischen und amerikanischen Exil. Georg-Elser-Denkmal enthüllt. 400 Jahre Shakespeare-Sonette. Heinz Czechowski ist tot. Heinz-Klaus Metzger ist tot. John Cleese siebzig. Zehn Jahre Lyrikline. Die Kindersendungen der siebziger Jahre sind nur noch auf Youtube zu sehen. Rappelkiste!

Die Rappelkiste sind wir heute noch. Nur rappeln darin unsere morschen Gebeine. Unsere Feuilletons - aber ist es im Fernsehen so viel anders? - bestehen aus Rückblicken. Der Jahrestag ist der cache-sexe der Ideenlosigkeit. Das Publikum summt mit: "Auf Matrosen, ohe / Einmal muss es vorbei sein..." In den öffentlichen-rechtlichen Sendern liegt der Altersdurchschnitt der Zuschauer inzwischen bei über sechzig Jahren. Wir erinnern uns zu Tode! Was sagt die neue Koalition zur Sterbehilfe?

Die Rechte meiner verwaisten Bücher sind gesichert. Google Books kommt erstmal nicht. VG Wort verteilt die Tantiemen auf die Lebenden. Die Feuilletons verschanzen ihre Qualitätsrückblicke hinter paywalls. Das Internet fragmentiert die Gesellschaft, sagt Richard David Precht. Also gießen wir Beton in die tönernen Füße unserer Leitmedien. Vielleicht geht das Internet inzwischen weg. Irgendwann werden die paar Kinder es uncool finden, sagt Precht. Darauf ein Leistungschutzrecht.

Thierry Chervel

Das Zentraleuropäische Forum in Bratislava

20.11.2009. Eine solche Liebe dürfte einem ausländischen Staatsmann kaum je entgegenschlagen. Obama vielleicht. Aber der Jubel für Obama wirkt angesichts der Szene im ausverkauften Stadttheater von Bratislava wie kindische Verliebtheit. Denn dies hier ist Liebe, dauerhafte innige Dankbarkeit für einen, der wusste loszulassen. Vaclav Havel verbeugt sich in einer Reihe von Diskussionspartnern und nimmt den stehend dargebrachten Applaus mit Geduld und Bescheidenheit entgegen. Die Diskussion handelte von einem gewissen Gefühl der Ernüchterung nach zwanzig Jahren errungener Demokratie. Der Perlentaucher war eingeladen, weil er mit seiner englischsprachigen Seite signandsight.com immer wieder auch versuchte, europäische Debatten zu lancieren - und dabei in den mittel- und osteuropäischen Ländern auf größere Resonanz stieß als in Deutschland oder Westeuropa. Von Thierry Chervel

Google books paradox

15.11.2009. Google wird nach der neuen Version des Google Book Settlement nur noch amerikanische Bücher online verfügbar machen, heißt es (mehr zu den Details des neuen Google Book Settlement bei irights.info). Der ehemalige Direktor der Bibliothèque, Jean-Noël Jeanneney, hatte vor ein paar Jahren die Horrorvorstellung verbreitet, Google Books würde durch Bevorzugung der eigenen Sphäre die amerikanische Hegemonie steigern. Europäische Politiker nickten ernst und versprachen Abhilfe. Nun ist Jeanneneys Horrorvision wahr geworden - durch den Widerstand der Europäer. Von Thierry Chervel

Schutzlos ausgeliefert im Internet?

15.11.2009. Am Montag und Dienstag werden Pflöcke eingeschlagen. Am Montag und Dienstag finden die VDZ Zeitschriftentage statt. Der Dienstag ist ganz dem Thema Leistungsschutzrecht gewidmet. Zuerst redet Hubert Burda, die keynote speech kommt dann von Angela Merkel. Die CDU hat bereits mehrfach bekundet, dass sie ein Leistungsschutzrecht einführen will - jetzt kommt's also drauf an. Von Ilja Braun

Schirrmachers Payback kommt über Bande

06.11.2009. Es wetterleuchtet am Horizont. Frank Schirrmacher hat ein neues Buch geschrieben, und anders als die allermeisten Journalisten seiner Generation hat er ja die Kapazität, Debatten auszulösen. Früher lancierte er seine Bücher per Vorabdrucken in Bild (was ja auch jetzt noch nicht ausgeschlossen ist). Diesmal aber spielt er zunächst über Bande: In Edge diskutieren einige bekannte Namen der von Schirrmacher vor zehn Jahren (wäre das nicht eine Gedenkausgabe wert?) ausgelobten "Dritten Kultur". "Payback" heißt das Buch - Randomhouse hat noch keine Leseprobe online gestellt. Es kommt noch im November. Die These lautet: Information Overload, Aufmerksamkeitsdefizitstörung, das Internet macht uns gaga (auch Nicolas Carr hatte das vor gut einem Jahr in Atlantic Monthly beklagt). Und "wie gewinnen wir die Kontrolle über unser Denken zurück?" Von Thierry Chervel

Wir erinnern uns zu Tode

02.11.2009. Gehen wir mal die Feuilletons der letzten Tage durch. Fünfzig Jahre Asterix. Dreißig Jahre Billy-Regal. Richard Serra wird siebzig. Vor vierzig Jahren starb Jack Kerouac. 25 Jahre Architekturmuseum Frankfurt. Zwanzig Jahre Mauerfall, klar. Helmut Kohl schaut zurück. Siebzig Jahre Herlinde Koelbl. Achtzig Jahre Bud Spencer. Sechzig Jahre FAZ. Schily, Ströbele, Mahler: Drei alte Herren plaudern aus dem Anwaltskollektiv. Wie Schabowski sich mit seinem Zettel verhaspelte. Hebung des Grabes von Federico Garcia Lorca. Frankreich sorgt sich um seine nationale Identität. Prächtige Dokumente aus der Familiengeschichte der Fugger. Was hat Angela Merkel am 11. November in Paris zu suchen? Die Titanen sterben aus - jungen Dirigenten fehlt das Charisma. Geschichte des Überlebens der Frankfurter Schule im schweizerischen und amerikanischen Exil. Georg-Elser-Denkmal enthüllt. 400 Jahre Shakespeare-Sonette. Heinz Czechowski ist tot. Heinz-Klaus Metzger ist tot. John Cleese siebzig. Zehn Jahre Lyrikline. Die Kindersendungen der siebziger Jahre sind nur noch auf Youtube zu sehen. Rappelkiste! Von Thierry Chervel