
Die Kritik an der
tschechischen Regierung und den Eingriffen des Kulturministeriums reißt nicht ab. Inzwischen hat auch das Ensemble des Prager Nationaltheaters wegen des Versuchs, die öffentlich-rechtlichen Medien zu schwächen, seine
Streikbereitschaft erklärt. Kulturminister Oto Klempíř hat es in den vergangenen Wochen geschafft, sich Theaterleute, Filmemacher, Schriftsteller, Musiker, Festivalkuratoren und Tänzer zum Feind zu machen, wie Lucie Stuchlíková und Václav Dolejší
berichten. Sein Ministerium soll soeben neue Förderrichtlinien erarbeitet haben, die nach Ansicht der Kulturszene die Unabhängigkeit und die
künstlerische Freiheit gefährden. "Den neuen Vorgaben zufolge sollen Veranstaltungen, die einen Bezug zur Politik oder politischen Aktivismus aufweisen, künftig keine Fördermittel mehr erhalten." Das Gleiche gilt für die Förderung von Literaturzeitschriften, die nach den neuen Kriterien keine politischen Kommentare mehr abgeben dürften. In einer
öffentlichen Erklärung sprechen darum die Zeitschriftenredakteure von "
Zensurmaßnahmen, die aus autoritären Regimes bekannt sind." Kürzlich gab der Kulturminister ferner bekannt, dass er nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Karlovy Vary und dem Musikfestival Prager Frühling "neu bewerten" werde, sondern dass der Staat auch erstmals seit Jahren keine Gelder für die Gedenkveranstaltungen zum 17. November [Jahrestag der Samtenen Revolution] bereitstellen werde. Als Reaktion darauf haben nun Privatpersonen und Kommunen mehr als
neun Millionen Kronen für die Initiative "Díky, že můžem" gespendet, die für die Werte von Freiheit und Demokratie eintritt. Stuchlíková und Dolejší fragen sich in ihrem Podcast, warum Klempíř, der selbst aus dem Kulturmilieu stammt, solche Maßnahmen ergreift, die im Widerspruch zu allem stehen, was er vor den Wahlen versprochen hat. Die beide Journalisten vermuten zum einen Druck aus der Regierung, zum anderen eine persönliche Verbitterung Klempířs: "Erstens fühlt er sich von der Opposition zurückgewiesen. (…) Zweitens war der ehemalige Musiker wohl mit der Vorstellung in die Politik gegangen,
in der Szene beliebt zu sein. Stattdessen haben ihn seine Bandkollegen von J.A.R. [wegen seines Engagements für die Motoristenpartei] aus der Band geworfen." Das Fass zum Überlaufen gebracht habe dann wohl die Frankfurter Buchmesse, wo die
Schriftststellerin Radka Denemarková sich kritisch über ihn äußerte und er im Publikum ausgebuht wurde.