
Anna Hrdinová
unterhält sich mit dem russischen, im Londoner Exil lebenden
Schriftsteller Boris Akunin über die Situation für Künstler im Putin-Russland. Der Kreml, so Akunin, habe sich stets mehr für populäre Sänger oder Schauspieler interessiert als für Schriftsteller. "Zum Glück für uns Schriftsteller denken diese Leute, dass
Literatur nicht wirklich wichtig sei." Entsprechend sei die Buchbranche noch lange eine
realitiv freie Zone geblieben, als die meisten anderen Kulturbereiche schon geschlossen wurden. "Ich erinnere mich, dass in den Jahren 2022-2023 meine Theaterstücke eins nach dem anderen zensiert wurden, und zwar auf eine bizarre Weise - indem man einfach den
Autornamen von den Plakaten entfernte. Meine Bücher konnte man allerdings weiterhin überall kaufen." Der Bruch sei dann im Dezember 2023 gekommen, als seine Bücher verboten wurden und zunehmend auch die Bücher anderer Autoren. Nun gelte er als das
verkörperte Böse, als "ausländischer Agent" und "Terrorist", und sei in Abwesenheit zu
15 Jahren strengster Haft verurteilt worden. Akunin ist überzeugt, dass man mit der Unterstützung der freien russischen Kultur dem Regime schaden könne. Sein Hoffnungsschimmer sei, "dass die meisten talentierten und kulturell bedeutsamen Künstler - Theater- und Filmregisseure, Musiker, Schriftsteller, Journalisten, Youtuber usw. - sich gegen das Regime aussprechen. Auch wenn die meisten von uns sich jetzt außerhalb von Russland befinden, haben wir unser Publikum auch innerhalb des Landes, manche sogar ein riesengroßes Publikum." Über die von Akunin mitgegründete Plattform
Babook seien
Bücher des freien Russland zu haben - über zwanzig unabhängige Verlage seien daran beteiligt, und ihre Anzahl steige. "Jeden Tag kommen neue Manuskripte an, auch aus Russland (meist unter Pseudonym). Wenn ein Russe sich in einer schwierigen Situation befindet, schreibt er ein Buch."