In einem
Profil-Interview
äußert sich die Theaterfrau
Edith Clever über Karriere, NS-Zeit, US-Präsident Bush und ihre Arbeit am Wiener Akademietheater. Unter anderem beklagt sie die
"Enge unserer Meinungsfreiheit" in Diskussionen um die NS-Zeit. "Als
Botho Strauß oder
Martin Walser in der Frage des Umgangs der Deutschen mit der NS-Vergangenheit eine eigene Meinung vertraten, wurden ihre Beiträge denunziert und sie selbst ins
rechte Eck gedrängt, wo sie sich geistig gar nicht aufhalten. Wie viel offene Kritik darf man äußern? Die aktuelle Diskussion über die USA zeigt ähnliche Muster.
Susan Sontag etwa wurde für ihre erste, USA-kritische Reaktion auf den 11. September hart angegriffen." Ihr spreche auch
Jean Baudrillard aus der Seele, wenn er aufzeige, "wie die humanen Interessen längst dazu verwendet werden, wirtschaftliche und Macht-Interessen zu kaschieren."
Ein paar Seiten weiter
analysiert der von der Clever so geschätzte
Baudrillard in einem Interview die
Anschläge von New York vor einem halben Jahr: "Als wären die Türme müde", meint er und betont wiederholt die
symbolische Bedeutung des Terrors. Bei der symbolischen Gewalt gehe es nicht mehr um rechts oder links; sie sei vielmehr der Aufstand "einer gewissen Singularität", eines "
unsinnigen Widerstands, der keine rationale Perspektive" habe. Terrorakte hätten keinen Sinn. "Aber
auch das System in seinem Verlauf ist sinnlos, es geht technisch unwiderstehlich seinen Weg, ohne Perspektive."