Magazinrundschau - Archiv

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11 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 03.11.2026 - Seznam Zpravy

Die Kritik an der tschechischen Regierung und den Eingriffen des Kulturministeriums reißt nicht ab. Inzwischen hat auch das Ensemble des Prager Nationaltheaters wegen des Versuchs, die öffentlich-rechtlichen Medien zu schwächen, seine Streikbereitschaft erklärt. Kulturminister Oto Klempíř hat es in den vergangenen Wochen geschafft, sich Theaterleute, Filmemacher, Schriftsteller, Musiker, Festivalkuratoren und Tänzer zum Feind zu machen, wie Lucie Stuchlíková und Václav Dolejší berichten. Sein Ministerium soll soeben neue Förderrichtlinien erarbeitet haben, die nach Ansicht der Kulturszene die Unabhängigkeit und die künstlerische Freiheit gefährden. "Den neuen Vorgaben zufolge sollen Veranstaltungen, die einen Bezug zur Politik oder politischen Aktivismus aufweisen, künftig keine Fördermittel mehr erhalten." Das Gleiche gilt für die Förderung von Literaturzeitschriften, die nach den neuen Kriterien keine politischen Kommentare mehr abgeben dürften. In einer öffentlichen Erklärung sprechen darum die Zeitschriftenredakteure von "Zensurmaßnahmen, die aus autoritären Regimes bekannt sind." Kürzlich gab der Kulturminister ferner bekannt, dass er nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Karlovy Vary und dem Musikfestival Prager Frühling "neu bewerten" werde, sondern dass der Staat auch erstmals seit Jahren keine Gelder für die Gedenkveranstaltungen zum 17. November [Jahrestag der Samtenen Revolution] bereitstellen werde. Als Reaktion darauf haben nun Privatpersonen und Kommunen mehr als neun Millionen Kronen für die Initiative "Díky, že můžem" gespendet, die für die Werte von Freiheit und Demokratie eintritt. Stuchlíková und Dolejší fragen sich in ihrem Podcast, warum Klempíř, der selbst aus dem Kulturmilieu stammt, solche Maßnahmen ergreift, die im Widerspruch zu allem stehen, was er vor den Wahlen versprochen hat. Die beide Journalisten vermuten zum einen Druck aus der Regierung, zum anderen eine persönliche Verbitterung Klempířs: "Erstens fühlt er sich von der Opposition zurückgewiesen. (…) Zweitens war der ehemalige Musiker wohl mit der Vorstellung in die Politik gegangen, in der Szene beliebt zu sein. Stattdessen haben ihn seine Bandkollegen von J.A.R. [wegen seines Engagements für die Motoristenpartei] aus der Band geworfen." Das Fass zum Überlaufen gebracht habe dann wohl die Frankfurter Buchmesse, wo die Schriftststellerin Radka Denemarková sich kritisch über ihn äußerte und er im Publikum ausgebuht wurde.

Magazinrundschau vom 13.10.2026 - Seznam Zpravy

Nachdem auf der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse der tschechische Kulturminister Oto Klempíř (selbst parteilos, aber von der Motoristenpartei ins Amt gehieft) von Tschechen im Saal lautstark beschimpft und anschließend in der Rede von Radka Denemarková scharf kritisiert wurde (mehr dazu hier), ist auch die Schriftstellerin Kateřina Tučková ihrer Kollegin beigesprungen: "Den Kulturminister vor internationalem Publikum über Exilautoren sprechen zu hören, die [in Deutschland] Zuflucht vor der Verfolgung durch das totalitäres Regime gefunden hatten, an dessen Funktionieren er selbst mitgewirkt hatte, war absolut widerlich. Dazu konnte man nicht schweigen", zitiert Novinky die Autorin. Oto Klempíř hatte sich 2019 dazu bekannt, in den Jahren 1984 bis 1985 "unter Zwang" für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet zu haben. Inzwischen hat er sich in Tschechien gegen die Angriffe von Denemarková verwahrt: "Mich würde interessieren, wie viele Bücher von Frau Denemarková von den Bolschewisten verboten wurden, wie oft sie in Untersuchungshaft saß und wie oft sie so sehr zermürbt wurde, dass sie sich selbst verleugnen und verbiegen und wie einen Putzlumpen herumschleifen lassen musste, wie es mir geschehen ist. Ich glaube, so etwas hat sie nie erlebt." Klempíř machte außerdem darauf aufmerksam, dass sich Autoren und Verleger der beträchtlichen Summen bewusst sein sollten, mit denen sie gefördert würden, erinnert das Magazin Seznam Zprávy. Radka Denemarková entgegnete darauf wiederum (in einem Gespräch mit Marie Bastlová): "Er versteht überhaupt nicht, dass die finanzielle Unterstützung von Kultur und Literatur durch das Kulturministerium nicht zugleich bedeutet, uns einen Maulkorb zu verpassen (…) Darum geht es doch nicht. Kultur, Literatur sind unabhängig und frei." Nicht sie und andere Schriftsteller hingen von ihm ab, sondern er von ihnen.

Magazinrundschau vom 15.09.2026 - Seznam Zpravy

In der Absicht, das kulturelle Gedächtnis der Ukraine auszulöschen, greift Russland auch zunehmend ukrainische Bibliotheken, Druckereien und Buchlager an. Allein in den letzten zwei Monaten wurden nach Angaben des ukrainischen Kulturministeriums zehn Millionen Bücher zerstört (mehr dazu hier). Nun wurden in der Nacht zum 28. August in einem Vorort von Kiew auch zwei Buchlager der Firma Nova Post von Drohnen und Lenkflugkörpern getroffen, wobei aktuelle Bücher, auch ausländischer Autoren, zerstört wurden. Jonáš Zbořil unterhält sich mit der ukrainischen Literaturagentin und früheren Auslandskoordinatorin des Ukrainischen Buchinstituts Anhelina Trofymchuk, die überzeugt ist, dass die jüngsten russischen Angriffe nicht nur ihr Land, sondern auch andere Kulturen treffen. Es sei ein genereller Angriff auf das Recht zu lesen. Laut Trofymchuk sei etwa der Roman des queeren tschechischen Autors Marek Torčík in der Ukraine auf ein großes Echo gestoßen. Nun sei Torčíks ukrainischer Verlag, wie viele andere, durch den Angriff schwer geschädigt. "Es mag verrückt klingen, aber ich habe die Lagerarbeiter gefragt, ob sie vielleicht noch ein oder zwei verkohlte Bücher finden könnten. Wir wollten sie als Andenken aufbewahren. Aber es war rein gar nichts mehr übrig", erzählt Trofymchuk. "Der ukrainische Buchmarkt wird nicht verschwinden, aber er wird sich definitiv verändern", meint sie. Es werde notwendig sein, die Auslieferung der Titel auf verschiedene Lager zu verteilen und die Auflagen zu reduzieren, aber auch nach Investoren zu suchen. "Auf ukrainische Autoren, Verleger und Buchhändler kommt eine sehr schwere Zeit zu. Aber die Ukrainer sind anpassungsfähig", glaubt Anhelina Trofymtschuk, die während des WhatsApp-Gesprächs mit Jonáš Zbořil zwischendurch stundenlang nicht antwortet, da sie einen Schutzraum aufsuchen muss: Die russischen Streitkräfte greifen auch Odessa an, wohin sie am Wochenende zum dortigen Literaturfestival gereist ist."
Stichwörter: Ukraine, Ukrainekrieg

Magazinrundschau vom 28.04.2026 - Seznam Zpravy

Ausstellungsplakat: William Kentridge, The Battle Between YES and NO, Kunsthalle Prag


Für die Prager Kunsthalle hat der südafrikanische Künstler William Kentridge zusammen mit der Kuratorin Christelle Havranek die Ausstellung "The Battle Between Yes and No" konzipiert, die noch bis 7. September zu sehen ist. Sie präsentiert sich als multidisziplinäre, pulsierende Collage und virtueller Rundgang durch sein Atelier, wie Hanna Slívová berichtet. Flucht und Migration schwingen als Themen der Ausstellung mit. William Kentridges Großvater, ein litauischer Anwalt und Politiker jüdischer Herkunft, floh damals mit seiner Frau vor dem zaristischen Terror nach Südafrika, seine Eltern wiederum kämpften als Anwälte gegen die Apartheid, und sein Vater verteidigte in den 1950er-/60er-Jahren auch Nelson Mandela. "Viele Juden engagierten sich im Kampf gegen die Apartheid, weil sie mit Unterdrückung nur zu sehr vertraut waren", erklärt Kentridge im Interview. Für die tschechische Ausstellung hat der Künstler sich zudem von Milan Kundera, Jan Švankmajer, Jiří Trnka, dem "guten Soldaten Schwejk" und Franz Kafka inspirieren lassen. "Ich denke, wenn man Kafka und Schwejk kombiniert, hat man eine gute Grundlage, um die Welt zu verstehen", so Kentridge. Slívová ist besonders von seinen Kohlezeichnungen angetan: "Kentridges Fähigkeit, so viele geistige Quellen und künstlerische Ansätze zu deren Umsetzung unter einen Hut zu bringen, ohne dabei an Relevanz zu verlieren, ist beeindruckend. Aber vielleicht noch fesselnder ist es, das Schwirren seiner ursprünglichen Einfälle in der verwischten Gestalt der Kohle zu beobachten."

Magazinrundschau vom 14.04.2026 - Seznam Zpravy

Anna Hrdinová unterhält sich mit dem russischen, im Londoner Exil lebenden Schriftsteller Boris Akunin über die Situation für Künstler im Putin-Russland. Der Kreml, so Akunin, habe sich stets mehr für populäre Sänger oder Schauspieler interessiert als für Schriftsteller. "Zum Glück für uns Schriftsteller denken diese Leute, dass Literatur nicht wirklich wichtig sei." Entsprechend sei die Buchbranche noch lange eine realitiv freie Zone geblieben, als die meisten anderen Kulturbereiche schon geschlossen wurden. "Ich erinnere mich, dass in den Jahren 2022-2023 meine Theaterstücke eins nach dem anderen zensiert wurden, und zwar auf eine bizarre Weise - indem man einfach den Autornamen von den Plakaten entfernte. Meine Bücher konnte man allerdings weiterhin überall kaufen." Der Bruch sei dann im Dezember 2023 gekommen, als seine Bücher verboten wurden und zunehmend auch die Bücher anderer Autoren. Nun gelte er als das verkörperte Böse, als "ausländischer Agent" und "Terrorist", und sei in Abwesenheit zu 15 Jahren strengster Haft verurteilt worden. Akunin ist überzeugt, dass man mit der Unterstützung der freien russischen Kultur dem Regime schaden könne. Sein Hoffnungsschimmer sei, "dass die meisten talentierten und kulturell bedeutsamen Künstler - Theater- und Filmregisseure, Musiker, Schriftsteller, Journalisten, Youtuber usw. - sich gegen das Regime aussprechen. Auch wenn die meisten von uns sich jetzt außerhalb von Russland befinden, haben wir unser Publikum auch innerhalb des Landes, manche sogar ein riesengroßes Publikum." Über die von Akunin mitgegründete Plattform Babook seien Bücher des freien Russland zu haben - über zwanzig unabhängige Verlage seien daran beteiligt, und ihre Anzahl steige. "Jeden Tag kommen neue Manuskripte an, auch aus Russland (meist unter Pseudonym). Wenn ein Russe sich in einer schwierigen Situation befindet, schreibt er ein Buch."

Magazinrundschau vom 17.03.2026 - Seznam Zpravy

Der tschechische Kulturminister der aktuellen Populisten-Regierung, Oto Klempíř von der Motoristen-Partei, erfährt zunehmend Kritik. Nachdem vor drei Wochen einige tschechische Schriftsteller wegen angekündigter Budgetkürzungen im Bereich Literatur schon zu einem Boykott der Frankfurter Buchmesse aufgerufen hatten - wo Tschechien in diesem Herbst Gastland sein wird -, haben nun auch an die zweitausend Studenten der Kunst-, Theater- und Filmhochschulen zusammen mit anderen Bürgern gegen starke Kürzungen im Bereich Kultur protestiert. 'Lasst uns statt Verbrennungsmotoren lieber die Kultur in unserem Land unterstützen', fordern etwa die Studenten. Und die Theaterkritikerin Marie Reslová berichtet, so große finanzielle Einschnitte im Kulturbereich habe es seit der Samtenen Revolution nicht gegeben. Der Minister wolle lediglich die einträglicheren Spitzeninstitutionen fördern. "So schaden die Streichungen auf fatale Weise den Fragilsten: den kleineren, unabhängigen künstlerischen Projekten, Ensembles und Kulturzeitschriften. Die tschechische Kultur verliert damit das Wertvollste: den lebendigen Nährboden, aus dem sich die kulturelle Vielfalt und die vom Minister beschworene Spitzenqualität erst entwickelt", so Marie Reslová.

Magazinrundschau vom 15.09.2025 - Seznam Zpravy

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Die tschechischen Feuilletonisten mokieren sich über den neuen, diesmal in Prag spielenden Bestseller-Roman von Dan Brown, der gleichwohl nicht nur dem tschechischen Buchhandel, sondern auch dem Prag-Tourismus einen neuen Schub verleihen wird. Tatsächlich plant Prague City Tourism bereits Touren auf den Spuren von Browns "The Secret of Secrets". Während sich Libor Akrman in den Lidové Noviny schon Sorgen macht um drohenden Overtourismus, meint Pavel Mandys in iliteratura.cz: "Eigentlich hatten wir ja gehofft, Prag würde Brown zu einer etwas besseren Leistung inspirieren." Und Daniel Konrád analysiert in Seznam Zprávy, Brown knüpfe an die B-Linie der Pragliteratur an, also an jene romantischen Mythen, die seit dem 19. Jahrhundert angelsächsische Autoren wie Francis Marion Crawford in Romanen wie "The Witch of Prague" über die tschechische Metropole verbreiteten. Brown schreibt ohne zu erröten, jahrhundertelang sei "diese magische Stadt von Mystizismus, Gespenstern und Geistern durchdrungen. Selbst heute sagten Reiseführer ihr eine übernatürliche Aura nach, die jeder spüren könne, der dafür offen sei." Und so schaudert sein Protagonist Robert Langdon auf dem Weg zum Hügel Petřín beim Gedanken an die "Geschichte des Petřín-Waldes, in dem einst Jungfrauen geopfert wurden" und grübelt darüber nach, dass "bis heute regelmäßig mysteriöse Feuer auf dem Petřín erscheinen", mutmaßlich das Werk "Hunderter geopferter Frauen", deren verirrte Seelen noch immer in den hiesigen Obstgärten spukten. Konráds Fazit: "Das neue Buch des Autors von 'The Da Vinci Code' wird die Verkaufscharts stürmen und seine Fans begeistern. Alle anderen werden Mühe haben, beim Lesen nicht laut loszulachen."
Stichwörter: Prag, Brown, Dan

Magazinrundschau vom 09.09.2025 - Seznam Zpravy

Die Kunsthalle Prag bringt das Künstlerpaar Anna-Eva Bergman und Hans Hartung erstmals in einer Doppelausstellung zusammen. Obwohl der gebürtige Deutsche Hartung, der als Vertreter der gestischen Malerei gilt, und die norwegische Malerin Bergmann jeweils ihren eigenen einzigartigen Stil bewahrten, stellen die Kuratoren interessante Überschneidungen in ihrem Schaffen heraus, wie Helena Kardová berichtet. Deutlich werde auch die Hingabe, mit der beide sich der Kunst auch allgemein widmeten: "In Erinnerung an seine Besuche europäischer Museen skizzierte er Werke von Francisco Goya und Oskar Kokoschka. Sie wiederum studierte berühmte Kompositionen oder den Goldenen Schnitt anhand detaillierter geometrischer Diagramme." Kardová sieht zwar auch die Gefahr, das man hier eine Liebe idealisiert, die nicht immer romantisch war (Scheidung, Fremdenlegion, Kriegsverwundung etc.), es sei jedoch ein Verdienst der Ausstellung, dass sie die verborgene Kommunikation zwischen den Künstlern herausarbeite. "Bemerkenswert ist zum Beispiel Hartungs Mondfotografie aus dem Jahr 1916. Er nahm das Bild mithilfe eines selbstgebauten Teleskops auf, und mehr als ein halbes Jahrhundert später schuf Anna-Eva Bergman ihre Komposition mit Goldfolie und roter, blauer und schwarzer Farbe." Erfrischend sei in jedem Fall, dass es hier nicht um das klassische Stereotyp "Meister und Schülerin/Muse" gehe, sondern um zwei Künstler auf Augenhöhe in einer gleichberechtigten Ausstellung. Die ist in Prag noch bis zum 13. Oktober zu sehen.

Magazinrundschau vom 01.07.2025 - Seznam Zpravy

Der im Berliner Exil lebende chinesische Dissident, Schriftsteller und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Liao Yiwu erzählt im Gespräch mit Petr Vizina, was für eine Bedeutung der tschechische Schriftsteller und spätere Präsident Václav Havel in den 90er-Jahren für ihn besaß: "Nach meiner Entlassung aus dem Gefängnis fiel mir eine Übersetzung seines Essays 'Versuch, in der Wahrheit zu leben' in die Hände, die damals in Hongkong erschien. Havels Text hat mir, ohne Übertreibung, das Leben gerettet. Er hat mir einen Weg gezeigt, mit der Verfolgung umzugehen. In gewisser Weise betrachte ich Havel als meinen Retter. Die chinesische Übersetzung des Essays hat mir dann mein Freund, der spätere Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo geklaut, was ich nicht als Vorwurf meine. Der Text war für uns so wichtig, dass man sogar unter besten Freunden darum rangelte. Wir wollten ihn im Haus haben, er half uns zu überleben. (…) Die Charta 77 hat uns auch inspiriert, die Charta 08 zu verfassen. Kurz, Havel ist unter den zeitgenössischen westlichen Denkern bis heute derjenige, der in China den größten Einfluss hat. Jemand wie Havel mit seiner moralischen Haltung und seinem geistigen Weitblick ist unter den heutigen Staatsmännern selten."

Magazinrundschau vom 24.06.2025 - Seznam Zpravy

In den vergangenen Jahren hat sich die tschechische Literatur verstärkt der tschechisch-deutschen Geschichte gestellt, besonders Schriftstellerinnen sind es, die die Vertreibung der Deutschen und damit verbundene Traumata schilderten und schildern - oft mit einem großen Publikumsecho in Tschechien. Nun ist die Anthologie "Sudety: Ztracený ráj" (Sudeten: Das verlorene Paradies) erschienen, die in zehn Erzählungen von Autoren wie Kateřina Tučková und Jaroslav Rudiš und Illustrationen von Jaromír 99 Geschichten jenseits von Eskalation und Gewalt suchen, also vom früheren, ganz normalen Zusammenleben zwischen Tschechen und Deutschen in der Grenzregion erzählen. "In diesen Geschichten wird Tschechen und Deutschen gleichermaßen viel Raum und erzählerische Empathie gewidmet", stellt Jonáš Zbořil in seiner Rezension fest. Meist in der Zwischenkriegszeit angesiedelt, handeln sie "von erster Liebe, dem komplizierten Aufbau der Ersten Tschechoslowakischen Republik, auch von einem Mord, zu dem es aus Angst vor Entwurzelung kommt. Die Schuld wird von einer Figur auf die andere abgewälzt, unabhängig von ihrer Herkunft. Aber das Gleiche gilt für die Liebe. Hier kennen Tschechen und Deutsche sich gut, verlieben sich oder entfremden sich voneinander. Manchmal geht dies mit Wut, manchmal mit Frustration einher, etwa wenn sich Freunde plötzlich auf der anderen Seite einer Kriegsfront oder politischer Werte wiederfinden."
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