Die besten Taschenbücher des Monats
Von
Alice Fischer
21.12.2024. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucherin Alice Fischer.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Nur noch drei Tage bis Weihnachten! Und wer jetzt noch nicht alle Geschenke zusammen hat, wird sicher bei unseren Taschenbüchern des Monats fündig, die auch unter einen kleinen Baum passen. Unbedingt zu empfehlen ist Terézia Moras Roman "Muna oder die Hälfte des Lebens", der die Geschichte von Muna erzählt, die wir von den letzten Jahren der DDR bis in die Nachwendezeit begleiten, während sie immer weiter in eine gewalttätige Abhängigkeitsbeziehung mit dem Fotografen Magnus rutscht. Als literarisches "Wunder", empfahl uns die Welt den Roman, während die SZ staunte, wie Mora in ihrer "genial präzisen Erzählkunst" toxische Männlichkeit und Machtgefälle schilderte, ohne dabei je plakativ zu erscheinen. Auch die Zeit erging sich in Superlativen: Einmal mehr beweise Mora, dass ihr kaum jemand in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur das Wasser reichen kann, schwärmte sie.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Um eine Beziehung ganz anderer Art geht es in der autobiografischen Erzählung "Der heutige Tag" von Helga Schubert, in der sie den Alltag mit ihrem an Demenz erkrankten Mann schildert. Die SZ kann nur staunen über die Zuversicht und das Glücksgefühl, das trotz des harten Pflegealltags aus den Zeilen spricht, während die FAZ die schonungs- und furchtlose Offenheit beeindruckt, mit der Schubert eine Sphäre schildert, die der Literatur sonst oft verborgen bleibt.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Bereits 2022 erschien "Lektionen", der jüngste Roman von Ian McEwan, der nun im Taschenbuch vorliegt und die KritikerInnen nach einigen Enttäuschungen des Briten wieder überzeugen konnte: Einem echten "Jedermann" folgt die taz hier auf einer literarischen Lebensreise - sie empfahl das Buch als einen großen realistischen Roman über scheiternde und triumphierende Künstler, der mit "tolstoihaft zahlreichen Nebenfiguren" auftrumpft. Erinnerungen an Nabokov und Thomas Mann wurden bei der taz außerdem wach, während uns die SZ den Roman als mehrschichtiges Generationenporträt ans Herz legte.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Das Thomas-Mann-Jahr läuten wir ein mit Hanjo Kestings Band "Glanz und Qual": Der Mann-Kenner Kesting widmet sich in zwölf Essays sechs Werken des Literaturnobelpreisträgers und bindet dabei sechs biografische Skizzen ein. Die KritikerInnen applaudieren: Der SZ macht dieses Buch der "hochinformativen Liebe" nicht nur sofort Lust, Mann wieder zu lesen, sie verdankt Kesting auch einen frischen Blick auf weniger bekannte Erzählungen Manns.
Persönliche Empfehlung von Alice Fischer: Deniz Utlus "Vaters Meer"
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die Geschichte eines beginnenden und die eines endenden Lebens erzählt Deniz Utlu in seinem Roman "Vaters Meer" in weiten erzählerischen Bögen - märchenhaft, schmerzvoll und schön. Wir begleiten Yunus, der zurückblickt auf seine Jugend in Deutschland als Kind einer türkischen Gastarbeiterfamilie. Mit Witz und Poesie erzählt Utlu von nächtlichen Marx-Lektüren, heimlichen Joints, von den jugendlichen Kämpfen mit den Eltern und der Liebe zur Musik. Vor allem aber will sich Yunus an seinen Vater erinnern, der seit seinem zweiten Schlaganfall vollständig gelähmt ist und nur noch mit den Augen kommunizieren kann. In Yunus' Erinnerungen lernen wir Vater Zeki als warmherzigen, aber auch jähzornigen Mann kennen: Einen Mann, dessen Geschichte an der türkisch-syrischen Grenze in Mardin beginnt. Utlu entfaltet vor uns ein literarisches Panorama des Träumens und Erinnerns, das manchmal zart und oft von sprachlicher Wucht ist, das den Mond über der Mittelmeerküste vor uns aufsteigen und noch im größten Schmerz Trost und Hoffnung finden lässt.
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