Magazinrundschau - Archiv

Ceska Televize

6 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 08.04.2025 - Ceska Televize

Miroslav Vodrážka, ehemaliger Dissident und Underground-Musiker, und der Historiker Petr Blažek haben zusammen ein Buch über den tschechischen Kultautor Egon Bondy und die Staatssicherheit veröffentlicht, das anhand vieler Dokumente "das Bild von Bondy als Rebell, das nicht nur er selbst, sondern auch seine Bewunderer von ihm zeichneten, nachhaltig erschüttert", wie Josef Rauvolf berichtet. Der Dichter mit bürgerlichem Namen Zbyněk Fišer (1930-2007) und dem künstlerischen Pseudonym Egon Bondy genoss besonders seit den 1970er Jahren den Status einer Art Guru, einer Person, die im Grunde unfehlbar und unantastbar war. Und wenn er jemals einen Fehler gemacht hatte, wie im Fall seiner Aussage gegen den Dichter Martin Jirous und dessen Underground-Band 'The Plastic People of the Universe' (die Jirous unter anderem ins Gefängnis brachte), sei dieser heruntergespielt worden und von Jirous selbst damals weitgehend verziehen worden. Anhand der Akten stelle sich nun jedoch heraus, dass Bondy damals seine Aussage nicht wirklich unter Druck machte, sondern das Ganze offenbar eine Inszenierung der Polizei war, "sodass Egon Bondy als eine Person daraus hervorging, die Jirous lediglich im Rahmen einer fahrlässigen Redseligkeit 'verraten' hatte und nicht etwa als Spitzel enttarnt wurde". Bondy selbst strickte fortwährend an seinem Mythos, er führe Krieg gegen das kommunistische Establishment. Laut Vodrážka verschaffte jedoch "die Zusammenarbeit mit der Geheimpolizei Bondy/Fišer nicht nur die Möglichkeit, 'ungestört zu arbeiten', sondern auch eine gewisse persönliche Schutzzone, da das polizeiliche Kontrollsystem seine Veröffentlichungen 'staatsfeindlicher' Samizdat-Literatur duldete. Zugleich dienten ihm diese Texte als Deckmantel, um im 'Interessenumfeld' des StB glaubwürdig zu sein. Paradoxerweise geschah dem Autor dieser 'staatsfeindlichen' Texte nichts, diejenigen jedoch, die sie kopierten, verbreiteten oder auch nur besaßen, wurden verfolgt und verurteilt." So schildert auch die Journalistin und Charta77-Unterzeichnerin Petruška Šustrová Bondys Doppelexistenz als Underground-Guru einerseits und StB-Agent andererseits: "Als Zbyněk Fišer erhielt er Vorladungen zu Verhören und als Zbyněk Fišer lieferte er dem StB Hunderte von Berichten, während er als Egon Bondy schrieb, was er dachte."

Magazinrundschau vom 29.10.2024 - Ceska Televize

Kamila Boháčková unterhält sich mit dem slowakischen Filmemacher Marek Šulík, dessen Dokumentarfilm "Prezidentka" (Die Präsidentin) über die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová dieser Tage in Tschechien und der Slowakei in die Kinos kommt (Trailer, leider noch ohne engl. Untertitel). Šulík hat die sozialliberale Demokratin während ihrer fünfjährigen Amtszeit begleitet, nach der Čaputová dieses Jahr zur Enttäuschung vieler Slowaken nicht erneut kandidiert hat. (Auch wenn es offiziell nicht so begründet wurde, ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Čaputová letztlich nach Morddrohungen gegen ihre Töchter aus der Politik zurückgezogen hat.) "Interessant war bei ihr von Anfang an, dass sie sich nicht bemüht hat, übliche Stereotypen zu bedienen. Die Slowakei präsentiert sich zum Beispiel gerne als eine christliche Landschaft voller Trachten, wohingegen sie in Gesprächsrunden anführte, dass sie sich für östliche Philosophie und Meditation interessiere. Sie hat ihre eigene Identität nie verleugnet", so die Beobachtung von Regisseur Šulík. Früh habe Čaputová jedoch begriffen, dass sie gerade als Frau in exponierter Rolle ihr Privatleben abschirmen müsse. "Für die Populisten ist sie eine ideale Zielscheibe gewesen, mit der man Punkte gewinnen kann, denn sie hat versucht, einen anständigen Stil der Kommunikation durchzusetzen. Und bei einem anständigen Menschen weiß man, zu dem kann man grob sein, denn der gibt das Grobe nicht zurück. Das ist so ein Gandhi-Prinzip."

Magazinrundschau vom 03.09.2024 - Ceska Televize

Im tschechischen Riesengebirge ist die Elbquelle versiegt, berichtet das tschechische Fernsehen: Pramen Labe (Quelle der Elbe) ist ein beliebtes Touristenziel, das die Besucher derzeit nur ausgetrocknet vorfinden. Die eigentliche Quelle der Elbe liegt zwar etwas weiter oben, in den Torfmooren, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, doch trotz der starken Regenfälle mangele es auf den Gebirgskämmen schon längerfristig sowohl an Oberflächen- als auch an Grundwasser. Das Wasser werde als Erstes vom Torf aufgesagt und fließe von dort nicht mehr weiter, wie Václav Jansa, der stellvertretende Direktor der Nationalparkverwaltung Riesengebirge, erklärt. Gleichzeitig bemüht man sich, Torfmoore und Feuchtgebiete wiederherzustellen, die eine große Artevielfalt gewährleisteten. Die Situation habe sich durch den vergangenen Winter verschärft, in dem es im Riesengebirge deutlich weniger Schnee gab als in früheren Jahren, der auch noch einen Monat früher wegschmolz als üblich."
Stichwörter: Tschechien

Magazinrundschau vom 20.12.2022 - Ceska Televize

Bohdan Sokur, Sketchbook [Skicák] © Bohdan Sokur

Aus Anlass des Kriegs in der Ukraine und in Anlehnung an Susan Sontags Essay "Das Leiden anderer betrachten" findet aktuell im Prager Zentrum für Zeitgenössische Kunst DOX die Ausstellung "Bolest těch druhých"/ "Der Schmerz der Anderen" statt, die die Frage stellt, wie weit Menschen fähig sind, auf die Erlebnisse anderer mit Empathie zu reagieren. Das Phänomen, dass wir über die heutigen Medien tagtäglich Leid in Echtzeit mitverfolgen können und paradoxerweise dadurch eher distanzierter werden, beschreibt auch DOX-Leiter und Kurator Leoš Válka, der davon überzeugt ist, dass traditionelle Kunstausstellungen in dieser Hinsicht die größere Wirkung entfalten konnten. Statt Klicken und Zappen oder schnell wechselnden Filmausschnitten konnte man endlos lang vor einem Bild oder einer Skulptur verweilen und "wusste, dass nicht im nächsten Moment ein anderes Bild sich darüber schiebt. Und das hat die Wahrnehmung intensiver gemacht." Die Kuratoren haben über vierzig Künstler versammelt, die mit ihren Grafiken, Fotografien, Skulpturen und Installationen vom Krieg erzählen - von Goya bis zur Gegenwart. Darunter sind aktuelle Werke von ukrainischen Künstlern (die unter schwierigen Umständen gerade noch rechtzeitig zur Vernissage transportiert werden konnten) oder die Bilder eines irakischen Fotografen, der wegen seiner Folterdokumentationen untertauchen musste, aber auch russischer Künstler, denen Válka großen Respekt erweist, weil sie "den Mut hatten, den Schrecken des Ukrainekriegs künstlerisch zu thematisieren".
Stichwörter: Malerei, Krieg

Magazinrundschau vom 15.11.2022 - Ceska Televize

Tschechischen Archäologen rund um den Ägyptologen Miroslav Bárta ist es gelungen, das 4.440 Jahre alte Grab des Hohepriesters Ptahschepses wiederzuentdecken, von dem vor hundertsechzig Jahren bereits der französische Ägyptologe Auguste Mariette eine bedeutende Stele mitbrachte (die heute im British Museum steht). Mariette hinterließ seinerzeit nur eine grobe Ortsbestimmung, und das tschechische Team konnte das über vier Meter hohe Grab nun nördlich der Dsojer-Pyramide lokalisieren, wie die Kulturseite des tschechischen Fernsehens berichtet. Das Grabgebäude erstreckte sich über eine Fläche von fast tausend Quadratmetern. Einige Relieffragmente sind erhalten geblieben, auf denen die Gestalt von Prinzessin Chamaat zu erkennen sei. Die eigentliche Grabkammer wurde schon in frühen Zeiten ausgeraubt. Ptahschepses war seinerzeit offenbar eine Ausnahmeperson: Schon am Königshof aufgewachsen, erhielt der hochrangige Beamte "als erster Hofangehörige nichtköniglicher Herkunft eine Königstochter zur Frau" - Chamaat. Außerdem sei Ptahschepses der bislang erste bekannte Anbeter des Gottes Osiris gewesen. Es sei möglich, dass er den Kult um diesen wichtigen altägyptischen Gott der Unterwelt begründet habe. Zur Einordnung des Fundes betont Miroslav Barta außerdem: "Ptahschepses lebte zu einer Zeit, in der infolge der Nilaustrocknung die Versorgungsquellen schwanden und der Einfluss der Lobbyisten sowie der Trend zum Nepotismus schlagartig zunahmen. Mächtige Familien im Reich wurden immer mächtiger und vom Herrscher unabhängiger, ließen sich monumentale Grabgebäude errichten und stellten ihren Einfluss und ihre wachsende Eigenständigkeit deutlich zur Schau. Dieses Grab und seine Persönlichkeit sind ganz wesentlich für das Verständnis dieser neuen Tendenzen, die letztlich zum Kollaps der Ära der Pyramidenerbauer führte."

Magazinrundschau vom 15.03.2022 - Ceska Televize

Der Satiriker, Drehbuchautor und Putinkritiker Wiktor Schenderowitsch, der bereits Anfang des Jahres Russland verlassen hat, meint im Gespräch mit dem Tschechischen Fernsehen, sogar Stalin habe trotz seiner Grausamkeit mehr Rationalität besessen als derzeit Putin. Schenderowitsch stellt in Tschechien gerade die Verfilmung seines Theaterstücks "Vidět Salisbury" ("Seeing Salisbury") vor, das den Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia durch Agenten des russischen Geheimdienstes zum Thema hat. Schenderowitsch sieht für Russland eine mühsame jahrzehntelange Aufarbeitung voraus: "Anders ist es nicht möglich. Es ist nicht möglich, weiterzugehen, ohne Schuld einzugestehen, ohne dass wir uns bewusst machen, was geschehen ist. Deutschland hat einige Jahrzehnte dafür gebraucht. Die Zeit mit Hitler dauerte ein Jahrzehnt, doch die mit Putin dauert schon jetzt wesentlich länger, weshalb uns ein sehr schmerzhafter, schwerer Weg erwartet. Das Wichtigste ist, dass dieser Weg überhaupt beginnt, denn leider hat er noch nicht begonnen, und ich würde sogar sagen, dass wir den Boden noch nicht erreicht haben."