22.03.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Unser 25-jähriges Jubiläum liegt hinter uns, die Leipziger Buchmesse vor uns - aber Platz für gute Taschenbücher ist immer: Wolf Haas ist aktuell mit "Wackelkontakt" für den Leipziger Buchpreis nominiert, aber schon seine vor anderthalb Jahren erschienene Muttergeschichte "Eigentum" wurde von den KritikerInnen gefeiert: Wenn der Kultkrimi-Autor hier das Sterben seiner 95-jährigen Mutter begleitet, ihre Lebensgeschichte mit Zeitgeschichte verzahnt und dabei über Sprache und Poetik nachdenkt, hat die FAS selten eine literarisch virtuosere, bewegendere und zugleich humorvollere Mutterwürdigung gelesen. Auch die FR erliegt dem besonderen Tonfall "zwischen Dur und Moll" und der "fantasievollen Ausschmückung", mit der Haas Totengespräche führt und seine poetischen Scherze treibt.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Ein Erinnerungsbuch der besonderen Art schenkte uns im Jahr 2023 auch Uwe Timm, der in "Alle meine Geister" erzählt, wie er in den 1950er Jahren das Handwerk des Kürschners erlernte. Die taz lernt hier, wie das Pelzhandwerk auch Timms spätere literarische Arbeiten, die ebenso Präzision und kunstvolle Arrangements erfordern, prägte. Die FAZ entdeckt in diesem "fabelhaften" Buch den "Mikrokosmos der Nachkriegsgesellschaft" in der Kürschner-Werkstatt.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Wer im Jahr 2020 keinen Platz fand für Paul McCartneys massiven Coffeetable-Band "Lyrics", dem kann nun abgeholfen werden. In der handlichen und günstigen Ausgabe lässt sich nun in dieser 912-seitigen "Schatztruhe für Beatles-Fans" stöbern, wie die NZZ schreibt. Neben den Lyrics und zahlreichen Fotos sind hier nicht nur Essays des Dichters Paul Muldoon zu entdecken, sondern auch eine Überfülle an Anekdoten: Überwältigend unterhaltsam, meinte der Dlf.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Für die Biografie "Bittere Brunnen" über ihre Tante Hertha Gordon-Walcher erhielt Regina Scheer 2023 den Preis der Leipziger Buchmesse - völlig zurecht, fanden die KritikerInnen: Denn die Tante, überzeugte Sozialistin, Vertraute von Clara Zetkin und Rosa Luxemburg, verbat sich Aufzeichnungen der vielen persönlichen Gespräche, die sie mit Scheer führte. Erst dreißig Jahre später wertete die Autorin ihre Erinnerungen aus, wir haben es also mit einer sehr persönlichen, intensiven, dennoch detailreichen "Oral History" zu tun, lobt die SZ. Einen wahrhaften historischen Pageturner, der ganz auf "nostalgische Revolutionsromantik" verzichtet, empfiehlt die FAZ.
Persönliche Empfehlung von Arnim Eisenhut zu Tijan Silas Roman "Radio Sarajevo"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Großartig, dass Tijan Silas so schmaler wie wuchtiger Roman "Radio Sarajevo", den ich in unserer Kritikerumfrage zum Perlentaucher-Jubiläum als eines der fünf prägendsten Bücher der letzten 25 Jahre genannt habe, nun als Taschenbuch vorliegt: Sila, 1981 in Sarajevo geboren, führt uns mitten hinein in eine Kindheit während der Jugoslawienkriege. Wenn er vom Krieg aus der Perspektive jenes Kindes erzählt, das er einst war, fällt kein sentimentales Wort, im Gegenteil: Er schenkt dem Leser so wenig, wie ihm selbst geschenkt wurde. Drastisch und unmittelbar zeichnet er die Verrohung einer Gesellschaft nach, in der Krieg zum Alltag wird. Der Vater prügelt mehr denn je, das Kind verlernt das Weinen. Statt Schule stehen Plünderungen, Schlägereien und das Dealen mit Kippen und Pornos auf der Tagesordnung. Glück bedeutet neue Batterien fürs Transistorradio. Es überleben jene, die verhärten, und jene, die fliehen. Verbitterung im Herzen, den Geruch von Sprengstoff in der Nase, lebenslänglich. Die erschütternden Ereignisse, die Sila schildert, lassen den Leser ebenso wenig los, wie die lebensnahen Figuren, die er zeichnet. Zugleich weist der Roman weit über Silas Biografie hinaus: Unweigerlich liest man die Schicksale der Kinder in Israel, Gaza, in der Ukraine und in den vielen Kriegsgebieten auf der Welt mit.