Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.08.2025 - Architektur

Das vorläufige Opernhaus auf dem früheren NS-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, das dem Staatstheater als Ersatzspielstätte dienen soll (unsere Resümees), solange das historische Opernhaus in der Innenstadt saniert wird, macht Fortschritte, meldet die FR mit dpa: "Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum sind in dem Rohbau nach gut acht Monaten Bauzeit schon erkennbar." In der FAZ skizziert Lennart Laberenz am Beispiel eines jahrelangen Baustopps in der Ossietzkystraße in Berlin-Pankow, wo Innenhöfe nachverdichtet werden sollen, weshalb es mit der Nachverdichtung in deutschen Städten nicht vorwärts geht: Bürokratie, verschobene Zuständigkeiten und aufeinanderprallende Interessen von Bewohnern und Politik verhindern den Bau. Im Tagesspiegel erzählt Nikolaus Bernau die Geschichte des Berliner Fernsehturms, dessen Grundstein vor sechzig Jahren gelegt wurde und der in der DDR als repräsentative "Höhendominante" gedacht war und im Westen zunächst weitgehend ignoriert wurde.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.08.2025 - Architektur

Niklas Maak hat in der FAZ wenig Sympathie für die Pläne des Milliardärs Klaus-Michael Kühne, am Hamburger Baakenhafen eine neue Oper zu bauen, ohne einen öffentlichen Wettbewerb auszuschreiben: "... wenn man, wie Kultursenator Carsten Brosda, der an sich ein Glücksfall für Hamburg ist, 'an die lange Tradition der Bürgeroper anknüpfen' will, die bis zur 1678 von Hamburger Bürgern gegründeten Oper am Gänsemarkt zurückreicht: Wäre dann nicht ein etwas genaueres öffentliches Nachdenken darüber, was heute eine Oper sein kann, was in ihrem Bau tagsüber stattfindet, angemessener gewesen als derartige Hinterzimmerdeals?"

Weitere Artikel: In der FAZ gratuliert Maak außerdem der französischen Architektin Anne Lacaton zum Siebzigsten, und in der FAS betrachtet er Pläne für neue Städte in Gaza, The Line in Saudi-Arabien, die neue Hauptstadt Ägyptens oder bei San Francisco, die von Unternehmensberatern und Tech-Firmen geplant werden: Überwachung und Kontrolle der Bürger ist hier alles, lernt er. In der Welt kann Jan Küveler kaum fassen, was sich die Bundesregierung mit der geplanten 777 Millionen teuren Erweiterung des Kanzleramts leistet, die angeblich unbedingt nötig ist, weil die Zahl der Mitarbeiter von 460 auf 852 gestiegen ist und leider jeder ein eigenes Büro brauche: "Derweil kritisiert die Linke in Gestalt ihrer wohnungspolitischen Sprecherin Caren Lay, die Erweiterung des Kanzleramts koste 'ein Viertel dessen, was der Bund jährlich für den sozialen Wohnungsbau ausgibt'."

Besprochen werden die Ausstellungen "Pläne und Träume - gezeichnet in der DDR" in der Berliner Tchoban Foundation (SZ) und "WEtransFORM. Zur Zukunft des Bauens" in der Bundeskunsthalle Bonn (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.08.2025 - Architektur

Gregor Sailer. Ausstellung: Brücken durch die Zeit, Franzenfeste. Foto: © Luca Guadagnini

Zwei Jahre lange durfte Gregor Sailer dort fotografieren, wohin sonst nur Ingenieure und Arbeiter kommen: Auf der Baustelle des Brenner Basistunnels, der 2032 fertig sein soll und dann mit 64 Kilometern Länge der längste Eisenbahntunnel der Welt sein wird, weiß Hannes Hintermeier (FAZ), der in den Bann gezogen wird von den Aufnahmen, die nun in der Ausstellung "Brücken durch die Zeit: Architektur des Unsichtbaren" in der Festung Franzensfeste gezeigt werden: "Seine Bilder verbreiten eine unheimliche Stille, die dort, wo sie entstanden, nicht herrscht. Die Baustellen, die bis zu 1700 Meter tief unter der Oberfläche liegen, fordern mit hoher Luftfeuchtigkeit, Hitze, Lärm, Dunkelheit, Windzug, Vibrationen, Sprengungen. Sailer hält diese Unterwelt ganz altmodisch mit einer analogen Fachkamera fest, arbeitet mit Großformaten. … er zeigt mit Präzisionsästhetik eine verborgene Welt, die Geburt einer Europa verändernden Infrastruktur. Dazu braucht er kein Personal, seine Bilder sind menschenleer."

In der SZ ruft Gerhard Matzig dem im Alter von 81 Jahren gestorbenen Architekten Helmut Swiczinsky, Mitbegründer des Architekturbüros Coop Himmelb(l)au, aus dem er nach einem Bruch mit Kompagnon Wolf Prix ausschied, nach: Ihre anregendsten Bauten waren immer etwas, "das die Schwerkraft herausfordert. Wenn nicht die der Physik, so doch die des Geistes. Die Namen der frühen Swiczinsky-Prix-Projekte sagen schon alles: The Cloud' (...), 'Herzraum Astroballon', 'Haus mit fliegendem Dach', 'Flammenflügel'. Kunst, um der Kunst willen? Nein. Das war Kunst, um der Architektur willen. Nur wenigen anderen 68ern ist es damals gelungen, das nachkriegsmodern-müde Bauen mit einer Überdosis an politischer und gesellschaftlicher Utopie, die zugleich der Ästhetik geschuldet ist, zu revitalisieren."

Auch den Tod des im Alter von 88 Jahren gestorbenen Architekten und Hochschullehrers Uwe Kiessler betrauert Gerhard Matzig in der SZ; war er doch an der TU München dessen Schüler. In der FAZ schreibt Niklas Maak.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.07.2025 - Architektur

Das Innere von Thoravej 29. Foto: Emilia Boeng Nordland.

Eine beeindruckendes und dazu nachhaltiges Projekt kann FAZ-Kritiker Paul Ingendaay in Kopenhagen bestaunen. Der Architekt Søren Pihlmann hat mit Thoravej 29 ein Co-Working Gebäude geschaffen, in dem mehr als dreißig Firmen Platz finden. Das Ganze ist auch noch nachhaltig: "Die Teile der früheren Ziegelsteinmauer wurden um neunzig Grad umgeklappt und bilden einen Teil des Bodens. Aus Holzresten wurden große Tische, als Füße dienen alte Betonblöcke. Die luftigen Räume - doppelt so hoch wie früher - haben einen rauen, aber auch coolen Chic entstehen lassen. Kaum etwas musste weggeworfen werden. Ein Bericht der Technischen Universität Dänemark (DTU) über das Projekt hat ergeben, die CO2-Emissionen hätten nur ein Drittel bis ein Neuntel eines vergleichbaren Neubaus betragen, schreibt die Zeitschrift 'Bauwelt' anerkennend. Außerdem seien 95 Prozent der Originalmaterialien wiederverwendet oder recycelt worden. 'Wenn Sie so wollen', sagt Søren Pihlmann, 'gehen wir zurück an den Ursprung.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.07.2025 - Architektur

Über ein theoretisch interessantes, in den Details aber möglicherweise nicht ganz durchdachtes Bauprojekt schreibt Falk Jaeger im Tagesspiegel. In Kaulsdorf hat der Immobilienentwickler Stefan Höglmaier mit den Architekten FAR frohn&rojas eine Anlage mit über 100 Wohneinheiten aus dem Boden gestampft, die sich als modernes Update der Plattenbauten versteht. Die Baukosten konnten niedrig gehalten werden, es dominiert ein funktionalistischer Stil: "Die Großform und jedes Detail sind so geworden, wie sich ihre Gestalt nach technischen und ökonomischen Kriterien ergeben hat. Das geht bis zu den billigen Aufputz-Dreifachsteckdosen an den Betonwänden, wie man sie früher in Altbau-Studentenbuden hatte (und geht in diesem Fall doch einen Schritt zu weit). 'Freundliche' Farbtupfer sind nur die hellgrünen Kunststoffgeländer sowie die rot gestrichenen Handläufe der Treppe. Ansonsten herrscht Grau vor, bei allen Sichtbetonteilen und allen Estrichböden sowieso, aber auch bei den Brüstungstafeln, den Rippenrohrheizkörpern (Industriestandard) und - unnötigerweise - bei den Einbauküchen." Dafür betragen die Nettobaukosten 1.500 Euro pro Quadratmeter statt durchschnittlicher 3.200 Euro. Ob die Mieten dann auch entsprechend günstig sind, sagt Jaeger nicht.

Ebenfalls im Tagesspiegel bespricht Bernhard Schulz den Sammelband "Städtebau im Nationalsozialismus".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.07.2025 - Architektur

Im Inneren von "The Vessel", New York. Von Stefan Kemmerling - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79878351

Eine Liebeserklärung an die Treppe verfasst Gerhard Matzig für die SZ. Lange standen sie im Schatten des Aufzugs, aber "jetzt sind sie wieder da. Und wie. In Form etwa von 105 Tonnen Cortenstahl, aus dem die gewaltige und dennoch filigrane Wendeltreppe in der Cantina Antinori in der Toskana gefügt wurde. Entwurf: Archea Associati. Im Weingut braucht man gar keinen Tignanello mehr zu kaufen, um berauscht zu sein - ein Gang über die faszinierend piranesihafte Wendeltreppe rauf zum Dach, das zum Weinberg wird, tut es auch. Noch mehr Stufen bietet 'The Vessel', eine 46 Meter hohe Treppen-Skulptur, die so etwas ist wie die Wohnzimmertisch-Vase des Luxusprojekts Hudson Yards in Manhattan. Sie bietet 154 Treppen, 80 Podeste und 2500 Stufen. Möglicherweise ist es die teuerste Treppe der Welt. Entworfen von Thomas Heatherwick. Geschätzt werden die Kosten auf 200 Millionen Dollar."

Wie der Art Déco von Frankreich aus die ganze Welt eroberte, kann Marc Zitzmann in der Ausstellung "Élégance et modernité" im Palais de l'art déco in Saint-Quentin nachvollziehen, von der er auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ erzählt. Eine "Schau über eine Schau", denn es geht um die gigantische "Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes", die 1925 in Paris stattfand und die den Siegeszug des Jugendstils einläutete: "Nach der Schau von 1925 flog der Samen des Art déco in alle Welt hinaus und keimte auf fremden Böden, wo er sich oft mit lokalen Gewächsen kreuzte. Bei einigen Auftraggebern hatte unmittelbar der Besuch der Pariser Ausstellung den Kaufimpuls ausgelöst - so beim japanischen Prinzen Asaka, der, kaum aus Paris zurückgekehrt, einen Landsmann zum Architekturstudium nach Frankreich schickte, bevor er diesen von 1929 an eine 2000 Quadratmeter große Villa in Tokio errichten ließ, die Henri Rapin im Inneren mit japanisch hybridisierten Art-déco-Motiven wie Fischen, Wellen und Irissen ausschmückte."

Weitere Artikel: Die Kosten für das "berlin modern"-Museum steigen von den ursprünglich geplanten 364 Millionen auf 526,5 Millionen, berichtet Marcus Woeller in der Welt. Gründe sind Krieg und Inflation, "dennoch: Mehrkosten von über 160 Millionen Euro sind kein Pappenstiel - und dämpfen das Vertrauen in die Kalkulationen von Bund und Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Bauherren erheblich."
Stichwörter: Art Deco

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.07.2025 - Architektur

Das Museum berlin modern für die Kunst des 20. Jahrhunderts soll erst Ende 2028 fertig werden, entnimmt Birgit Rieger (Tsp) der Berliner Morgenpost: "Zudem wird der Bau in unmittelbarer Nähe zur Neuen Nationalgalerie teurer. Die prognostizierten Gesamtkosten belaufen sich inzwischen auf 526,5 Millionen Euro."
Stichwörter: Berlin Modern

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2025 - Architektur

"Die meisten Koreaner lebten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ohne Spiegel", erklärt Hoo Nam Seelmann in der NZZ. Und zwar, weil in der traditionellen koreanischen Architektur Glas einfach keine Rolle spielte: "In Korea waren bis Ende des 19. Jahrhunderts alle Häuser ebenerdig. Angesichts der endlosen Hochhaussiedlungen von heute wundert man sich fast darüber. Das höchste Gebäude war über Jahrhunderte der Thronsaal in Seoul, der als Symbol der Macht die weitläufige Palastanlage überragte und von überall her sichtbar war. Aber selbst dieser war ebenerdig, lag nur auf einem erhöhten Grund mit einer nach oben gestreckten Dachkonstruktion. Erklärt wird das Fehlen von mehrstöckigen Bauten mit dem System der Bodenheizung, das mit Holz von außen befeuert wurde und sich daher nur für flache Bauten eignete. Die Folge war, dass die koreanische Architektur keine Fenster kannte. Wichtig waren dafür die Türen, die vielfältig gestaltet wurden und an denen man Status und Wohlstand ablesen konnte. Sie bestanden aus einem Holzrahmen mit zahlreichen Holzsprossen dazwischen, die ein bestimmtes Muster abgeben."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.07.2025 - Architektur

Notre-Dame, melden Lena Bopp und Stefan Trinks in der FAZ, soll von Microsoft digitalisiert werden, um Onlinebesichtigungen zu ermöglichen. Es stellt sich bloß die Frage, warum. Denn: "Ein solches Modell aber gab es bereits, und es leistete bei der Rekonstruktion wertvolle Hilfe - erstellt worden war es glücklicherweise schon vor der Brandkatastrophe 2019 am intakten Bau von Art Graphique & Patrimoine und Mitarbeitern der Universität Bamberg unter der Leitung von Professor Stephan Albrecht. (...) Wenig überraschend zeigt sich der Bamberger Kunsthistoriker im Gespräch mit dieser Zeitung über das amerikanische Projekt verwundert; in Albrechts Augen ist das erneute Scannen Notre-Dames 'komplett sinnlos'."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.07.2025 - Architektur

Besprochen wird die Ausstellung "Ossip Klarwein. Vom Kraftwerk Gottes zur Knesset" in der Berliner Evangelischen Kirche am Hohenzollernplatz (FAZ, mehr hier).
Stichwörter: Klarwein, Ossip