Die Schlangenhüften von George Raft

Von Anja Seeliger
28.07.2009. Ich habe gerade Walter Satterwaiths Krimi "Miss Lizzie kehrt zurück" gelesen. Er spielt im New York der Zwanziger und eine Menge "echtes Personal" taucht auf: Lizzie Borden, Mae West, Dorothy Parker und George Raft, der 1932 in "Scarface" den melancholischsten verliebten Gangster spielen würde, den die Welt je gesehen hatte. Gangster sollte er von da an bleiben. Im Buch aber hat er einen Auftritt als Tänzer! Fred Astaire erzählt in seiner Autobiografie, Raft habe den schnellsten Charleston getanzt, den er je gesehen habe. Schnell war Raft 1965 nicht mehr. Aber sonst hatte der Siebzigjährige noch alles: Figur, Timing, Eleganz und Schlangenhüften. Ab Minute 6.42 (Einbetten war leider nicht erlaubt)Angefangen hat George Raft übrigens als Eintänzer, im El Fey Club, zusammen mit Rudolfo Valentino. Dass er selbst neben Valentino ein Hit gewesen sein muss, wissen wir aus diesem Bolero. Absolut pre-Code. Ab Minute 1.15

Wunschtraum eines Apokalyptikers

Von Thierry Chervel
27.07.2009. Timothy Garton Ash tut in seinem neuesten Buch etwas, das Intellektuelle seines Kalibers selten tun: Er zieht einen Begriff zurück. Leichthin hatte er in einem Artikel für die New York Review of Books die niederländische, jetzt in den USA lebende Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali eine "Fundamentalistin der Aufklärung" genannt. Er hatte eine Symmetrie zwischen dem Islamismus und einer bestimmten Fraktion der westlichen Öffentlichkeit konstruiert und damit eine riesige Debatte ausgelöst, die von Perlentaucher und signandsight.com angeregt wurde und an der sich Intellektuelle wie Pascal Bruckner oder Necla Kelek beteiligten. Die Debatte fand ein großes Echo in der internationalen Presse. Von dieser Konstruktion hat sich Garton Ash nun also in einer Fußnote zu dem besagten Artikel in seiner neuen Essaysammlung "Facts are Subversive" verabschiedet (Ort und Teilnehmer der Debatte nennt Garton Ash in seinem Buch nicht).Und kaum hat TGA das getan, steht John Gray auf, der dunkle Prinz der jüngeren britischen Philosophie, und macht ihm das zum Vorwurf: "Garton Ash mag zögern, den Begriff des Fundamentalismus der Aufklärung zu verwenden, weil dieser Begriff nahe legt, dass wir in einen unbeherrschbaren Konflikt abdriften. Aber genau diese Gefahr eines Clash der Fundamentalismen ist real", schreibt Gray in einer Besprechung des Buchs für den New Statesman.
Warum sagt Gray das, möchte man als mitdenkender und -bloggender Bürger fragen, welches Interesse hat er an dieser angeblichen Symmetrie der Fundamentalismen, die TGA gerade für obsolet erklärt hat? Gray braucht sie offensichtlich, um seine pessimistische Weltsicht intakt zu halten. Der Konflikt, so betont der Professor an der London School of Economics zweifach in seinem kurzen Artikel, sei unlösbar, und dabei noch gar nix gegen die eigentlich drohenden Katastrophen wie Klimawandel und Rohstoffmangel. Ein Staubsaugervertreter - immer ein Ersatzmodell im Koffer.
Also noch einmal: Gibt es so etwas wie einen Fundamentalismus der Aufklärung, der einem islamischen Fundamentalismus symmetrisch gegenübersteht? Besteht eine Gefahr, dass sich diese Fundamentalismen in einer Gewaltspirale aufschaukeln, bis es zum Clash der Kulturen kommt?
Gray dreht die Debatte, die er offensichtlich nur aus TGAs Darstellung kennt, gewissermaßen auf Null zurück. "Ein großer Teil des Staatsterrors im letzten Jahrhundert war säkular, nicht religiös", gibt er zu bedenken, "Lenin und Mao waren bekennende Anhänger von Aufklärungsideologien." Genau den gleichen Einwand hatte auch schon Garton Ashs Antipode in der "Islam in Europa"-Debatte, Pascal Bruckner, gemacht - und abgewehrt: "Man hat im 20. Jahrhundert mehr gegen Gott getötet als in seinem Namen. Und doch wurden der Nationalsozialismus und nach ihm der Kommunismus von demokratischen Regierungen entthront, die ihre Inspiration aus der Aufklärung und der Philosophie der Menschenrechte bezogen."
Man mag sogar noch einen Schritt weitergehen als Bruckner und fragen, ob sich Lenin und Mao tatsächlich auf "Aufklärungsideologien" bezogen. Eigentlich bezogen haben sie sich, in drastischer Vergröberung, auf Marx. Reicht es, seine Welterklärung wissenschaftlich zu nennen, um als Aufklärer zu gelten? Auch Marx selbst - einer, der behauptete, das Zauberwort für das künftige Weltgeschehen parat zu haben - könnte nach heutigen Begriffen wohl nicht als Aufklärer gelten. In einem war er prophetisch: Er nannte den Kommunismus ein Gespenst.
Mag also sein , dass der real existierende Sozialismus ein Fundamentalismus war - aber bestimmt nicht der Aufklärung. Mit den religiösen Fundamentalismen teilte er eine dogmatische Textauslegung. Nur die Heilige Schrift war eine andere. Fundamentalismen wollen die Wirklichkeit nach einer im Text verkündeten Wahrheit modeln. Was übersteht, wird abgeschnitten. Sie versprechen eine Rückkehr zu ursprünglicher Reinheit, Erlösung von der Korruption entfremdenden Marktgeschehens, Unmittelbarkeit zu Gott, Aufgehobensein in der Gemeinschaft statt traurig vereinzelten Erkennens der eigenen Endlichkeit. Für Kollateralschäden auf dem Rückweg in diese Seligkeit wird keine Haftung übernommen. Manche wollen sie durch Terror erringen, andere begnügen sich mit der Abspaltung einer Community und Terror nach innen.
Nichts in der Reaktion westlicher Gesellschaft auf Islam oder Islamismus ähnelt derartigen Lehren oder Verhaltensweisen. Es gibt Intoleranz, gewiss, und Indifferenz, Rassismus, Diskriminierung, das ganze Repertoire alltäglicher Gemeinheiten, unter dem allerdings nicht allein Angehörige des muslimischen Glaubens zu leiden haben. Aufgeklärt kann man sie nicht nennen.
Welchen Begriff der Aufklärung muss man eigentlich haben, um glauben zu können, dass sie zu Fundamentalismus fähig sei? Ihre Prinzipien sind doch gerade gegen den Glauben an die Fundamente gerichtet. Nur wer "selber denkt" findet den Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit: Wer selber denkt, löst sich von Dogmen und scheinbar ewigen, in Wirklichkeit nur von einer Priesterkaste verwalteten Wahrheiten. Selber denken heißt auch über sich selber nachdenken, Selbstreflexion, Selbstrelativierung in Bezug auf andere. Darum sind die Devisen der Aufklärung häufig paradox: "Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden." Die Aufklärung glaubt auch nicht an eine Zwangsläufigkeit auf diesem Weg zur Selbsterkenntnis. Eine solche Fortschrittsphilosophie würde ja schon wieder einen Automatismus behaupten, der die Menschen zu Marionetten eines fremdgesteuerten Prozesses machte.
Wolf Lepenies zitiert in seinem Nachruf auf Leszek Kolakowski einen Satz des Philosophen: "Im beständigen Zweifel an sich selbst kann die europäische Kultur ihr geistiges Gleichgewicht und die Rechtfertigung ihres Anspruchs auf Universalität finden." Die Ideen der Aufklärung stehen darum auch nicht als "westliche Werte" im Gegensatz zum Islam. Sie setzen zunächst einmal eine Lösung von den eigenen Religionen und Traditionen voraus. Paradoxerweise wird die aus der Aufklärung geborene Demokratie dadurch zu dem einzig möglichen Regime, das eine Koexistenz von Religionen ermöglicht. Natürlich zieht Aufklärung jeden Glauben in Zweifel, aber sie ermöglicht ihn auch gerade als Freiheit Andersdenkender. Der Glaube wird zum persönlichen Bekenntnis jenseits von Tradition und Priesterzwang. Erst die Freiheit abzufallen, macht den Glauben wahr.
Diese Freiheit zur Religion - nicht etwa ein "Fundamentalismus der Aufklärung" - zieht in Wirklichkeit den Hass der Fundamentalisten auf sich. Ihnen geht es gar nicht um Religion, sondern um die Verfügungsgewalt über die Individuen. Im Fall des Islamismus ist das sprechendste Symbol dieses Willens zur Macht das Kopftuch. Gewiss, Frauen sind frei sich zu unterwerfen. Wenn sie es freiwillig tun.
Timothy Garton Ash hat ein 400-seitiges Buch voller Ideen, Reflexionen und Geschichten vorgelegt. Aber Gray hält sich ausschließlich an einer zehnzeiligen Selbstkorrektur fest, um einen sinnlosen Begriff wieder einzuführen. Dass die Aufklärung ein Fundamentalismus sei, ist der Wunschtraum eines Apokalyptikers, der den Clash der Kulturen noch kommen sehen will.
Nein, diesen Staubsauger kaufe ich nicht.

Nachgezählt

Von Thekla Dannenberg
27.07.2009. Das waren Zeiten, als man Magazinen verbieten musste, mehr als 49 Prozent Anzeigen pro Heft zu bringen! Die aktuelle Ausgabe des Spiegels kommt bei 146 Seiten auf ganze 15 Seiten Werbung und eine Sonderveröffentlichung. Ist das nur das Sommerloch? Oder die Strukturkrise?

Cary Grant und die Peitsche

Von Anja Seeliger
27.07.2009. Statt ein gutes Buch zu lesen, habe ich mir am Wochenende alte Filme bei Youtube angeguckt und bin dabei auf diese Szene gestoßen: Cary Grant, als er noch aussah wie Sylvester Stallone, in einer (nach zwei Minuten) schockierenden Gewaltszene:

Bericht Frankfurter Tagung im Literaturcafé

Von Thierry Chervel
16.07.2009. Im Literaturcafé berichtet Wolfgang Tischer über die gestrige Tagung in Frankfurt - auch über den Schirmherren: "Dass gerade die FAZ einen Urheberrechtskongress unterstützt, obwohl sie unlängst selbst zeigte, dass sie mit den ihr übertragenen Autorenrechten nicht sonderlich sorgfältig umgeht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ebenso konnte wer wollte diese Ironie aus der Begrüßung von Hannes Hintermeier heraushören, der tatsächlich davon sprach, dass Journalisten in dieser Sache seriös berichten müssten und keine Lobbyarbeit betreiben sollten. Im Publikum lachte jedoch niemand."

Die Früchte des Internets

Von Thierry Chervel
15.07.2009. Am Ende durfte auf einem dichtbesetzten Podium kurz auch mal die Dame von Google sprechen. Sie sehe gar nicht, wo das Problem sei, sagte Anabella Weisl, die bei Google Deutschland für die Buchsuche zuständig ist: Zwischen den Interessen von Google und den Interessen der Unterzeichner des Heidelberger Appells bestehe doch gar kein Widerspruch. Herzliches Gelächter.Weisl hatte es wirklich nicht leicht. Das Kräfteverhältnis von Befürwortern des Appells zu Google war auf dieser Veranstaltung ungefähr so ungleich wie das Kräfteverhältnis von Google zu den Appellierenden im Internet. Ausgerichtet war sie ja gerade von den Initiatoren des Appells. Das Frankfurter Literaturhaus hatte seine Räume geboten. Die Schirmherrschaft (und auch das viel zu knapp bemessene Büffet?) hatte ausgerechnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung übernommen. Frank Schirrmacher höchstselbst hatte die Einführungsworte sprechen sollen hielt sich aber interessanter Weise fern - vielleicht möchte er nicht, wie jüngst Hubert Burda, den Zorn der doch konsistenter werdenden Blogosphäre auf sich ziehen? Statt dessen schickte er Hannes Hintermeier an die Front.
Hintermeier ist zuständig für die Berichterstattung über den Buchmarkt im FAZ-Feuilleton und bekräftigte die Position seiner Zeitung, die fest an der Seite der Urheber steht, sofern es die eigene Vertragsfreiheit nicht berührt. Auf den umstrittenen Umgang der FAZ mit den Rechten der Autoren ging er nicht ein, betonte aber, dass sich die FAZ nicht auf das Niveau von Lobbyisten hinabziehen lassen wolle und bezichtigte Google der Piraterie. "Im Grunde geht es um die Aushöhlung und Abschaffung des Urheberrechts."
Es war die Stunde Roland Reuß', dessen verbliebene Haarpracht den Kahlkopf umkränzt, als sei sie aus Lorbeer geflochten. Das passte zur Feierlichkeit seines Diskurses. Reuß ist Erfinder des Heidelberger Appells. Von "Hingabe" war die Rede, von "Sorge", "Verantwortung" und "Werkherrschaft". Reuß ist Editionswissenschaftler, Herausgeber der penibelst möglichen Kafka-Ausgabe, darum aber rhetorisch nicht untalentiert. Bestimmte Wörter wie "Blogs", "Community", "Geschäftsmodell" packte er in die stachligsten Anführungszeichen, die sein Philologenköfferchen bereit hielt. Es hörte sich ein bisschen an wie ein live vorgetragener Manufactumkatalog, der Kampf der Wählscheibe gegen das Tastentelefon.
Reuß betonte zu Beginn seines Vortrags, dass es ihm ausschließlich um die persönlichkeitsrechtlichen, keineswegs die vermögensrechtlichen Aspekte des Themas gehe, nämlich um sein verbrieftes Recht als Autor zu bestimmen, in welcher Form seine Werke publiziert werden. Und dies auch gegen die "allgemeine Respektlosigkeit der sogenannten Konsumenten". Es herrsche im Internet ein "hedonistischer und antiindividualistischer Furor, der leicht ins Kannibalistische abgleiten kann". Gegen die "populistischen Diskurse" derer, die "alles gleich und umsonst haben wollen" brachte er das "geistige und sittliche Band zwischen Autor und Werk" in Anschlag. Er sei wie der Vater seiner Werke. Der von ihm beschworene Zwang zu Open Access und Googles Bemächtigung erschienen wie eine Entführung seiner Kinder in ein Stadion, wo sie dann ohne weitere Aufsicht einem entfesselten Mob ausgeliefert wären.
Denn auch gegen "Open Access", nicht nur gegen die Digitalisierung seiner Werke durch Google, führte er seine "Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit" (so der Titel der Veranstaltung) ins Feld. Er beklagte einen sanften oder direkten Zwang zur Publikation im Netz, der durch die Wissenschaftsorganisationen ausgeübt werde und malte aus, was alles mit seinem Werk im Netz passieren könnte: Leute könnten es ändern, es könnte in Zusammenhängen stehen, die ihm nicht behagen. "Ein Autor kann etwas dagegen haben, sein Werk auf einer von Werbeeinnahmen finanzierten Plattform wiederzufinden." Das ziehe ihn auf ein Niveau herab, auf dem er sich nicht heimisch fühle, es beschädige die Integrität seines Werks, mehr, es taste es innerlich an, mache etwas anderes, von ihm nicht Gewolltes aus dem Werk.
Reuß prangerte auch Fehler an, die bei der Digitalisierung von Bücher passieren. "Dass ich als Autor für eine Textgestalt haftbar gemacht werde, die ich niemals autorisiert habe", beklagte Reuß - alles in allem eine "Straftat gigantischen Ausmaßes".
Das Publikum sah sich außerdem der Erkenntnis konfrontiert, dass Google und andere mit der Digitalisierung von Reuß' Kafka-Kommentaren "krude ökonomische Interessen" verfolgten. So etwas wie "Fair use", ein Interesse der Allgemeinheit an der Verfügbarkeit des Weltwissens sprach er nicht an. Eine Sozialbindung seines geistigen Eigentums erkannte er ausdrücklich nicht an.
Seine Gegner machte Reuß nicht namhaft, sprach nur von "Plagiatori im Internet" und "Geschäftmodelljodlern, die mit den Stimmen von Eunuchen sprechen, welche, selbst unfruchtbar, mit der Arbeit anderer Geld verdienen wollen".
Am Ende seiner Rede wurde er konkret: "Das Zivilrecht reicht nicht aus." Reuß forderte ein selbsttätiges Eingreifen der Staatsanwaltschaft. Dafür müssten Urheberrechtsverstöße zur Straftat erklärt werden. Und dies möglichst auf europäischer Ebene. Das aufgewühlte Publikum entließ er in die Kaffeepause.
Eine ähnlich extreme Position vertrat in etwas brachialer, aber unterhaltsamer Rhetorik danach nur der Heidelberger Arbeitsrechtler Volker Rieble, der aber betonte, nicht als Juraprofessor, sondern in seiner Eigenschaft als Autor zu sprechen. Er bestand sozusagen auf der totalen Publikationsfreiheit als Wissenschaftler. Auch Förderung durch Steuerzahler und sein Status als von der Öffentlichkeit alimentierter Kopf, der der Allgemeinheit in irgendeiner Weise nützlich sein sollte, dürfe keinen Einfluss auf sein Publizieren haben. Er sah sich zum Beispiel als Teil einer Elite und möchte bestimmte seiner Werke nicht ohne seine Zustimmung einem von ihm als unqualifiziert angesehenen Netzpublikum zugeführt sehen. Bei späterer Gelegenheit wird er sicherlich erklären, wie er den Zugang zu Bibliotheken zu regulieren gedenkt.
Danach wurde die Diskussion dann doch gelassener. Wenn Verleger wie zum Beispiel Hans Dieter Beck, der Chef der juristischen Abteilung des Beck-Verlags sprechen, wird deutlich, dass es eben tatsächliche Sorgen um ein seit Jahrhunderten bestehendes Geschäftsmodell gibt. Und dass "Geschäftsmodell", nebenbei bemerkt, kein unanständiges Wort ist. Beck legte dar, dass konkurrierende Kommentare zu bestimmten Rechtsgebieten nur durch eine Konkurrenz der Verlage entstehen könnten. Glitten juristische Publikationen zum größten Teil ins Open Access, so würde auch diese Vielfalt schrumpfen, gab er zu bedenken. Ähnlich argumentierte übrigens der Wissenschaftsverleger Matthias Ulmer, der beklagte, dass in kleineren Wissenschaftsgebieten, in denen er auf Verkäufe an Bibliotheken und Institute angewiesen ist, durch die digitale Weitergabe von Büchern praktisch keine Produktion von Lehrbüchern mehr möglich ist. Es könnte also sein, dass die Produktion von Wissen auf bestimmten Gebieten in kommerziellen Modellen unmöglich wird.
Beck, Ulmer und später auch Jonathan Landgrebe, kaufmännischer Geschäftsführer des Suhrkamp Verlags legten trotzdem Zuversicht an den Tag. Landgrebe machte keinen Hehl daraus, dass er den dunkel dröhnenden Heidelberger Appell vor allem als Instrument zur Klärung von Interessen ansieht und kritisierte weniger die Google Buchsuche an sich als die Gefahr, dass Google in diesem Feld zum Monopolisten werden könnte. Alle drei Verleger sahen ihren Trumpf vor allem in der verlegerischen Kompetenz, die nicht so leicht durch alternative Publikationsformen im Netz ausgespielt werden kann. Verlage selektieren, sie kennen den Markt, sie finden die Autoren, sie kriegen es hin, dass diese Autoren tatsächlich schreiben, sie lektorieren ihre Manuskripte und bringen die Bücher an den Käufer. Das alles lässt sich nicht durch Open Access oder eine Blogsoftware erledigen. Als Anabella Weisl zu bedenken gab, dass durch die Google Buchsuche vergriffene Bücher, die wirtschaftlich längst Leichen waren, wieder zu einem Einnahmefaktor werden, dürften manchem Verleger im Publikum das Wasser im Munde zusammengelaufen sein. Zumindest für die Publikumsverlage dürfte die Digitalisierung auch eine Menge Chancen bieten.
Auch beim Google Book Settlement ist noch nicht alles verloren, rief Burkhard Hess, noch ein Juraprofessor, noch mal aus Heidelberg, der in diesem überaus kniffligen juristischen Vorgang Chancen der Bundesregierung sah einzugreifen, und zwar durch einen "Beitritt als Amicus curiae", wodurch die Bundesregierung - wenn man das als Nichtjurist überhaupt einigermaßen treffend wiedergeben kann - Einfluss auf die endgültige Ausgestaltung des Arrangements nehmen kann. Prompt meldete sich eine Dame aus dem Bundesjustizministerium und gab bekannt, dass die Bundesregierung tatsächlich gedenke, in diesem Sinn aktiv zu werden.
Ob nach all dem die Urheber selbst profitieren werden, die von den verschiedenen Interessensvertretern gerne vorgeschickt werden, weil "Urheberrecht" edler klingt als "Verwerterinteresse", bezweifelte der Juraprofessor Alexander Peukert von der Uni Frankfurt, der beim Book Settlement alles in allem einen abweichenden Standpunkt vertrat, in der Frage der Google Buchsuche nicht dramatisieren wollte und rundheraus bestritt, dass es irgendwo tatsächlich einen "Publikationszwang" im Namen von Open Access gebe. Er schien das für einen Popanz zu halten, hinter dem sich die besagten Interessen verschiedener Akteure verbargen. Peukert sprach auch als einziger den Ruf der Medienkonzerne nach einem Leistungsschutzrecht an und zog damit die Proteste des Börsenvereins auf sich, der beteuerte, anders als die Zeitungskonzerne keine derartigen Rechte einführen zu wollen. Den totalen Eigentumsanspruch der Autoren Reuß und Rieple wehrte Peukert mit einem Spruch des Bundesverfassungsgerichts ab: "Werke gehen in das Allgemeingut ein."
Aber profitieren, so Peukert, werden die Autoren bei dem, was aus diesem "Meinungskampf um die Kontrolle der wirtschaftlichen Früchte aus dem Internet" herauskommt, nicht. Die Diskussion nach seinem Vortrag machte das deutlich. Er war nach dem Google Book Settlement davon ausgegangen, dass Google 37 Prozent der Einnahmen aus der kontextsensitiven Werbung in der Nähe digitalisierter Bücher bekommt und der Autor 63 Prozent. Nein, korrigierte Christian Sprang vom Börsenverein mit gespitzten Lippen. Es heißt "bis zu" 63 Prozent. Der Rest geht je nach Vertrag an die Verlage - und bei künftigen Verträgen dürfte dieser Rest genau hundert Prozent von 63 Prozent groß sein.
Am Ende stand also wie immer bei den leidenschaftlichsten deutschen Debatten die Frage: Wer kriegt wie viel Prozent wovon?

Kein Buch gegen Heidenreichs Willen

Von Thierry Chervel
13.07.2009. Wir berichteten: die "Deutsche Literaturgesellschaft", ein Zuschussverlag, der Autoren Geld für die Publikation minderer Gedichte abknöpft, hatte als Lockvogelbuch ein Buch mit Texten von Elke Heidenreich veröffentlicht. Heidenreichs Texte hatte man einfach im FAZ-Archiv "gekauft" - völlig legal. Nun hat der Verlag, vielleicht um einer Klage Heidenreichs aus dem Weg zu gehen, das Buch zurückgezogen. Das Literaturcafe, das die Geschichte aufgebracht hatte, zitiert aus der Begründung der Literaturgesellschaft: "Nachdem bekannt wurde, dass die FAZ die Rechte an Texten von Elke Heidenreich gegen Ihren Willen veräußert hat, hat sich die Deutsche Literaturgesellschaft dazu entschlossen, das Buch 'Bücher könnte ich lassen, Oper nie!' freiwillig vom Markt zu nehmen." Schade!, kann man hier nur rufen, denn so ist natürlich auch die FAZ fein raus, deren Politik mit den Rechten der Autoren (mehr hier und hier und hier: "FAZ enteignet Papst") weder von Elke Heidenreich noch vom Literaturcafé kritisch aufgegriffen wird. Aber klar, da hängt der Hammer.

Hört nicht auf die Heidelberger Bocksgesänge

Von Thierry Chervel
05.07.2009. Neulich habe ich einen Artikel von Alain Finkielkraut über eines seiner Idole, den großen Schriftsteller Milan Kundera gelesen. Kundera hat in Frankreich einen Band mit neuen Aufsätzen publiziert, "Une rencontre". Dazu gehört ein Aufsatz über einen längst vergessenen Roman von Anatole France, "Les dieux ont soif", der von einem Maler zur Zeit der französischen Revolution handelt. Dieser Maler identifiziert sich mit dem Terror - und wird sich schuldig machen.Nun weiß man, dass Kundera kürzlich selbst ins Gerede kam, weil er auf einem - unbezweifelbar echten - tschechischen Polizeidokument als Verräter eines jungen Kuriers der Amerikaner aufgeführt ist, der bei einer Freundin übernachtete (mehr hier). Kundera hat sich dazu nicht geäußert. Die Affäre wurde begraben. Aber natürlich wäre es interessant, den Essay über den Roman von France zu lesen, denn vielleicht äußert sich Kundera darin indirekt.
Und natürlich wäre es interessant, den Roman von Anatole France zu lesen, der die überzeitliche Relevanz von Kunderas Thema Verrat und Selbstverrat illustriert. Aber wie?
Zumindest das Kundera-Buch hätte ich auch über Amazon bestellen können, aber ein französisches Buch über Amazon Deutschland - das dauert. Und ein französisches Buch über Amazon Frankreich - das bedeutet hohe Versandkosten. Und es interessiert mich ja nur der Essay. Der Anatole-France-Roman ist seit Jahrzehnten vergriffen, man müsste es als antiquarisches Buch in Frankreich bestellen oder in der Bibliothek suchen.
Hätte ich ein Lesegerät, dann hätte ich versucht, den Essay von Kundera und das Buch von France herunterzuladen. Voraussetzung ist natürlich, dass die entsprechenden Dateien im Netz überhaupt angeboten werden. Noch zögern die Verlage.
Und auch für die Lesegeräte gibt es noch keine rechten Angebote in Deutschland: Sony bietet den Europäern für viel Geld ein veraltetes Modell (mehr dazu bei Golem). Das Amazon-Kindle existiert nur in Amerika. Es reizt mich als Gerät mehr als der Sony-Reader, denn es hat eine Tastatur, die es ermöglicht, Randbemerkungen und Schlagwörter zu notieren. Aber ich lehne es ab, weil es die Leser dazu zwingt, die Bücher ausschließlich per programmierter Handyleitung (das Kindle ist sozusagen ein Telefon) bei Amazon zu laden. Es ist wie beim I-Pod: Der Kult um ein Gerät führt wie nebenbei zu einer Monopolisierung der Inhalte. Alle schimpfen über Google. Aber sind Amazon oder Apple nicht schlimmer?
Der Roman von France wird im übrigen kaum bei Amazon existieren. Ich würde es auch nicht einsehen, auch nur einen Pfennig für ein Buch zu zahlen, auf dem keine Rechte mehr liegen. Das Buch existiert aber als elektronische Datei: bei Wikisource. Die anonymen Idealisten haben es längst eingescannt, perfekt lesbar. Und diese Datei würde ich auf meinen Reader laden wollen.
Hätte ich einen Reader, dann würde ich mich damit auf meine Couch fläzen und - wer weiß - in dem Roman versinken. Die matte Oberfläche des Bildschirms ist nicht so viel anders als Papier. Man gewöhnt sich dran. Wollte man das Buch tatsächlich auch als physisches Objekt aufbewahren, dann könnte man es sicher irgendwo auch drucken und binden lassen. Paradoxerweise kehrte man damit ins selige 19. Jahrhundert zurück, als die Buchhändler die vermögende Kundschaft mit broschierten Büchern versorgten, die diese bei Gefallen zurücksandten, um sie in ihren Farben und mit ihren Wappen binden zu lassen.
Mein Leseverhalten würde sich durch das E-Book also verändern. Auf dem Computerbildschirm hätte ich den Roman nicht gelesen. Ausgedruckt hätte ich ihn mir auch nicht - ein Packen Fahnen, das ist kein angenehmes Lesen. Aber mit einem E-Book hätte ich mich auf diese Reise begeben. Und bei genauerer Überlegung wäre es mir in den letzten Monaten häufig so gegangen.
In den letzten Monaten wurde immer mal wieder der Kapitalismus verabschiedet. Die Krise in allen Ehren, aber ist der Kapitalismus nicht einfach die Welt, in der wir leben? Wie auch immer: Ich hätte zur Finanzkrise gern Georg Simmels "Philosophie des Geldes" gelesen. Gleich, ohne mir das physische Buch zu besorgen. Die Philosophie des Geldes ist eine Philosophie der Befreiung. Nur die Lösung von der traditionellen, feudalen, ländlichen Wirtschaft ermöglicht die politische und künstlerische Moderne, an der mir doch irgendwie liegt. Simmels "Philosophie des Geldes" steht als elektronische Datei im Netz. Ich habe ein oder zwei Kapitel gelesen. Angenehmer wäre es mit E-Book.
Gerne hätte ich mich auch mit Büchern zu anderen Themen zurückgezogen, zum Beispiel mit Marshall McLuhans "Gutenberg-Galaxis" und Elisabeth L. Eisensteins Buch "The Printing Press as an Agent of Change", einer grandiosen Schwarte über den Strukturwandel der Öffentlichkeit vor 500 Jahren, unerlässlich für jeden, der heute die Medienrevolution durch die Digitalisierung verstehen will. Das im Jahr 1979 zuerst publizierte Buch ist nicht vergriffen. Aber teuer: Es kostet in der broschierten amerikanischen Ausgabe 51,99 Euro.
Klar, ich hätt's gern als Buch. Aber vielleicht hätte ich es doch noch lieber als E-Book-Datei, durchsuchbar, mit der Möglichkeit, elektronisch zu kopieren, zu exzerpieren, zu kompilieren. Ich würde für die E-Book-Datei niemals 51,99 Euro ausgeben, aber, sagen wir, bei 15 Euro, würde es mir doch kräftig in den Fingern jucken.
Ich würde übrigens auch für das gebundene Buch nicht 51,99 Euro ausgeben. Ich würde einfach gar nichts dafür ausgeben. Es wäre mir zu teuer, und meine Regale sind mir jetzt schon zu voll. Mit E-Book wären also 15 Euro geflossen. An den Verlag - zumindest bei einem noch lieferbaren Buch. An den Autor. Vielleicht auch an einen Händler. Ohne E-Book wären 0,00 Euro geflossen. Das E-Book ist also eine Chance für die traditionellen Akteure des Buchmarkts. Es wird Geld fließen. Es wird anders fließen als bisher.
Es gibt einen Aspekt, der mir bei den kulturkonservativen Bocksgesängen der Heidelberger Appellierenden bei aller Kritik am Bruch des deutschen Urheberrechts durch den amerikanischen Akteur Google denn doch gewaltig auf die Nerven fällt. Leser werden so etwas wie die Google Buchsuche wollen, brauchen, lieben. Wie auch immer sich die massive Digitalisierung von Büchern in Zukunft gestalten wird: Es gibt ein riesiges Interesse der Allgemeinheit daran.
Für die Leser wird die Google Buchsuche, bei allen rechtlichen Problemen die zu klären sind, einen riesigen Demokratisierungsgewinn bedeuten. Es hat nicht jeder eine Uni-Bibliothek um die Ecke, und es hat nicht jeder, wie die Professoren des Appells, einen Tutor parat, der ihm die Bücher schon kopiert. Die Google Buchsuche und alle entsprechenden Projekte bedeuten, dass Leute die Bücher lesen können, die bis dahin einen wesentlich schwierigeren Zugang dazu hatten. Denkt Roland Reuß, der Autor des "Heidelberger Appells", an Afrika? An Studenten in repressiven Regimes?
Nein, er argumentiert rein egoistisch, ohne den Aspekt des Gemeininteresses auch nur einmal zu erwähnen. Roland Reuß sagte in einer Fernsehdebatte (an der auch der Perlentaucher-Autor Rüdiger Wischenbart teilnahm) neulich, dass Google ihn nicht gefragt habe, bevor es seine Bücher im Netz nachveröffentlichte und dass er ein persönliches Recht habe zu entscheiden, ob ein Buch von ihm veröffentlicht werde.
Hier das Video.
Schön und gut. Er hat recht, er ist von Google nicht gefragt worden - er kann nur seine von Google vorausgesetzte Erlaubnis zurückziehen. Aber eins kann er auf Teufel komm raus sowieso nicht, auch wenn ihm irgendeines seiner früheren Werke peinlich sein sollte: er kann seine Bücher nicht entöffentlichen. Das Problem hat er auch ohne Google. Er kann nicht zur Deutschen Bibliothek gehen und sie auffordern, missliche Jugendschriften aus ihren Depots zu entfernen. Er hat dieses Recht schlicht nicht. Das Buch in der Deutschen Bibliothek gehört ihm nicht. Nicht einmal das Werk, die bloße, vom Papier gelöste Zeichenfolge, "gehört" ihm. Darum ist der Begriff des "geistigen Eigentums" Unsinn. Das Geistige, und das gilt auch für seine dümmeren Manifestationen, die ihre Urheber gern vergessen möchten, gehört letztlich der Allgemeinheit. Das Urheberrecht kommt aus dem Interesse der Allgemeinheit, den Schöpfern geistiger Werke eine Existenz zu ermöglichen. Man fragt sich also, ob Googles pragmatisches Vorgehen wirklich eine so perfide Tat ist.
Erinnern wir uns: Vor ein paar Jahren gab es noch eine ganz andere Debatte um die Google-Buchsuche. Da beschwerte sich der Direktor der Bibliothèque nationale, Jean-Noël Jeanneney, dass durch Google Book Search die Dominanz des Englischen verstärkt würde (mehr dazu damals von Rüdiger Wischenbart im Virtualienmarkt). Und wieder fanden sich eine Menge ernst nickender Politiker. Nun beschwert man sich über das Gegenteil, die Digitalisierung nicht englischsprachiger Bücher.
Klar ist Google ein problematischer Akteur. Aber die Öffentlichkeit hat Google jahrelang geschehen lassen. Man hat sich über die gute Suchmaschine gefreut. Google hatte jahrelang das Image von Apple und längst schon die Macht von Microsoft. Die Öffentlichkeit und die Konkurrenten haben jahrelang nicht begriffen, dass Page und Brin mit ihrem Algorithmus so etwa wie das Ei des Columbus erfunden hatten. Was der Pagerank ist, wissen die meisten Google-Kritiker bis heute nicht. Und Page und Brin machen weiter in ihrer genialen Simplizität.
Sie waren die ersten, die auf die Idee kamen, Bücher so massiv zu digitalisieren. Und sie fanden eine Menge renommiertester amerikanischer und übrigens auch europäischer Bibliotheken, die begeistert mitgemacht haben. Denn ja, es ist eine Demokratisierung. Und ja, es wäre wünschenswert, dass Google hier Konkurrenten hätte. Also bitte: Legt los.
Solange Google aber den Markt aber so gut wie beherrscht, sollte man diesem Laden bei rechtlichen Problemen auf die Finger klopfen, aber ohne ihm die selbstverschuldete Fantasielosigkeit und Trägheit anzukreiden. DAs amerikanische Justizministerium überprüft die Google Buchsuche zur Zeit (mer hier) und wird hoffentlich die notwendigen kartellrechtlichen Bremsen einbauen.
Der "Heidelberger Appell" und das ganze apokalyptische Gemurmel, das von interessierte Lobbyorganen darum getrieben wird, sollte die Politiker, die Verlage und die Autoren ohnehin nicht dazu verleiten, unvernünftig zu handeln:
Die Digitalisierung der Bücher wird sowohl den Autoren als auch den Verlagen Chancen bieten. Autoren (und ihre Erben) werden mit Büchern Geld verdienen, die für sie längst totes Kapital waren. Verlage finden neue Vertriebswege jenseits aller geografischen Grenzen. Und gerade die Verlage mit großer Backlist, die Publikums- und Qualitätsverlage, die jetzt schon wegen der Backlistverkäufe Amazon zu Füßen liegen, werden profitieren. Je mehr Klicks sie auf ihren Seiten haben, desto besser werden sie diese neuen Umsätze lenken können. Es hilft also nur eins: Nachdenken über die Potenziale des Internets.
Das Netz verändert alles. Es ist wirklich ein dramatischer, zugleich zutiefst faszinierender Bruch. Dieser Bruch wird auch Opfer fordern, bei alten und bei neuen Akteuren. Aber man sollte ihm mit Optimismus begegnen. In der Literatur zum Beispiel ermöglicht das Netz plötzlich eine ganz neue Kommunikation zwischen Autoren und Lesern. Viel zu wenige Autoren, die vor lauter Angst den "Heidelberger Appell" unterzeichnet haben, denken darüber nach. Wer von ihnen schreibt ein Blog?
Klügere Autoren werden das Netz suchen, um ihre Leser zu finden. Klügere Verleger werden die Heidelberger Jeremiaden als das nehmen was sie sind, Konvulsionen eines erstarrten Wesens, das aufwacht und sich die Augen reibt. Soll es zurücksinken in den Status quo?
Erst ohne deutsche Bücher in der Google Buchsuche - oder ähnlichen Angeboten - werden Jeanneneys Alpträume wahr werden. Die Reader und die E-Books werden kommen. Und auch deutsche Leser werden sich mehr und mehr englische Bücher herunterladen, wenn sie deutsche nicht finden. Die Heidelberger Appellierenden fürchten um ihre Relevanz. Wenn sie gewinnen, werden sie sie endgültig verlieren.

Google Book Settlement wird überprüft

Von Thierry Chervel
03.07.2009. (Via turi2) Die New York Times meldet, dass das Google Book Settlement im amerikanischen Justizministerium kartellrechtlich überprüft werden soll. Das Justizministerium hat dies in einem Brief an die Richter mitgeteilt, die über das Google Book Settlement befinden sollen: "Antitrust experts said the letter was the latest indication that the Justice Department is seriously examining complaints that the agreement would grant Google the exclusive right to profit from millions of so-called'?orphan works,' books that are out of print and whose authors or rights holders are unknown or cannot be found." Auch das Blog Techcrunch bringt einen interessanten Beitrag zum Thema: Michael Arrington interviewt den Kartellrechtsexperten Garry Reback, der das Google Book Settlement ebenfalls bedenklich findet (ab Minute 30 im Video).

Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz

Von Anja Seeliger
01.07.2009. Der Verleger Hubert Burda bezeichnete gestern in der FAZ die Presse als "vierte Gewalt" und behauptete, sie sei unverzichtbar für die Demokratie. Das ist Unsinn. In Sachen Berichterstattung über das Internet ist die Presse weithin keine vierte Gewalt mehr, sondern ein Lobbyist, der sich unter dem Deckmantel des Journalismus dem Staat andient.Burdas Text in der FAZ, in dem er Leistungsschutzrechte und noch eine ganze Menge anderer Rechte für die Zeitungsverlage verlangte, ist völlig unverständlich, wenn man nicht die Rede kennt, die Kulturstaatsminister Bernd Neumann vor zwei Wochen auf der Jahreskonferenz der "Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft" hielt.
Neumann versprach kleine Geschenke für verschiedene Kreative: so sollen die Schutzfristen ausübender Künstler von 50 auf 70 Jahre verlängert werden und die Mitarbeiter bei Film und Fernsehen leichter Zugang zu Arbeitslosengeld I erhalten.
Aber die fettesten Versprechungen machte er den Zeitungsverlagen. Zum Beispiel: "In der nächsten Legislaturperiode muss das Thema Leistungsschutzrecht für Presseverlage auf die Agenda. Sie sind bislang mangels ausreichender Rechte an ihren Presseerzeugnissen in weiten Teilen der Verwertungskette nicht in der Lage, ihre Rechtsposition angemessen zu schützen. Das wollen wir ändern."
Zwei Wochen später findet Hubert Burda das in der FAZ noch nicht ganz ausreichend. Er möchte kein einfaches Leistungschutzrecht, sondern ein erweitertes. "Nun kann man sagen, dass jede Branche in dieser Zeit großer wirtschaftlicher Veränderungen zu kämpfen hat und sich anpassen muss. Diese Anpassung besteht insbesondere auch in der Einführung eines weiten Leistungsschutzrechtes, verbunden mit der Transparenz des Internets."
Um das zu begründen, wird er kurz ein bisschen weinerlich. Der Schnittmusterverleger nennt seine Produkte ein Kulturgut. Sie seien unerlässlich für die Demokratie. Habermas habe das gesagt, ja, Miriam Meckel habe das gesagt. Ohne Presse keine Demokratie, sagt er. Aber eigentlich droht er den Politikern im Wahlkampf: Ohne gute Presse keine Wiederwahl.
Burda will ein "weites Leistungsschutzrecht" und "Transparenz des Internets". Was ist damit gemeint? Dem Leser wird das an keiner Stelle seines Artikels an einem konkreten Beispiel aufgeschlüsselt.
Leistungschutzrecht
Ein Leistungsschutzrecht für Verlage bedeutet, dass Verlage künftig auch ohne Einverständnis ihrer Autoren - ja sogar gegen den Willen ihrer Autoren - Zitate aus Artikeln in ihren Zeitungen schützen und damit kostenpflichtig machen können. Die Financial Times Deutschland hat das kürzlich in einem zustimmenden Artikel genauer beschrieben: Gegründet werden soll eine "Verwertungsgesellschaft der Verlage. Eine Gema für Onlinetexte, die im Netz nach illegaler Nutzung fahndet - und fällige Gebühren eintreibt". Nicht für die Verbreitung ganzer Texte, das ist heute schon illegal, sondern für Zitate!
Für den Leser bedeutet das zweierlei: Presseschauen wie die Feuilletonrundschau des Perlentauchers werden künftig kostenpflichtig. Der Jurist Jan Hegemann hatte im April in der FAZ angedeutet, wie weit das erträumte "Recht" gehen soll - bis hin zu "Snippets - also die mit "großem redaktionellen Aufwand erstellten Kurzzusammenfassungen der Artikel". Google dürfte keine Überschriften mehr zitieren ohne zu bezahlen. Und Leser - oder ihre Kinder - die im Netz zum Beispiel in Kommentaren aus Zeitungsartikeln zitieren, werden künftig ebenfalls von den Verlagen zur Kasse gebeten. Ob zu Recht, kann man dann vor Gericht mit den Anwälten der FAZ ausfechten. Gegen den Perlentaucher führen FAZ und SZ seit Jahren einen Prozess wegen seiner Berichterstattung über ihre Berichterstattung.

Transparenz des Internets

Aber wie, fragen Sie sich vielleicht, soll die Zeitung herausfinden, wer ein Nutzer ist? Mittels "Transparenz des Internets", wie Hubert Burda das nennt. Kulturstaatssekretär Neumann war da etwas deutlicher: "Wir brauchen Kooperationsvereinbarungen zwischen Providern, Rechteinhabern und Verbrauchern."
Im Klartext: Wenn ein Verlag es fordert, soll der Internetprovider künftig Ihre Daten herausgeben müssen. Jeder soll im Internet identifiziert werden können. Das geht nur durch staatliche Kontrolle des Internets. Das meint Hubert Burda mit "Transparenz im Internet".
Erweitertes Leistungsschutzrecht
Was will Hubert Burda, wenn er ein "erweitertes Leistungsschutzrecht" fordert?
Burda fordert für Verlage: "das Recht, im Netz von den Suchmaschinen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien gefunden zu werden. Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren. Das Recht auf Neutralität der Plattformen. Und damit verbunden die Garantie, dass Inhalte unserer Transaktionsangebote von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden. Denn genau dies ist zurzeit technisch immer noch möglich."
Er will, dass auch Suchmaschinen wie Google staatlich kontrolliert werden. Nur so kann man seine Forderung interpretieren, am Erlös der Google-Anzeigen beteiligt zu werden, denn freiwillig wird Google keinen Cent rausrücken.
Google ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Es ist nicht im Verlagswesen tätig, sondern in der Logistik. Es organisiert das Netz. Warum sollte es Verlage an den Erlösen aus dieser Leistung beteiligen? Das konnte auch Staatssekretär Neumann nicht erklären. Aber er war überzeugt: "Es kann nicht angehen, dass ein Privatunternehmen künftig ein Monopol auf diesen essenziellen Teil unserer Kultur hat! Die digitale Verfügungsgewalt muss in öffentlicher Verantwortung bleiben", also in Verantwortung des Staates. Die Vertreter der vierten Gewalt klatschten Beifall.
Hubert Burda behauptet, all diese Maßnahmen seien unumgänglich, um den "Qualitätsjournalismus" und damit die Demokratie zu schützen. Aber nicht der "Qualitätsjournalismus" ist wichtig für die Demokratie, sondern die Existenz einer freien Presse. Die Presse ist aber nur frei, wenn sie von staatlichen Einflüssen unabhängig bleibt. Doch genau das lehnen Zeitungsverleger jetzt ab: Sie rufen nach dem Staat.
Die Forderungen der Verlage umfassen inzwischen
- eine vom Staat anzuschiebende Zwangsgebühr namens Kulturflatrate,
- eine staatliche Beaufsichtigung der Suchmaschinen (denn auf nichts anderes läuft die Forderung Burdas hinaus),
- eine vom Staat zu erzwingende Umverteilung der Anzeigenerlöse der Suchmaschinen,
- ein vom Staat zu verabschiedendes Leistungsschutzrecht, das die Grundvoraussetzung für die Schaffung einer Gema für Onlinetexte wäre.
- eine staatliche Überwachung des Internets. Natürlich nur, um die Kulturindustrie vor Piraten zu schützen.
Dies alles wird gefordert nicht zugunsten einer freien Presse, sondern zum Schutz überkommener Geschäftsmodelle. Die Zeitungen werden schamlos für Lobbyarbeit in eigener Sache benutzt und sprechen schon damit jeder Form von Qualitätsjournalismus Hohn.
Politiker hören diesen Ruf der Verlage nach dem Staat gern. Überwachung ist eh ihr Konzept. In Sachen Internetsperren passte kein Blatt zwischen die großen Zeitungen und Ursula von der Leyen. Die Versuchung für Zeitungsjournalisten war unwiderstehlich, Kinderpornografie mit dem "Pfuhl Internet" (so die FAZ) gleichzusetzen und so ein missratenes Gesetz nicht kritisch zu überprüfen, sondern für eigene Zwecke umzumünzen. Die Verlage scheinen sich ganz sicher zu sein, dass die staatliche Überwachungsmaßnahmen, die sie zur Sicherung ihrer Profite fordern, nie sie selbst betreffen werden. Wie nah müssen sie sich der Regierung fühlen. In eigener Sache haben die einstigen Kontrolleure von Parlament, Verwaltung und Rechtsprechung ihren Anspruch aufgegeben, vierte Gewalt zu sein.
Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz.

Die Schlangenhüften von George Raft

28.07.2009. Ich habe gerade Walter Satterwaiths Krimi "Miss Lizzie kehrt zurück" gelesen. Er spielt im New York der Zwanziger und eine Menge "echtes Personal" taucht auf: Lizzie Borden, Mae West, Dorothy Parker und George Raft, der 1932 in "Scarface" den melancholischsten verliebten Gangster spielen würde, den die Welt je gesehen hatte. Gangster sollte er von da an bleiben. Im Buch aber hat er einen Auftritt als Tänzer! Fred Astaire erzählt in seiner Autobiografie, Raft habe den schnellsten Charleston getanzt, den er je gesehen habe. Schnell war Raft 1965 nicht mehr. Aber sonst hatte der Siebzigjährige noch alles: Figur, Timing, Eleganz und Schlangenhüften. Ab Minute 6.42 (Einbetten war leider nicht erlaubt)Angefangen hat George Raft übrigens als Eintänzer, im El Fey Club, zusammen mit Rudolfo Valentino. Dass er selbst neben Valentino ein Hit gewesen sein muss, wissen wir aus diesem Bolero. Absolut pre-Code. Ab Minute 1.15 Von Anja Seeliger

Wunschtraum eines Apokalyptikers

27.07.2009. Timothy Garton Ash tut in seinem neuesten Buch etwas, das Intellektuelle seines Kalibers selten tun: Er zieht einen Begriff zurück. Leichthin hatte er in einem Artikel für die New York Review of Books die niederländische, jetzt in den USA lebende Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali eine "Fundamentalistin der Aufklärung" genannt. Er hatte eine Symmetrie zwischen dem Islamismus und einer bestimmten Fraktion der westlichen Öffentlichkeit konstruiert und damit eine riesige Debatte ausgelöst, die von Perlentaucher und signandsight.com angeregt wurde und an der sich Intellektuelle wie Pascal Bruckner oder Necla Kelek beteiligten. Die Debatte fand ein großes Echo in der internationalen Presse. Von dieser Konstruktion hat sich Garton Ash nun also in einer Fußnote zu dem besagten Artikel in seiner neuen Essaysammlung "Facts are Subversive" verabschiedet (Ort und Teilnehmer der Debatte nennt Garton Ash in seinem Buch nicht).Und kaum hat TGA das getan, steht John Gray auf, der dunkle Prinz der jüngeren britischen Philosophie, und macht ihm das zum Vorwurf: "Garton Ash mag zögern, den Begriff des Fundamentalismus der Aufklärung zu verwenden, weil dieser Begriff nahe legt, dass wir in einen unbeherrschbaren Konflikt abdriften. Aber genau diese Gefahr eines Clash der Fundamentalismen ist real", schreibt Gray in einer Besprechung des Buchs für den New Statesman. Von Thierry Chervel

Nachgezählt

27.07.2009. Das waren Zeiten, als man Magazinen verbieten musste, mehr als 49 Prozent Anzeigen pro Heft zu bringen! Die aktuelle Ausgabe des Spiegels kommt bei 146 Seiten auf ganze 15 Seiten Werbung und eine Sonderveröffentlichung. Ist das nur das Sommerloch? Oder die Strukturkrise? Von Thekla Dannenberg

Cary Grant und die Peitsche

27.07.2009. Statt ein gutes Buch zu lesen, habe ich mir am Wochenende alte Filme bei Youtube angeguckt und bin dabei auf diese Szene gestoßen: Cary Grant, als er noch aussah wie Sylvester Stallone, in einer (nach zwei Minuten) schockierenden Gewaltszene: Von Anja Seeliger

Bericht Frankfurter Tagung im Literaturcafé

16.07.2009. Im Literaturcafé berichtet Wolfgang Tischer über die gestrige Tagung in Frankfurt - auch über den Schirmherren: "Dass gerade die FAZ einen Urheberrechtskongress unterstützt, obwohl sie unlängst selbst zeigte, dass sie mit den ihr übertragenen Autorenrechten nicht sonderlich sorgfältig umgeht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ebenso konnte wer wollte diese Ironie aus der Begrüßung von Hannes Hintermeier heraushören, der tatsächlich davon sprach, dass Journalisten in dieser Sache seriös berichten müssten und keine Lobbyarbeit betreiben sollten. Im Publikum lachte jedoch niemand." Von Thierry Chervel

Die Früchte des Internets

15.07.2009. Am Ende durfte auf einem dichtbesetzten Podium kurz auch mal die Dame von Google sprechen. Sie sehe gar nicht, wo das Problem sei, sagte Anabella Weisl, die bei Google Deutschland für die Buchsuche zuständig ist: Zwischen den Interessen von Google und den Interessen der Unterzeichner des Heidelberger Appells bestehe doch gar kein Widerspruch. Herzliches Gelächter.Weisl hatte es wirklich nicht leicht. Das Kräfteverhältnis von Befürwortern des Appells zu Google war auf dieser Veranstaltung ungefähr so ungleich wie das Kräfteverhältnis von Google zu den Appellierenden im Internet. Ausgerichtet war sie ja gerade von den Initiatoren des Appells. Das Frankfurter Literaturhaus hatte seine Räume geboten. Die Schirmherrschaft (und auch das viel zu knapp bemessene Büffet?) hatte ausgerechnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung übernommen. Frank Schirrmacher höchstselbst hatte die Einführungsworte sprechen sollen hielt sich aber interessanter Weise fern - vielleicht möchte er nicht, wie jüngst Hubert Burda, den Zorn der doch konsistenter werdenden Blogosphäre auf sich ziehen? Statt dessen schickte er Hannes Hintermeier an die Front. Von Thierry Chervel

Kein Buch gegen Heidenreichs Willen

13.07.2009. Wir berichteten: die "Deutsche Literaturgesellschaft", ein Zuschussverlag, der Autoren Geld für die Publikation minderer Gedichte abknöpft, hatte als Lockvogelbuch ein Buch mit Texten von Elke Heidenreich veröffentlicht. Heidenreichs Texte hatte man einfach im FAZ-Archiv "gekauft" - völlig legal. Nun hat der Verlag, vielleicht um einer Klage Heidenreichs aus dem Weg zu gehen, das Buch zurückgezogen. Das Literaturcafe, das die Geschichte aufgebracht hatte, zitiert aus der Begründung der Literaturgesellschaft: "Nachdem bekannt wurde, dass die FAZ die Rechte an Texten von Elke Heidenreich gegen Ihren Willen veräußert hat, hat sich die Deutsche Literaturgesellschaft dazu entschlossen, das Buch 'Bücher könnte ich lassen, Oper nie!' freiwillig vom Markt zu nehmen." Schade!, kann man hier nur rufen, denn so ist natürlich auch die FAZ fein raus, deren Politik mit den Rechten der Autoren (mehr hier und hier und hier: "FAZ enteignet Papst") weder von Elke Heidenreich noch vom Literaturcafé kritisch aufgegriffen wird. Aber klar, da hängt der Hammer. Von Thierry Chervel

Hört nicht auf die Heidelberger Bocksgesänge

05.07.2009. Neulich habe ich einen Artikel von Alain Finkielkraut über eines seiner Idole, den großen Schriftsteller Milan Kundera gelesen. Kundera hat in Frankreich einen Band mit neuen Aufsätzen publiziert, "Une rencontre". Dazu gehört ein Aufsatz über einen längst vergessenen Roman von Anatole France, "Les dieux ont soif", der von einem Maler zur Zeit der französischen Revolution handelt. Dieser Maler identifiziert sich mit dem Terror - und wird sich schuldig machen.Nun weiß man, dass Kundera kürzlich selbst ins Gerede kam, weil er auf einem - unbezweifelbar echten - tschechischen Polizeidokument als Verräter eines jungen Kuriers der Amerikaner aufgeführt ist, der bei einer Freundin übernachtete (mehr hier). Kundera hat sich dazu nicht geäußert. Die Affäre wurde begraben. Aber natürlich wäre es interessant, den Essay über den Roman von France zu lesen, denn vielleicht äußert sich Kundera darin indirekt. Von Thierry Chervel

Google Book Settlement wird überprüft

03.07.2009. (Via turi2) Die New York Times meldet, dass das Google Book Settlement im amerikanischen Justizministerium kartellrechtlich überprüft werden soll. Das Justizministerium hat dies in einem Brief an die Richter mitgeteilt, die über das Google Book Settlement befinden sollen: "Antitrust experts said the letter was the latest indication that the Justice Department is seriously examining complaints that the agreement would grant Google the exclusive right to profit from millions of so-called'?orphan works,' books that are out of print and whose authors or rights holders are unknown or cannot be found." Auch das Blog Techcrunch bringt einen interessanten Beitrag zum Thema: Michael Arrington interviewt den Kartellrechtsexperten Garry Reback, der das Google Book Settlement ebenfalls bedenklich findet (ab Minute 30 im Video). Von Thierry Chervel

Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz

01.07.2009. Der Verleger Hubert Burda bezeichnete gestern in der FAZ die Presse als "vierte Gewalt" und behauptete, sie sei unverzichtbar für die Demokratie. Das ist Unsinn. In Sachen Berichterstattung über das Internet ist die Presse weithin keine vierte Gewalt mehr, sondern ein Lobbyist, der sich unter dem Deckmantel des Journalismus dem Staat andient.Burdas Text in der FAZ, in dem er Leistungsschutzrechte und noch eine ganze Menge anderer Rechte für die Zeitungsverlage verlangte, ist völlig unverständlich, wenn man nicht die Rede kennt, die Kulturstaatsminister Bernd Neumann vor zwei Wochen auf der Jahreskonferenz der "Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft" hielt. Von Anja Seeliger