Wer ist jetzt der Spießer?

Von Sascha Josuweit
30.03.2009. Vor zwanzig Jahren starb der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard an Herzversagen. Achtzehnjährig hatte er mit Tuberkulose bereits im Sterbezimmer gelegen und die Sakramente erhalten. In den vierzig Jahren danach entstand sein umfangreiches erzählerisches und dramatisches Werk unter dem Eindruck der Todeskrankheit.Die einen schätzten seine Texte für ihren seriellen Stil, ihre Unnachsichtigkeit gesellschaftliche Zustände betreffend und ihre Komik. Wenige, darunter Elfriede Jelinek und Hanns Dieter Hüsch, begriffen Bernhard intuitiv. Andere wünschten, die letzte Ölung wäre nicht umsonst gewesen. Österreichs Politiker und Kulturverweser, vom Bürgermeister bis zum Bundespräsidenten, agitierten parteiübergreifend. Die geschäftsmäßig skandalisierende Kronen-Zeitung wiegelte ihre Leser gegen den "Nestbeschmutzer" auf. Bernhards Zwangseinweisung wurde gefordert oder direkt seine Ausbürgerung. In Wien wurde der Autor auf der Straße mit dem Tod bedroht.

Was die Zeitungen mit Urheberrecht meinen

Von Ernst Piper
30.03.2009. Am Samstag schrieb der Konzertveranstalter Marek Lieberberg in einem Artikel für die SZ: "Die Website perlentaucher wirft die gesamte feuilletonistische Print-Tagesausbeute auf den Markt, natürlich kostenlos; und nicht nur, dass der Staat hier nicht eingreift, er förderte die Übersetzung dieser 'Auswertungen' ins Englische auch noch jahrelang durch die bundeseigene Kulturstiftung: frech, wie man Zeitungen, die eigentlich Anspruch auf Urheberrechte haben, über den Tisch ziehen kann." Wir haben bereits darauf geantwortet, dass wir niemals irgendwelche Texte "auf den Markt geworfen" haben, ohne Rechte einzuholen.

NYT kündigt Gehaltskürzung an

Von Anja Seeliger
27.03.2009.
(Via Gawker.) Die New York Times hat ihren Mitarbeitern in einem Memo eine fünfprozentige Kürzung der Gehälter ab April angekündigt, berichtet Nicholas Carlson im Silicon Alley Insider. Außerdem müssen sie in diesem Jahr 10 Tage unbezahlten Urlaub nehmen (vorausgesetzt, die Times einigt sich mit den Gewerkschaften). Er hat auch das Memo von "Arthur" [Sulzberger] und "Janet" [Robinson] veröffentlicht. In einem zweiten Memo, das Gawker veröffentlicht hat, informieren "Scott, Bill, Martin & Andy" die Redaktion außerdem, dass 100 Angestellte auf der Verlagsseite der Times entlassen werden. Nach Ansicht von Carlson ist das bei weitem nicht genug: Die Times müsste ihre Redaktion um 30 Prozent reduzieren, um wenigstens eine Weile kostendeckend arbeiten zu können. Aber wie lange? Wenn man sich die finanzielle Entwicklung der NYT anguckt und die Entwicklung ihrer Aktien (siehe Grafik), wird einem richtig schlecht. Das ist kein Niedergang, das ist ein Sturzflug. Der Times gönnt man das wirklich nicht. Während die Medien hierzulande den Kopf in den Kopf in den Sand stecken, und das Thema Internet ignorieren, hat die NYT wirklich was ausprobiert im Netz, auch wenn man das nicht alles so positiv beurteilen muss wie Stefan Winterbauer.

Europa mit zwei Lungen

Von Thekla Dannenberg
19.03.2009. Der Kongress "Die Freiheit im Blick", den die Zeitschrift Osteuropa gerade zusammen mit dem Goethe-Institut und der polnischen Botschaft in Berlin ausrichtet, dürfte wohl zu den spannendsten Veranstaltungen des gesamten Gedenkjahres gehören: Versammelt hat sich die halbe mitteleuropäische Intelligenzija, um über Aufbruch, Freiheit und die Verheißung Europa zu diskutieren. Rita Süßmuth seufzte in ihrem ansonsten etwas pastoralen Statement hübsch lakonisch: "Geist - davon kann es ruhig mehr geben". Der polnische Botschafter Marek Prawda warb sehr überzeugend für die unruhestiftenden Qualitäten der Polen. Und der große Adam Michnik, unerschütterlicher Dissident und Herausgeber der Gazeta Wyborcza, blickte in seiner Eröffnungsrede auf die Zeit des großen Aufbruchs und ihre hässliche Kehrseite, die Jugoslawienkriege, zurück und schloss daran ein flammendes Plädoyer auf Europa, das nun endlich mit zwei Lungen atme. Der Text, der der Rede zugrunde liegt, ist nur im Print - in Osteuropa nachzulesen: "Was bedroht Europa heute? Auf der einen Seite ein zu Schwäche führender Zynismus, der jede Wertelehre und jedes Wertesystem aushöhlt, auf der anderen Seite alle autoritären oder gar totalitären Projekte. Wir sprechen über ein multikulturelles Europa, was natürlich gut ist. Dennoch - wenn wir in Europa einen großen Anteil von Bürgern aus der Welt des Islam haben, die als Minderheit unter Verweis auf die europäischen Grundsätze Rechte einfordern, wenn sie aber zur Mehrheit geworden sind, diese Rechte anderen verweigern, da das ihre Grundsätze sind, so ist darauf hinzuarbeiten, dass die Europäische Union die demokratischen Werte standhaft verteidigen kann.

Lest Eisenstein!

Von Anja Seeliger
17.03.2009. Wie fühlt sich Revolution an? Ich meine nicht den Vergleich zwischen dem Zustand davor und danach, sondern den Moment, wenn man mittendrin steckt? Chaotisch! Elisabeth Eisenstein hat das wunderbar beschrieben in ihrem 1979 erstmals erschienenen Buch "The Printing Press as an Agent of Change" (hier ein Auszug auf Deutsch) über die Erfindung des Buchdrucks. Clay Shirky hat in seinem Blog noch einmal darauf hingewiesen und Parallelen zur jetzigen Revolution gezogen: "Während des dramatischen Übergangs zum Druck stellten sich Experimente erst im nachhinein als Wendepunkte heraus. Aldus Manutius, der venezianische Drucker und Verleger, erfand das kleinere Octav-Format und die Kursivschrift. Was wie eine kleine Neuerung aussah - nimm ein Buch und mach es kleiner - war rückblickend eine Schlüsselerfindung für die Demokratisierung des gedruckten Worts. Als Bücher immer billiger und tragbarer wurden und darum begehrenswerter, erweiterte sich der Markt für Verleger und erhöhte den Wert der Lesefähigkeit noch mehr. So sehen echte Revolutionen aus: das alte wird schneller zerstört, als neues entstehen kann. Die Bedeutung eines Experiments ist in dem Moment, in dem es gemacht wird, nicht offensichtlich. Große Veränderungen stocken, kleine Veränderungen breiten sich aus. Sogar die Revolutionäre können nicht vorhersagen, was passieren wird ... Und so ist es auch heute. Wenn jemand wissen will, wie wir die Zeitungen ersetzen sollen, dann will er eigentlich hören, dass wir keine Revolution durchleben. Er will hören, dass das alte System nicht zusammenbricht, bevor neue Systeme bereit stehen, die es ersetzen können. Er will hören, dass die alten sozialen Abmachungen nicht in Gefahr sind, dass die Kerninstitutionen ausgespart werden, dass neue Methoden zur Verbreitung von Informationen die bisherige Praxis verbessern und nicht beenden werden. Er will angelogen werden."

Wolframs schöne neue Antwortenwelt

Von Frauke Fentloh
17.03.2009. In zwei Monaten, verkündet Stephen Wolfram, werden wir das Wissen der Menschheit im Internet erfragen können. Die Vorstellung erscheint gleichermaßen verlockend und gruselig - praktisch jedenfalls und bequem, aber auch irgendwie eindimensional. Wolfram zumindest ist sich sicher: Das ist es, wovon der Mensch träumte, vor fünfzig Jahren, als die Computer groß wurden. Mit dem Search Engine "Wolfram Alpha" soll es künftig möglich sein, einer Suchmaschine konkrete Fragen zu stellen, statt, wie etwa bei Google, im Netz publizierte Schriften mithilfe von Schlagworten zu durchsuchen. "Die Menschen kommunizieren normalerweise über natürliche Sprache. Und wenn man es mit dem gesamten Spektrum des Wissens zu tun hat, denke ich, dass dies auch die einzige realistische Option ist, um mit Computern zu kommunizieren", schreibt Wolfram in seinem Blog. Bisher könne man nur Antworten auf Fragen finden, die irgendwann, irgendwo schon einmal gestellt worden sind. Das soll sich mit "Wolfram Alpha" ändern: Statt nachzuschlagen, werde das System Wissen neu "berechnen". Möglich soll dies werden mit den Algorithmen aus Wolframs Software "Mathematica".

Wie albern waren die Mohammed-Karikaturen?

Von Thierry Chervel
10.03.2009. Als die Zeitungen vor vier Wochen über die Fatwa gegen Salman Rushdie vor 20 Jahren und ihre Folgen bis heute nachdachten, kamen sie selbstverständlich auch auf den Karikaturenstreit vor drei Jahren zu sprechen. "Nein, man soll auch gläubigen Muslimen nicht die Begegnung mit der westlichen Kultur ersparen, alberne Karikaturen eingeschlossen", konzediert zum Beispiel Thomas Steinfeld in seinem Artikel für die SZ zum Jahrestag der Fatwa am 14. Februar. Es ist auch ein Plädoyer für eine Mäßigung des Westens im Umgang mit anderen Kulturen. Der Westen solle sich klar machen, "wie totalitär selbst seine Glücksideale" seien.

Börsenverein hackt Kindle?

Von Ilja Braun
02.03.2009. Ist es noch vor der deutschen Markteinführung des Amazon Kindle gelungen, das von dem US-amerikanischen Online-Buchhändler entwickelte E-Book-Lesegerät zu hacken? Das könnte man bei der Lektüre einer in der FAZ veröffentlichten dpa-Meldung meinen. Auf der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierten Online-Plattform libreka, so heißt es dort, sollen ab März 2009 100.000 Bücher zur Verfügung stehen, welche "direkt auf die gängigen E-Book-Lesegeräte 'Kindle' oder 'Reader' heruntergeladen werden können. Welcher "Reader" auch immer gemeint sein mag (der Adobe Reader? Sonys Reader Digital Book, das erst im März erhältlich sein soll?) - das "Kindle" ist jedenfalls dafür bekannt, dass darauf bislang nur solche E-Books angezeigt werden können, die der Kunde bei Amazon gekauft hat - ein Geschäftsmodell, das wegen seiner quasi-monopolistischen Struktur vielfach kritisiert worden ist (siehe auch). Sollte es den libreka-Machern etwa gelungen sein, das Amazon-Gerät zu hacken? Das wäre erstaunlich, setzt der Börsenverein sich sonst doch für ein "zivilisiertes Internet" ein, bekundet Sympathien für das französische Olivennes-Modell und verklagt gerade die Universität Würzburg, weil diese ihren Studierenden Lehrmaterial an Leseplätzen zugänglich gemacht hat. Oder strebt man mit Amazon, immerhin einem der größten Konkurrenten des einheimischen Buchhandels, über das Branchenportal Libreka zukünftig eine engere Kooperation an? "Natürlich werden wir weiter neue Geschäftsmodelle anbieten", schreibt Verleger und Libreka-Mitbegründer Matthias Ulmer in einem Leserkommentar im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels. Ullmer schränkt jedoch ein: "Neue Geschäftsmodelle hängen uns doch schon zum Hals raus, so viele haben wir skizziert, geprüft, gerechnet, umgesetzt und zum größten Teil wieder in die Schublade gepackt, weil es halt noch zu früh ist, weil die Nutzer noch nicht so weit sind." Möglicherweise handelt es sich bei der Meldung über die bevorstehende Marktführerschaft von Libreka im E-Book-Geschäft also auch nur um eine Ente. Das glaubt nicht nur mancher Blogger, sondern wohl auch mancher Vertriebsleiter (mehr hier).Ilja Braun lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln

Wer ist jetzt der Spießer?

Was die Zeitungen mit Urheberrecht meinen

30.03.2009. Am Samstag schrieb der Konzertveranstalter Marek Lieberberg in einem Artikel für die SZ: "Die Website perlentaucher wirft die gesamte feuilletonistische Print-Tagesausbeute auf den Markt, natürlich kostenlos; und nicht nur, dass der Staat hier nicht eingreift, er förderte die Übersetzung dieser 'Auswertungen' ins Englische auch noch jahrelang durch die bundeseigene Kulturstiftung: frech, wie man Zeitungen, die eigentlich Anspruch auf Urheberrechte haben, über den Tisch ziehen kann." Wir haben bereits darauf geantwortet, dass wir niemals irgendwelche Texte "auf den Markt geworfen" haben, ohne Rechte einzuholen. Von Ernst Piper

NYT kündigt Gehaltskürzung an

Europa mit zwei Lungen

19.03.2009. Der Kongress "Die Freiheit im Blick", den die Zeitschrift Osteuropa gerade zusammen mit dem Goethe-Institut und der polnischen Botschaft in Berlin ausrichtet, dürfte wohl zu den spannendsten Veranstaltungen des gesamten Gedenkjahres gehören: Versammelt hat sich die halbe mitteleuropäische Intelligenzija, um über Aufbruch, Freiheit und die Verheißung Europa zu diskutieren. Rita Süßmuth seufzte in ihrem ansonsten etwas pastoralen Statement hübsch lakonisch: "Geist - davon kann es ruhig mehr geben". Der polnische Botschafter Marek Prawda warb sehr überzeugend für die unruhestiftenden Qualitäten der Polen. Und der große Adam Michnik, unerschütterlicher Dissident und Herausgeber der Gazeta Wyborcza, blickte in seiner Eröffnungsrede auf die Zeit des großen Aufbruchs und ihre hässliche Kehrseite, die Jugoslawienkriege, zurück und schloss daran ein flammendes Plädoyer auf Europa, das nun endlich mit zwei Lungen atme. Der Text, der der Rede zugrunde liegt, ist nur im Print - in Osteuropa nachzulesen: "Was bedroht Europa heute? Auf der einen Seite ein zu Schwäche führender Zynismus, der jede Wertelehre und jedes Wertesystem aushöhlt, auf der anderen Seite alle autoritären oder gar totalitären Projekte. Wir sprechen über ein multikulturelles Europa, was natürlich gut ist. Dennoch - wenn wir in Europa einen großen Anteil von Bürgern aus der Welt des Islam haben, die als Minderheit unter Verweis auf die europäischen Grundsätze Rechte einfordern, wenn sie aber zur Mehrheit geworden sind, diese Rechte anderen verweigern, da das ihre Grundsätze sind, so ist darauf hinzuarbeiten, dass die Europäische Union die demokratischen Werte standhaft verteidigen kann. Von Thekla Dannenberg

Lest Eisenstein!

17.03.2009. Wie fühlt sich Revolution an? Ich meine nicht den Vergleich zwischen dem Zustand davor und danach, sondern den Moment, wenn man mittendrin steckt? Chaotisch! Elisabeth Eisenstein hat das wunderbar beschrieben in ihrem 1979 erstmals erschienenen Buch "The Printing Press as an Agent of Change" (hier ein Auszug auf Deutsch) über die Erfindung des Buchdrucks. Clay Shirky hat in seinem Blog noch einmal darauf hingewiesen und Parallelen zur jetzigen Revolution gezogen: "Während des dramatischen Übergangs zum Druck stellten sich Experimente erst im nachhinein als Wendepunkte heraus. Aldus Manutius, der venezianische Drucker und Verleger, erfand das kleinere Octav-Format und die Kursivschrift. Was wie eine kleine Neuerung aussah - nimm ein Buch und mach es kleiner - war rückblickend eine Schlüsselerfindung für die Demokratisierung des gedruckten Worts. Als Bücher immer billiger und tragbarer wurden und darum begehrenswerter, erweiterte sich der Markt für Verleger und erhöhte den Wert der Lesefähigkeit noch mehr. So sehen echte Revolutionen aus: das alte wird schneller zerstört, als neues entstehen kann. Die Bedeutung eines Experiments ist in dem Moment, in dem es gemacht wird, nicht offensichtlich. Große Veränderungen stocken, kleine Veränderungen breiten sich aus. Sogar die Revolutionäre können nicht vorhersagen, was passieren wird ... Und so ist es auch heute. Wenn jemand wissen will, wie wir die Zeitungen ersetzen sollen, dann will er eigentlich hören, dass wir keine Revolution durchleben. Er will hören, dass das alte System nicht zusammenbricht, bevor neue Systeme bereit stehen, die es ersetzen können. Er will hören, dass die alten sozialen Abmachungen nicht in Gefahr sind, dass die Kerninstitutionen ausgespart werden, dass neue Methoden zur Verbreitung von Informationen die bisherige Praxis verbessern und nicht beenden werden. Er will angelogen werden." Von Anja Seeliger

Wolframs schöne neue Antwortenwelt

Wie albern waren die Mohammed-Karikaturen?

10.03.2009. Als die Zeitungen vor vier Wochen über die Fatwa gegen Salman Rushdie vor 20 Jahren und ihre Folgen bis heute nachdachten, kamen sie selbstverständlich auch auf den Karikaturenstreit vor drei Jahren zu sprechen. "Nein, man soll auch gläubigen Muslimen nicht die Begegnung mit der westlichen Kultur ersparen, alberne Karikaturen eingeschlossen", konzediert zum Beispiel Thomas Steinfeld in seinem Artikel für die SZ zum Jahrestag der Fatwa am 14. Februar. Es ist auch ein Plädoyer für eine Mäßigung des Westens im Umgang mit anderen Kulturen. Der Westen solle sich klar machen, "wie totalitär selbst seine Glücksideale" seien. Von Thierry Chervel

Börsenverein hackt Kindle?

02.03.2009. Ist es noch vor der deutschen Markteinführung des Amazon Kindle gelungen, das von dem US-amerikanischen Online-Buchhändler entwickelte E-Book-Lesegerät zu hacken? Das könnte man bei der Lektüre einer in der FAZ veröffentlichten dpa-Meldung meinen. Auf der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierten Online-Plattform libreka, so heißt es dort, sollen ab März 2009 100.000 Bücher zur Verfügung stehen, welche "direkt auf die gängigen E-Book-Lesegeräte 'Kindle' oder 'Reader' heruntergeladen werden können. Welcher "Reader" auch immer gemeint sein mag (der Adobe Reader? Sonys Reader Digital Book, das erst im März erhältlich sein soll?) - das "Kindle" ist jedenfalls dafür bekannt, dass darauf bislang nur solche E-Books angezeigt werden können, die der Kunde bei Amazon gekauft hat - ein Geschäftsmodell, das wegen seiner quasi-monopolistischen Struktur vielfach kritisiert worden ist (siehe auch). Sollte es den libreka-Machern etwa gelungen sein, das Amazon-Gerät zu hacken? Das wäre erstaunlich, setzt der Börsenverein sich sonst doch für ein "zivilisiertes Internet" ein, bekundet Sympathien für das französische Olivennes-Modell und verklagt gerade die Universität Würzburg, weil diese ihren Studierenden Lehrmaterial an Leseplätzen zugänglich gemacht hat. Oder strebt man mit Amazon, immerhin einem der größten Konkurrenten des einheimischen Buchhandels, über das Branchenportal Libreka zukünftig eine engere Kooperation an? "Natürlich werden wir weiter neue Geschäftsmodelle anbieten", schreibt Verleger und Libreka-Mitbegründer Matthias Ulmer in einem Leserkommentar im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels. Ullmer schränkt jedoch ein: "Neue Geschäftsmodelle hängen uns doch schon zum Hals raus, so viele haben wir skizziert, geprüft, gerechnet, umgesetzt und zum größten Teil wieder in die Schublade gepackt, weil es halt noch zu früh ist, weil die Nutzer noch nicht so weit sind." Möglicherweise handelt es sich bei der Meldung über die bevorstehende Marktführerschaft von Libreka im E-Book-Geschäft also auch nur um eine Ente. Das glaubt nicht nur mancher Blogger, sondern wohl auch mancher Vertriebsleiter (mehr hier).Ilja Braun lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln Von Ilja Braun