
Miroslav Vodrážka, ehemaliger Dissident und Underground-Musiker, und der Historiker Petr Blažek haben zusammen ein
Buch über den tschechischen
Kultautor Egon Bondy und die Staatssicherheit veröffentlicht, das anhand vieler Dokumente "das Bild von Bondy als Rebell, das nicht nur er selbst, sondern auch seine Bewunderer von ihm zeichneten, nachhaltig erschüttert", wie Josef Rauvolf
berichtet. Der Dichter mit bürgerlichem Namen Zbyněk Fišer (1930-2007) und dem künstlerischen Pseudonym Egon Bondy genoss besonders seit den 1970er Jahren den Status einer Art Guru, einer Person, die im Grunde unfehlbar und unantastbar war. Und wenn er jemals einen Fehler gemacht hatte, wie im Fall seiner Aussage gegen den Dichter
Martin Jirous und dessen Underground-Band 'The Plastic People of the Universe' (die Jirous unter anderem
ins Gefängnis brachte), sei dieser heruntergespielt worden und von Jirous selbst damals weitgehend verziehen worden. Anhand der Akten stelle sich nun jedoch heraus, dass Bondy damals seine Aussage nicht wirklich unter Druck machte, sondern das Ganze offenbar eine
Inszenierung der Polizei war, "sodass Egon Bondy als eine Person daraus hervorging, die Jirous lediglich im Rahmen einer fahrlässigen Redseligkeit 'verraten' hatte und nicht etwa als Spitzel enttarnt wurde". Bondy selbst strickte fortwährend an seinem Mythos, er führe Krieg gegen das kommunistische Establishment. Laut Vodrážka verschaffte jedoch "die
Zusammenarbeit mit der Geheimpolizei Bondy/Fišer nicht nur die Möglichkeit, 'ungestört zu arbeiten', sondern auch eine gewisse persönliche Schutzzone, da das polizeiliche Kontrollsystem seine Veröffentlichungen 'staatsfeindlicher' Samizdat-Literatur duldete. Zugleich dienten ihm diese Texte als Deckmantel, um im 'Interessenumfeld' des StB glaubwürdig zu sein. Paradoxerweise geschah dem Autor dieser 'staatsfeindlichen' Texte nichts, diejenigen jedoch, die sie kopierten, verbreiteten oder auch nur besaßen, wurden verfolgt und verurteilt." So schildert auch die Journalistin und Charta77-Unterzeichnerin
Petruška Šustrová Bondys Doppelexistenz als Underground-Guru einerseits und StB-Agent andererseits: "Als Zbyněk Fišer erhielt er Vorladungen zu Verhören und als Zbyněk Fišer lieferte er dem StB Hunderte von Berichten, während er als Egon Bondy schrieb, was er dachte."