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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Das Gift der Selbstzensur

Von Thierry Chervel
18.08.2009. Die meisten Zeitungen in Deutschland haben das Thema nicht aufgegriffen, dabei ist es fast eine Woche alt. Die New York Times brachte es zuerst, am 12. August. In Deutschland hat dann nicht eine Zeitung, sondern ein Blog, die Achse des Guten, ein informatives Dossier zum Thema zusammengestellt. Die Süddeutsche Zeitung hat am 14. August eine winzige Meldung abgedruckt (die dem Perlentaucher entgangen ist). Der Perlentaucher wurde am 15. durch eine Meldung in der NZZ aufmerksam. Die FAZ brachte an diesem Montag einen kleinen Artikel. In anderen Zeitungen haben wir nichts gefunden - vor allem, mit Ausnahme der FAZ, keinen Kommentar. (Aktualisierung vom 19. August: Jens Balzer griff die Geschichte gestern in der Berliner Zeitung ausführlich auf.)
Die meisten Zeitungen in Deutschland haben das Thema nicht aufgegriffen, dabei ist es fast eine Woche alt. Die New York Times brachte es zuerst, am 12. August. In Deutschland hat dann nicht eine Zeitung, sondern ein Blog, die Achse des Guten, ein informatives Dossier zum Thema zusammengestellt. Die Süddeutsche Zeitung hat am 14. August eine winzige Meldung abgedruckt (die dem Perlentaucher entgangen ist). Der Perlentaucher wurde am 15. durch eine Meldung in der NZZ aufmerksam. Die FAZ brachte an diesem Montag einen kleinen Artikel. In anderen Zeitungen haben wir nichts gefunden - vor allem, mit Ausnahme der FAZ, keinen Kommentar. (Aktualisierung vom 19. August: Jens Balzer griff die Geschichte gestern in der Berliner Zeitung ausführlich auf.)

Man kann sich die Redaktionskonferenzen förmlich vorstellen: Ach, nicht schon wieder dieses Thema. Aber ist es wirklich zum Abwinken? Jytte Klausen, Politologin an der Brandeis-Universität hat den Karikaturenstreit wissenschaftlich aufgearbeitet. "The Cartoons that Shook the World" , das erst im November herauskommt, wird nun ein Buch über Bilder ohne Bilder. Offensichtlich versucht Klausen darin zu zeigen, dass die gewalttätigen Proteste gegen die Karikaturen keineswegs spontan von den muslimischen Bevölkerungen in Europa ausgingen, die ihrer Meinung nach besser integriert sind als angenommen - so geht es jedenfalls aus Besprechungen zu ihrem letzten Buch "Europas muslimische Eliten" hervor. Nein, diese Proteste waren inszeniert.

Aber sie scheint in dem Buch auch näher auf die größtenteils völlig harmlosen Karikaturen einzugehen. Im Interview mit Helen Epstein auf dem Blog The Arts Fuse erklärt sie, warum sie den Abdruck der Karikaturen eigentlich für notwendig hielt: "Die Leute denken, sie wüssten alles über die Karikaturen, aber wenige verstehen den Witz in einigen von ihnen, die Anspielungen auf Ereignisse in Dänemark und so weiter. Wenige Leute nehmen zur Kenntnis, dass einige der Karikaturen die Muslime als Opfer der Redakteure darstellen und dass sie sich über die Redakteure lustig machen. Andere sind rassistische Abbildungen in der Tradition des Antisemitismus."

Mir ist zwar unerfindlich, welche der Karikaturen mit rassistischen Klischees in der Tradition des Antisemitismus spielen, aber Klausens Argumentation zeigt, wie notwendig eine Auseinandersetzung mit den einzelnen Zeichnungen eigentlich gewesen wäre.

Das heißt, obwohl die Proteste gegen die Karikaturen eine rein politische Aktion interessierter Regimes war, die in Wirklichkeit gar nicht von der "arabischen Straße" mitgetragen wurde, verhält sich die Yale University Press so, als gäbe es die hier bloß inszenierte Emotionalisierung tatsächlich und erklärt die Zeichnungen - und alle andere bildlichen Darstellungen Mohammeds gleich mit - zum Tabu. Das Verhalten des Verlags steht konträr zur Aussage des Buchs. Eine Selbstblockade!

Warum die Zeitungen selbst nicht wirklich in der Lage sind, dieses Versagen der westlichen Öffentlichkeit zu thematisieren, benennt ausgerechnet die Yale Universität in einer offiziellen Stellungnahme zur Kritik an ihrem Publikationsverhalten: "Es ist festzuhalten, dass die New York Times, die Washington Post und der Boston Globe so wie sämtliche großen britischen Zeitungen zur Zeit des ursprünglichen Karikaturenstreits 2005 und 2006 auf einen Abdruck der Karikaturen verzichteten." Gleiches gilt mit Ausnahme der Welt weitgehend auch für die deutschen Zeitungen (mehr hier).

Und darum darf dieses Thema nicht Thema werden. Die Zeitungen könnten sich gar nicht richtig mit der Geschichte um die Yale University Press auseinandersetzen, weil sie stets dazu sagen müssten, dass sie sich selbst genauso verhalten haben. Da verzichtet man doch lieber. Und das Gift der Selbstzensur sickert immer tiefer.

Thierry Chervel

Der Ammann Verlag hört auf

Von Thierry Chervel
10.08.2009. Der Ammann Verlag hört auf. In einer brieflich verschickten Pressemitteilung mit dem Datum vom 10. August informiert der Zürcher Verleger Egon Amman, dass sein Verlag seine "publizistische Arbeit" am 30. Juni nächsten Jahres einstellen will. "Für das Frühjahr 2010 bereite ich unser letztes Programm vor" heißt es in dem Schreiben. Als Grund für diesen Entschluss nennt Ammann "das fortgeschrittene Alter der Verleger" und "eine Marktsituation, die für die Literatur zunehmend schwieriger wird". Nach der Edition Urs Engeler kündigt mit Ammann der zweite wichtige Schweizer Verlag sein Ende an.
Der Ammann Verlag hört auf. In einer brieflich verschickten Pressemitteilung mit dem Datum vom 10. August informiert der Zürcher Verleger Egon Amman, dass sein Verlag seine "publizistische Arbeit" am 30. Juni nächsten Jahres einstellen will. "Für das Frühjahr 2010 bereite ich unser letztes Programm vor" heißt es in dem Schreiben. Als Grund für diesen Entschluss nennt Ammann "das fortgeschrittene Alter der Verleger" und "eine Marktsituation, die für die Literatur zunehmend schwieriger wird". Nach der Edition Urs Engeler kündigt mit Ammann der zweite wichtige Schweizer Verlag sein Ende an.

Blickt man auf das Programm des Verlags, so scheint der Verlust fast noch schwerer zu ertragen. Ammann hat unter der Leitung von Ralph Dutli eine mustergültige Ausgabe der Werke Ossip Mandelstams herausgebracht. Bei Ammann erschienen die viel gefeierten Übersetzungen der großen Romane von Dostojewski durch Swetlana Geier. Zu den weiteren internationalen Autoren des Verlags gehören Ismael Kadaré, Ralph Ellison, Georges-Arthur Goldschmidt und Abraham Sutzkever.

Der prominenteste deutschsprachige Autor des Verlags ist Thomas Hürlimann. Ammann hatte auch einige große Bestseller wie Thomas Hürlimanns "Fräulein Stark" und Eric-Emmanuel Schmitts "Monsieur Ibrahim".

Telefonisch erläutert der Pressesprecher des Verlags, Simon Rüttimann, zur Meldung, dass auch alle Mitarbeiter des Verlags und die Autoren den heutigen Brief gleichzeitig erhalten haben. Es seien Gespräche im Gange, um die Autoren bei anderen Verlagen unterzubringen. "Der Verlag ist das Lebenswerk von Egon Ammann und Marie-Luise Flammersfeld, das nunmehr abgeschlossen ist. Wir bereiten noch ein Frühjahrsprogramm 2010 vor. Wir werden noch in Frankfurt auf der Buchmesse sein, aber nicht mehr in Leipzig." Laut Rüttimann sind wohl auch Gespräche über eine Übernahme durch einen anderen Verlag geführt worden, aber eine Fortexistenz als Imprint eines anderen Verlages sei für Egon Ammann nicht denkbar gewesen. Ammann selbst war nicht zu sprechen. Er sei unterwegs, um mit Autoren zu sprechen.

Rupert Murdoch - die Kapitulation

Von Thierry Chervel
07.08.2009. So so, Rupert Murdoch will also die Online-Angebote seiner Printmedien wieder kostenpflichtig machen, hört man. Andere Zeitungen wie die New York Times denken darüber nach. Verleger wie Mathias Döpfner sekundieren: Der Gratis-Kultur im Netz müsse ein Ende gemacht werden.
So so, Rupert Murdoch will also die Online-Angebote seiner Printmedien wieder kostenpflichtig machen, hört man. Andere Zeitungen wie die New York Times denken darüber nach. Verleger wie Mathias Döpfner sekundieren: Der Gratis-Kultur im Netz müsse ein Ende gemacht werden.

Vor einigen Jahren hätte mich die Meldung, dass Zeitungen im Netz nicht mehr gratis zu lesen sind, betroffen gemacht. Bei der New York Times würde es mir auch heute noch wehtun. Sie hat die beste Website einer Zeitung weltweit. Sie wäre vielleicht die einzige Zeitung, bei der ich überlegen würde, ein Online-Abo zu beziehen.

Allerdings muss man auch überlegen, dass die New York Times im Netz deshalb so gut ist, weil sie - wie sonst fast nur der Guardian - Online und Print so unglaublich sinnvoll und so synergiereich verknüpft hat. Aus der Print-Times las man die Buchkritik - und online stellt die Leseprobe hinzu. Am grandiosesten war die Verknüfpung in dem Blog The Lede bei den iranischen Unruhen: In diesem Blog las man alles, was neu war - die Tweets aus dem Iran einerseits, und die Berichte und Einschätzungen der Redaktion andererseits.

Durch eine Abtrennung des zahlbaren Bereichs werden diese neuen journalistischen Formate hinfällig - zumindest bei der New York Times. Man wird sie anderswo im Netz suchen müssen. Die Einführung der Zahlbarkeit wird die Zeitungen von den Internetentwicklungen wieder abkoppeln.

In Deutschland kann man das sehr gut sehen, denn hier haben die führenden Zeitungen ihren Inhalt nie - oder nur sporadisch - kostenlos hergegeben. Die Süddeutsche Zeitung hatte vor Urzeiten mal eine führende Internetseite. Das war zu Ende, als man die Zeitung hinter einem Passwort versteckte, und eine dürre und unterbezahlte Online-Redaktion ein paar Bilderstrecken zusammenbasteln ließ.

Anders als der Guardian oder die New York Times hat keine überregionale deutsche Zeitung je eine innovative, über den deutschen Tellerrand hinausragende Website aufgebaut. Und der Grund dafür ist, dass man stets an der Zahlbarkeit der Inhalte festgehalten hat.

Den Zeitungen in Deutschland geht es ja tendenziell besser als den amerikanischen Zeitungen. Vielleicht haben sie also im wirtschaftlichen Sinne besser agiert. Das Netz ist aber inzwischen bei Formaten angekommen, die von traditionellen Zeitungsformaten Lichtjahre entfernt sind. Das Blog The Lede war dafür ein Beispiel, auch die Iran-Blogs der Huffington Post, des Guardian oder von Andrew Sullivan waren Sternstunden des Journalismus. Ein anderes Beispiel ist die Wikipedia, die ja beides zugleich ist: immer auf dem neuesten Stand, und immer perspektivisch. Es ist darum kein Wunder, dass Google News ausgerechnet die Wikipedia als Nachrichtenquelle einbindet.

Mit anderen Worten: Vor ein paar Jahren wäre der Rückzug von Zeitungen aus dem kostenlosen Netz noch schmerzlich gewesen, heute wird man ein paar Quellen vermissen, aber das Internet hat auch Quellen und Formate entwickelt, die den Verlust rasch kompensieren werden.

Es fällt schwer, Murdochs Rückzug nicht als Kapitulation zu sehen. In einer berühmten Rede sagte er vor Verlegern im Jahr 2005:

"Wir hier in diesem Raum haben einen einzigartigen Inhalt, um uns in einer Welt auszuzeichnen, in der Nachrichten immer austauschbarer werden. Und noch wichtiger, wir haben einen großartigen neuen Partner, um die neuen Leser zu erreichen - das Internet. Die Herausforderung liegt aber darin, die Nachrichten in einer Weise zu liefern, in der die neuen Leser sie auch empfangen wollen. Bevor wir unsere Wettbewerbsvorteile ausspielen können, müssen wir unseren Geist von Vorurteilen und -prägungen befreien und anfangen zu denken wie die neuesten Leser. Kurz, wir müssen eine fundamentale Frage beantworten: Was können wir - ein Haufen digitaler Immigranten - tun, um für die digitalen Eingeborenen relevant zu sein?"

Die Nachricht, dass Murdoch die Inhalte seiner Zeitungen vom kostenlosen Netz abgrenzt, zeigt, dass er auf diese Frage keine Antwort gefunden hat und zum Status quo zurückkehrt, in der Hoffnung, ihn solange wie möglich erhalten zu können. Die Zitrone wird halt bis zum letzten Tröpfchen ausgequetscht.

Die Leser sind inzwischen schon wo anders. Sie bewegen sich zusehends in Feedreader- und Twitterwolken, in der das Profil des einzelnen Mediums - ob Blog oder Ableger einer Zeitung - tendenziell abgeschliffen wird. Was zählt, ist der Artikel selbst. Erst wenn man einen Autor oft genug gut fand, wird man vielleicht auch sein Umfeld wahrnehmen und das Medium selbst zur Kenntnis nehmen. Alle Medien - ob Netz oder Print - werden konstatieren müssen, dass sie nicht mehr spontan, sondern erst durch die Vermittlung einer Empfehlung wahrgenommen werden.

Die Nachrichten erwartet man dabei nicht unbedingt mehr von Spiegel Online oder dem Ableger von Bild. Twitter ist wesentlich schneller und besser auf die persönlichen Interessen zugeschnitten als die Printzeitungen, ja sogar Blogs es je sein könnten. Noch argumentieren Journalisten und Verleger so, als würde das Netz sich im wesentlichen aus ihren Inhalten päppeln. Aber in Wirklichkeit ist es heute eher umgekehrt: Man liest in den Zeitungen Geschichten, die man zum ersten Mal zwei Tage zuvor im Internet fand. Oft in Blogs, denen sie wiederum von Lesern und anderen Whistleblowern zugetragen wurden.

Den Verlegern mögen noch die Herzen klopfen angesichts der Erwartung, dass die Medien nun massiv ihre Inhalte absperren und die Leser angesichts der entstehenden Wüste zwingen, ihre Kreditkartennummer einzugeben. Aber Murdoch hatte seine Frage schon ganz richtig gestellt: Sind die Zeitungen denn überhaupt relevant für die digitalen Eingeborenen?

Wer wissen will, welche Strategie Twitter gegenüber Google verfolgt, wird heute Techcrunch, Mashable oder Ars Technica lesen. Wer wissen will, in welcher Show sich welcher Star einen Patzer erlaubte, wird das Video bei Gawker anklicken. Wer wissen will, wie der neueste Hit seiner Band klingt, abonniert den entsprechenden Dienst bei last.fm oder wartet auf den Link von Facebook- und Studi-VZ-Kumpels. Und à propos demokratische Öffentlichkeit: Gab es da nicht neulich eine per Internet und Adressen wie Netzpolitik.org lancierte Petition, die auch unsere Zeitungen auf dem falschen Fuß erwischte?

Rupert Murdochs Kapitulation ist in einem weiteren Punkt bestürzend. Murdoch ist ein Verleger. Und Verleger haben die Zeitungen und Zeitschriften in den letzten Jahrzehnten behandelt wie x-beliebige Dosenfabriken. Nichts ist publizistisch entfremdeter als die Verlagsabteilung eines großen Medienhauses, wo man sich Medien nur noch als Umfelder bestimmter Anzeigenmärkte vorstellen konnte.

Und nun stellt sich heraus, dass Murdoch und Konsorten tatsächlich glaubten, sie hätten vom Verkauf von Inhalten gelebt!

Als wäre das bei Zeitungen - mit ganz wenigen Ausnahmen wie dem Pariser Canard Enchainé - jemals der Fall gewesen. Zeitungen, so wie wir sie heute kennen, waren in wirtschaftlicher Hinsicht ganz etwas anderes als Verkäufer von Informationen. Sie waren Organisatoren des Marktes. Die Zeitungen, die heute in den USA oder Deutschland existieren, sind Überlebende von Zeitungskrisen der fünfziger und sechziger Jahre. Jede dieser Zeitungen dominierte über Jahrzehnte in einem Mono- oder Duopol einen meist regionalen Markt. (Siehe dazu einen großartigen Artikel von Paul Starr in der New Republic.)

Ihr Geld machten die Zeitungen über den am wenigsten glamourösen und doch extrem profitablen Anzeigenmarkt - die Rubrikenanzeigen: Autos, Wohnungen, Stellen und Tote. Da sie auf ihren Märkten ziemlich allein waren, konnte sie die Preise für diese Dienstleitungen selbst festsetzen. Der Markt brauchte sie. Zeitungen waren Gelddruckmaschinen. Die Inhalte waren ein Surplus, das die Leser dazu motivierte, die Zeitung zu kaufen. Sie transportierten den Markt und waren durch ihn subventioniert.

Kluge Verleger hätten also vor zehn oder 15 Jahren in Amazon, Ebay oder Google investiert, die ihnen die Marktplatzfunktion längst abgenommen haben und den Markt wesentlich effizienter organisieren, als es Zeitungen je konnten. Als Murdoch und Holtzbrinck MySpace und Studi-VZ kauften, war das Netz in seiner heutigen Form schon zehn Jahre alt. Google, eine Magisterarbeit zweier Studenten aus Stanford, ist inzwischen als Marke hundert Milliarden Dollar wert.

Ein Hund bellt. Die Karawane zieht weiter.

Thierry Chervel

Das Gift der Selbstzensur

18.08.2009. Die meisten Zeitungen in Deutschland haben das Thema nicht aufgegriffen, dabei ist es fast eine Woche alt. Die New York Times brachte es zuerst, am 12. August. In Deutschland hat dann nicht eine Zeitung, sondern ein Blog, die Achse des Guten, ein informatives Dossier zum Thema zusammengestellt. Die Süddeutsche Zeitung hat am 14. August eine winzige Meldung abgedruckt (die dem Perlentaucher entgangen ist). Der Perlentaucher wurde am 15. durch eine Meldung in der NZZ aufmerksam. Die FAZ brachte an diesem Montag einen kleinen Artikel. In anderen Zeitungen haben wir nichts gefunden - vor allem, mit Ausnahme der FAZ, keinen Kommentar. (Aktualisierung vom 19. August: Jens Balzer griff die Geschichte gestern in der Berliner Zeitung ausführlich auf.) Von Thierry Chervel

Der Ammann Verlag hört auf

10.08.2009. Der Ammann Verlag hört auf. In einer brieflich verschickten Pressemitteilung mit dem Datum vom 10. August informiert der Zürcher Verleger Egon Amman, dass sein Verlag seine "publizistische Arbeit" am 30. Juni nächsten Jahres einstellen will. "Für das Frühjahr 2010 bereite ich unser letztes Programm vor" heißt es in dem Schreiben. Als Grund für diesen Entschluss nennt Ammann "das fortgeschrittene Alter der Verleger" und "eine Marktsituation, die für die Literatur zunehmend schwieriger wird". Nach der Edition Urs Engeler kündigt mit Ammann der zweite wichtige Schweizer Verlag sein Ende an. Von Thierry Chervel

Rupert Murdoch - die Kapitulation

07.08.2009. So so, Rupert Murdoch will also die Online-Angebote seiner Printmedien wieder kostenpflichtig machen, hört man. Andere Zeitungen wie die New York Times denken darüber nach. Verleger wie Mathias Döpfner sekundieren: Der Gratis-Kultur im Netz müsse ein Ende gemacht werden. Von Thierry Chervel