
Ritchie Robertson empfiehlt zwei Bücher, die sich mit
deutscher Geschichte beschäftigen und sich sehr gut ergänzen:
Victor Sebestyen liefert mit
"Weimar Germany: Death of a Democracy" eine "temporeiche, äußerst lesenswerte Erzählung" vom
Untergang der Weimarer Republik, "schafft es jedoch nicht ganz, diese mit einer Darstellung dessen zu verbinden, was wir als 'Weimarer Kultur' bezeichnen - die Explosion von Avantgarde-Kunst, Theater, Kabarett, Film und Literatur, geprägt von Namen wie George Grosz, Bertolt Brecht und Fritz Lang. All dies wird zwar erwähnt, jedoch als Unterbrechungen des politischen Erzählstrangs, sodass sich der letzte Teil des Buches eher holprig liest. Zudem konzentrierten sich diese Phänomene, ebenso wie die politischen Ereignisse, auf Berlin, sodass der größte Teil Deutschlands - abgesehen von den Aufständen in München und der Besetzung des Ruhrgebiets - nur als Hintergrund erscheint, bevölkert von einer schweigenden Mehrheit, die sich mit der Republik nicht abgefunden hat oder ihr gegenüber skeptisch ist. Was geschah in den Provinzen?" Davon erzählt
Katja Hoyer am Beispiel der thüringischen Hauptstadt in ihrem Buch
"Weimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte", das auf Archivmaterial basiert und den Zeitraum von 1918 bis 1939 abdeckt. Sie "zeigt, wie sich die Ereignisse - von der Niederlage über die Inflation bis hin zum Aufstieg und zur Festigung der NS-Herrschaft - unter den
spezifischen Umständen Weimars abspielten. Während ihre Erzählung, die für jedes Jahr ein eigenes Kapitel vorsieht, gelegentlich zu einer formlosen Chronik zu werden droht, gewinnt sie an Kontinuität und Originalität, indem sie den Erfahrungen mehrerer Personen folgt, deren Lebensgeschichten erhalten geblieben sind. Am prominentesten ist Carl Weirich, ein Buchbinder und Schreibwarenhändler, dessen umfangreiches Tagebuch, das sich über mindestens sechzig Jahre erstreckt, vom Stadtarchiv Weimar erworben wurde, gerade als Hoyer mit ihren Recherchen begann. Weirichs Erfahrungen - Armut, Trauer, Wiederheirat, Wohlstand unter Hitler, erneut Trauer im Jahr 1947 - tragen dazu bei, Hoyers Darstellung eine beeindruckende menschliche Tiefe zu verleihen."