Magazinrundschau - Archiv

Profil

22 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 3

Magazinrundschau vom 02.04.2002 - Profil

Dem österlichen Profil-Heft ist nichts heilig. Ein Buch des Profil-Cartoonisten Gerhard Haderer, "Das Leben des Jesus", das unter anderem einen kiffenden Jesus-Hippie zeigt, erregt Österreichs Gemüter, insbesondere die der katholischen Kirche. Die Titelgeschichte "Was heilig ist" liefert deshalb aus gegebenen Anlass "eine Kulturgeschichte der Blasphemie". Alain Cabantous "Geschichte der Blasphemie" wird bemüht, in der darauf hingewiesen wird, das Jesus just wegen Gotteslästerung ans Kreuz genagelt worden war. Für den Maler und Bildhauer Alfred Hrdlicka heizt Blasphemie ja "die Diskussion über die Religion erst an. Die braven Kirchenbilder tun das nicht." Profil befragt dazu Experten: Der Talkmaster und "blasphemische Prediger" Hermes Phettberg, der sich im Grunde als Kirchenvater sieht, äußert sich über die Nichtexistenz Gottes und den Akt des Gegenstinkens: "Ich bin kein Spötter, sondern ich erdenke die Kirche neu und baue an ihr weiter. Und werde dabei immer inniger." Der ÖVP-Politiker Peter Marboe verteidigt den Wiener Kardinal Schönborn, der gegen Haderers Buch von der Kanzel zu Felde zog, und der Karikaturist Manfred Deix amüsiert sich über die "Harmlosigkeiten", über die man sich in Österreich so schön erregen kann. Mehr Bilder hier. Felix Austria!

Magazinrundschau vom 11.03.2002 - Profil

In einem Profil-Interview äußert sich die Theaterfrau Edith Clever über Karriere, NS-Zeit, US-Präsident Bush und ihre Arbeit am Wiener Akademietheater. Unter anderem beklagt sie die "Enge unserer Meinungsfreiheit" in Diskussionen um die NS-Zeit. "Als Botho Strauß oder Martin Walser in der Frage des Umgangs der Deutschen mit der NS-Vergangenheit eine eigene Meinung vertraten, wurden ihre Beiträge denunziert und sie selbst ins rechte Eck gedrängt, wo sie sich geistig gar nicht aufhalten. Wie viel offene Kritik darf man äußern? Die aktuelle Diskussion über die USA zeigt ähnliche Muster. Susan Sontag etwa wurde für ihre erste, USA-kritische Reaktion auf den 11. September hart angegriffen." Ihr spreche auch Jean Baudrillard aus der Seele, wenn er aufzeige, "wie die humanen Interessen längst dazu verwendet werden, wirtschaftliche und Macht-Interessen zu kaschieren."

Ein paar Seiten weiter analysiert der von der Clever so geschätzte Baudrillard in einem Interview die Anschläge von New York vor einem halben Jahr: "Als wären die Türme müde", meint er und betont wiederholt die symbolische Bedeutung des Terrors. Bei der symbolischen Gewalt gehe es nicht mehr um rechts oder links; sie sei vielmehr der Aufstand "einer gewissen Singularität", eines " unsinnigen Widerstands, der keine rationale Perspektive" habe. Terrorakte hätten keinen Sinn. "Aber auch das System in seinem Verlauf ist sinnlos, es geht technisch unwiderstehlich seinen Weg, ohne Perspektive."