Taschenbücherbrief

Taschenbücherbrief Januar 2025

Die besten Taschenbücher des Monats Von Arnim Eisenhut
25.01.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Wir filtern die neu erscheinenden Taschenbücher nach Rezensionen der Originalausgaben. In unserer Taschenbücherliste befinden sich also nur Qualitätstitel. Und das beste: Einmal im Monat kommt die Liste jetzt als "Taschenbücherbrief"! Mit einer persönlichen Empfehlung von Perlentaucher Arnim Eisenhut.
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Die Januar-Taschenbücher können sich sehen lassen: Etwa mit Angelika Klüssendorfs Roman "Risse", der 2023 für den Deutschen Buchpreis nominiert war und so kraftvoll wie verstörend von der Armut und traumatischen Kindheit eines Mädchens in der DDR erzählt. Eine "große Selbstermächtigungs-Erzählung" legte uns die FAZ ans Herz und die SZ jubelte: Eines der besten Werk deutscher Literatur der letzten Zeit.

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Fast ein wenig unter ging der lesenswerte Roman "Der Fischer und der Sohn" des türkischen Schriftstellers Zülfü Livaneli. Wir begleiten den Fischer Mustafa, der im Meer nicht nur auf der Flucht ertrunkene Flüchtlinge findet, sondern auch ein Baby, das er mit seiner Frau heimlich aufziehen möchte - bis die afghanische Mutter des Kindes auftaucht. Bald wird Mustafa inhaftiert, im Gefängnis lernt er einen Schlepper kennen, der ihm Einblicke in seine Geschäftspolitik gibt. Eine große Geschichte über Menschlichkeit, die auch Themen wie Abschiebung und Umweltzerstörung nicht ausspart, empfahl die SZ. Und der Dlf attestierte dem Roman Aktualität und Schnörkellosigkeit und seinem Autor "große Meisterschaft".

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Einen Perspektivwechsel der besonderen Art bescherte uns Mathias Enard in seinem Debütroman "Der perfekte Schuss", der im Frühjahr 2023 auf Deutsch erschien: In einem nicht näher benannten Kriegsgebiet folgen wir einem Scharfschützen, der mitleidlos und lustvoll alles erschießt, was ihm vors Visier gerät. Die Beziehung zu der jungen Myrna, die seine an Demenz erkrankte Mutter pflegt, kontrastiert das Geschehen.

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Die FAZ begeisterte der Roman mit der Knappheit der Formulierungen, so präzise wie die Schüsse und genauso unversöhnlich und hart, ein "erschütterndes Dokument der Entmenschlichung" las der Dlf.  Unter den Sachbüchern ist vor allem Martin Schulze Wessels "Der Fluch des Imperiums" zu empfehlen, das leider auch im Jahr 2025 nichts an Aktualität eingebüßt hat: Während Putins Geschichtsverfälschung immer neue Blüten treibt, verfasst der Osteuropa-Historiker eine Gegendarstellung, in der er auf das historische Verhältnis Russlands zu Polen und der Ukraine blickt. Als Auftakt einer ersehnten "Zeitenwende" in der deutschen Historiografie preist die SZ das Buch, das klug und neu auf die russische Geschichte als von Obsessionen geprägte Imperialgeschichte schaut. Die FAZ bewundert, wie Schulze Wessel in dieser "Diplomatie-, Ideen- und Kulturgeschichte" zeigt, wie die historischen Verhältnisse bis heute nachwirken, auch in der gescheiterten Russlandpolitik Deutschlands.



Persönliche Empfehlung von Arnim Eisenhut: Edouard Louis' "Anleitung ein anderer zu werden"

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Es gibt Lektüren, die packen einen geradezu physisch: Edouard Louis' "Anleitung ein anderer zu werden" ist eine solche, weil sich die Scham, die Louis in der französischen Elite erlebt, beim Lesen überträgt. Aber auch, weil man sich mitunter für Louis schämt, nicht nur wenn er etwa offenbart, wie er sich für neue Zähne prostituierte. Gleichwohl wird das Buch nicht nur zum Dokument eines verzweifelten körperlichen und intellektuellen Kraftakts, eines unbedingten Willens zur Anpassung um jeden Preis, sondern auch zur bewegenden und reflektierten Selbstanklage sowie zum Verzeichnis vieler Verluste. Radikaler noch als in seinem Debütroman "Das Ende von Eddy" legt Louis in diesem sehr französischen Gesellschaftsroman die Strukturen verschiedener Milieus offen, die er brutal, aber nie zynisch aufeinandertreffen lässt. Warum lohnt sich die Lektüre jenseits des voyeuristischen Interesses an Louis' Selbstentblößung? Weil Louis einmal mehr beweist, dass er schreiben kann, schonungslos und nüchtern, mit soziologischer Klarsicht und literarischem Gespür. Weil der Roman weit mehr ist als die Aktualisierung eines Balzac oder die Literarisierung eines Bourdieu. Und weil dieses Buch auch über die bekannte Geschichte des schwulen Arbeiterkindes, das in die Pariser Elite aufsteigt, hinausweist: Es wird zum psychologisch radikalen, schmerzhaften Zeugnis einer bis an die Grenzen der Perversion getriebenen Selbstauslöschung.


Die Liste der Taschenbücher des Monats Januar finden sie bei unserem Buchladen eichendorff21.