Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.10.2025 - Architektur

Bilder: © Vitra, Fotos: Daisuke Hirabayashi, Dejan Jovanovic, Marek Iwicki

Ganz verzaubert ist Helene Röhnsch in der FAZ nach ihrem Besuch im Doshi Retreat auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein, wo Khushnu Panthaki Hoof gemeinsam mit ihrem Ehemann Sönke Hoof, beide Chefarchitekten des in Ahmedabad ansässigen Studios Sangath, das Projekt ihres 2023 verstorbenen Großvaters, des indischen Pritzker-Preisträgers Balkrishna Doshi, vollendeten: "Von der Ferne kaum sichtbar, taucht allmählich hinter dem Design Museum von Frank Gehry ein von messingfarbenen Stahlwänden umsäumter Weg auf. In der Form zweier, ineinander verflochtener Schlangen - eine Vision Doshis - führt er in eine Art Labyrinth, erst oberirdisch, dann tiefer in die Erde hinab. Entlang des Pfades begleiten Flötentöne die Besucher, von Note zu Note führen sie am Ende des Weges durch einen Tunnel, der in eine Gongkammer mündet. Ein Team von Sounddesignern aus Indien, den Niederlanden und Österreich entwickelte das aufwendige Klangsystem, das in konkave Vertiefungen im Boden eingelassen ist."

Wenn Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, angesichts der immer größer werdenden Wohnungsnot verspricht, nun aber wirklich den "Bau-Turbo" anzuwerfen, rät ihr Gerhard Matzig in der SZ einen Blick auf die ganz im Bauhaus-Geist errichtete Stuttgarter Weißenhofsiedlung zu werfen: "Alles, was heute gefordert wird von einem zeitgemäßen Wohnungsbau, flexible Innenräume für unterschiedliche Bedürfnisse und differenzierte Lebenswelten, effiziente Raumgrößen, seriell denkbare Systeme, rationale Bauorganisation, modernste Materialien und Konstruktionsmethoden, all das wurde damals in experimenteller Weise ausprobiert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.10.2025 - Architektur

Dass Donald Trump den Ostflügel des Weißen Hauses hat abreißen lassen, ist Hilmar Klute in der SZ zufolge kein gutes Zeichen, was sowohl architektonische als auch demokratische Entwicklung in den USA betrifft: "Trumps Sinn für die Verlängerung seiner Politik in die Symbolik von Architektur und Landschaft ('Golf von Amerika') ist scharf ausgeprägt. Der Präsident hat offensichtlich vor, das Land von innen wie von außen seinen Maßstäben anzupassen, die bekanntlich nicht die Maßstäbe der noch weitgehend vernunftgesteuerten westlichen Kultur sind. Das Weiße Haus, das Roosevelt mit seinen weit gefassten Nutzungsrechten zu einem 'Haus des Volkes' werden ließ, wird in Zukunft vor allem einem Zweck dienen: der Selbstfeier einer politischen Klasse, die sich selbst bereichern möchte. Härte und billiger Prunk, kühler Pragmatismus anstelle zarter Anmut, das könnten die neuen ästhetischen Regeln für das Weiße Haus sein."
Stichwörter: Trump, Donald

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.10.2025 - Architektur

So hätte die ganze Karl-Marx-Allee aussehen können: Laubenganghaus von Ludmilla Herzenstein in der Karl-Marx-Allee 126/128. Foto: Jean-Pierre Dalbéra unter CC BY 2.0-Lizenz


In der taz empfiehlt Uwe Rada einen Besuch der Berliner U-Bahnhöfe Weberwiese und Schillingstraße, die gerade die sehr interessante Geschichte der Stalinallee erzählen, die 1961 in Karl-Marx-Allee umbenannt wurde. "Die Geschichte des sozialistischen Boulevards ist auch die Geschichte eines internen Ringens um die Werte und die Gestalt einer zeitgemäßen Architektur der Nachkriegszeit. International wie beim Bauhaus? Oder Zuckerbäckerstil wie in Moskau? Zunächst hatte das Bauhaus die Nase vorn" so Rada. "Von 1949 bis 1951 errichtete die Architektin Ludmilla Herzenstein, die zu Scharouns Kollektiv gehörte, am Eingang des heutigen U-Bahnhofs Weberwiese die sogenannte Wohnzelle Friedrichshain", schmucklos und ganz in der Tradition des Bauhauses. "Man kann sich die Wut in den Gesichtern und die Faust in der Tasche der DDR-Architekten und Funktionäre gut vorstellen, die als Reaktion darauf 1950 nach Moskau reisten - und mit 16 Grundsätzen des Städtebaus in der Tasche zurückkamen", die für Walter Ulbricht Gesetz werden sollten: "Statt internationalem Bauhausstil wurden nun 'nationale Traditionen' großgeschrieben. Und der Moskauer Zuckerbäckerstil wurde nach Ostberlin importiert."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.10.2025 - Architektur

Die alte Fondation Cartier (2016). © Jean-Pierre Dalbéra, Quelle: Wikipedia, Lizenz: CC BY 2.0

Marc Zitzmann besucht in Paris für die FAZ den Umbau der Fondation Cartier und ist ziemlich begeistert. Selbst für französische Hauptstadtverhältnisse ziemlich spektakulär ist das, was Architekt Jean Nouvel da entworfen hat. Nouvel schließt an das "Maschinen-Erbe à la Jules Verne an. Er hat das in den Siebzigern verbaute Gebäudeinnere entkernt und namentlich ein 85 Meter langes 'Langhaus' unter dreien der vier Innenhöfe freigelegt. Dort finden sich jetzt fünf 200 bis 363 Quadratmeter große Plattformen, die sich mittels einer Art zweckentfremdeter Theatertechnik mit Kabeln, Ketten und Seilscheiben über eine Höhe von elf Metern hinweg in jeweils elf Positionen anheben oder absenken lassen - und das unabhängig voneinander. Typisch Nouvel sind die vielen Durchblicke, zwischen Unter-, Erd- und Obergeschoss, zwischen Innen und Außen".

Auch Chris Dercon, der im neuen Haus für die Eröffnungsausstellung "Exposition Générale" verantwortlich ist, ist ganz aus dem Häuschen angesichts der neuen Museumsräume. Im Gespräch mit der Welt schwärmt er: "Ich würde es als kubistisches Gemälde beschreiben oder mit den 'simultanen Kleidern' von Sonia Delaunay vergleichen: Man sieht alles gleichzeitig. Es entstehen neue Perspektiven zwischen den Werken und man kann die Menschen beobachten, die sie ansehen. Die horizontale Perspektive vermischt sich mit der vertikalen. Es ist ein 'street museum' entstanden. Man muss nur hier aus dem Fenster schauen, die Passanten beobachten, und schon hat man eine Videoinstallation, ein Werk von Beat Streuli ganz umsonst! Auf der anderen Seite der Straße kann man in den Louvre hineinschauen. Das ist einfach fantastisch. Es ist eine Sehmaschine entstanden, eine Maschine des Sehens und Gesehenwerdens."

Weiteres: Peter Richter schreibt in der SZ zum Tod des Architekten Rudolf Horn.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.10.2025 - Architektur

Seit Barock und Rokoko ist es mit der Stilsicherheit und -eindeutigkeit vorbei, stöhnt Dankwart Guratzsch in der Welt beim Anblick von "Eigenheim-Plantagen in Vorstädten". Architektur möchte er das nicht mal nennen: "Vieles ergeht sich im Nachplappern des Ordinären. Baufabriken steuern Serien gleichförmiger Schachteln bei, die in ihrer Summe nichts Besseres als ein auf die Wiese gekippter und in Häppchen zerstückelter 'neuestfarbig lackierter' Plattenbau sind. Wer ist hier noch Individuum und wer schon Stallhase? Eine Sonderklasse vermeintlicher Modernität stellen die technoiden Gehäuse der Glasvitrinen, Öko-Schatullen und schlecht gelüfteten Wärmepumpenboxen dar, die nichts mit Architektur, umso mehr aber mit krampfigen ingenieurtechnischen Experimenten zu tun haben. 'Der Überdruss an Spektakulärem und drängende Probleme sorgen dafür, dass im Diskurs über Architektur die Produktion außergewöhnlicher Sensationen in den Hintergrund tritt. Neues zu produzieren erscheint schon fast zwanghaft', meint der Architekturkritiker Christian Holl."

Übellaunig kehrt auch Marcus Woeller (Welt) vom Richtfest für das Berlin Modern zurück, denn: "Der Rohbau wirkt wie ein massiver Fremdkörper, der gewohnte Sichtachsen verstellt. 'Elegant und bescheiden' ist das Bauwerk nicht. Vielleicht kommt die Eleganz mit der finalen Gestaltung - doch sind angesichts der verschiedenen Umplanungen und kursierenden Renderings und Fassaden-Mockups Zweifel berechtigt."
Stichwörter: Berlin Modern

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.10.2025 - Architektur

Im Tagesspiegel staunt Nikolaus Bernau nicht nur, dass der Rohbau des Berlin Modern so weit fertig ist, dass die Richtkrone gezogen werden kann. Fassungsloser ist er über die Kostenexplosion: Kalkuliert wurde zunächst mit 149 Millionen Euro, inzwischen wird offen über 600 Millionen Euro Baukosten diskutiert, das sind 58.555 Euro pro Quadratmeter, weiß Bernau. Zum Vergleich: Das Berliner Humboldt Forum kostete "nur" 21.000 Euro pro Quadratmeter. "Neuerdings wird das Riesenprojekt bescheiden als 'Erweiterung' der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe annonciert. Dabei ist mit dem versprochenen unterirdischen Verbindungssaal oder wenigstens dem Korridor auf alle absehbare Zeit nicht zu rechnen: Unter der Sigismundstraße verläuft eine Hochspannungsleitung, deren Verlegung immens teuer wäre. Und wer bezahlte den Tunnel? Übrigens: Die Giebelwand des breiten Satteldachs ragt schon jetzt deutlich über die strikt horizontalen Linien der Neuen Nationalgalerie hinaus. Offenbar hatte es schon seinen Grund, dass Herzog & de Meuron nie eine Perspektivzeichnung vorlegten, die beide Bauten zusammen zeigt. Der edelste deutsche Museumsbau der Nachkriegszeit wird nun von seiner 'Erweiterung' regelrecht degradiert. Ein Affront, den die Berliner Denkmalpflege nur unter dem immensen Druck der Politik genehmigte."

Lange wurde über die Sanierung der 1934 nach Plänen von Albert Speer errichteten Zeppelintribüne auf dem Reichsparteigelände in Nürnberg debattiert - nun wurde das Richtfest gefeiert, berichtet Jannis Koltermann, der für die FAZ an einer Führung teilgenommen hat - und erschaudert: "Betritt man … von hinten das Innere der Tribüne, kommt man der ursprünglich beabsichtigten Wirkung näher. Im sogenannten 'Goldenen Saal', einer Art Eingangsfoyer auf der Rückseite der Ehrentribüne, sieht der Muschelkalk noch wie Marmor aus, Hakenkreuzmosaike schimmern von der Decke, und nicht nur die Wandnischen und hohen Treppenaufgänge erinnern an Repräsentationsbauten aus dem alten Rom." Wichtig für die Erinnerungskultur ist der Erhalt dennoch, meint er, denn: man "kann sich ja nicht darauf beschränken, das Böse dort zu zeigen, wo es besonders offensichtlich ist, sondern muss auch jenen Stellen nachspüren, an denen das Böse im Gewand des Guten daherkam."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.10.2025 - Architektur

Hanno Rauterberg führt für die Zeit durch das "Franklin Village" in Mannheim, das gerade mit dem Staatspreis für Architektur als Deutschlands bestes Neubauprojekt ausgezeichnet und von den Architekten des Berliner Büros Sauerbruch Hutton erdacht wurde: "Nichts an dieser Architektur ist grundstürzend neu, neu ist nur, wie gesellig sie sein will. Und wie selbstverständlich sie das Gesellige und das Gesellschaftliche zusammendenkt. Sie tut alles, damit das Wohnen nicht Privatsache bleibt, sondern hinausstrebt ins Öffentliche und Offene. Das fängt schon damit an, dass es keine Haustüren gibt, keine Treppenhäuser, auch keine Eingänge, die zur Straße hin liegen. Erschlossen wird das Franklin Village allein über den Innenhof, umfangen von dreigeschossigen Riegeln mit weit ausgespannten Vorbauten. Es sind Laubenganghäuser, allerdings sind hier die Gänge keine Gänge, sondern breite Terrassen, über die man zu den rund 90 Wohnungen gelangt. Hier stehen auch Tische und Sessel, die Leute breiten ihr Spielzeug aus, züchten Tomaten, halten Kaninchen. Ein Raum, der den Einzelnen gehört und zugleich allen anderen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2025 - Architektur

Das Hotel "Les Trois Rois" in Basel. Foto: Hotel Les Trois Rois

NZZ-Kritiker Ulf Meyer kann sich gar nicht sattsehen bei seinem Rundgang durch das neu gestaltete Hotel Les Trois Rois in Basel: "Für das Restaurant haben Herzog & de Meuron die bestehenden Kristallleuchter eigens durch Nachbauten ergänzt und detailverliebt alle Tische, Sessel und Wandoberflächen entworfen. Über der Bar hängt ein Baldachin in Form eines surrealistischen Gartens, entworfen vom Künstlerduo Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger. Die zugleich intim und elegant gestalteten Sitznischen wurden um drei Stufen angehoben, um Blickverbindungen zwischen Innenraum, Rhein und Stadt zu schaffen. Der Blick auf den Fluss war schon dem berühmtesten Hotelgast, Theodor Herzl, wichtig. Die große Suite in der Beletage liegt in der ehemaligen Wohnung des Bankdirektors. Vom Entrée mit rundem Speisesaal aus eröffnet sich eine Enfilade von Räumen, die nur durch schwere Vorhänge unterteilt sind. So wie die Heiligen Drei Könige, nach denen das Hotel benannt ist, muss der Hotelgast allerdings beträchtliche Schätze bei sich haben, um sich den Luxus dieser Suite leisten zu können."
Stichwörter: Herzog & de Meuron

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.10.2025 - Architektur

Fabian Ebeling zeichnet in der taz die Verbindungen zwischen kybernetischer Kunst und Smart-City-Utopien nach. Letztere sind derzeit wieder en vogue, sowohl in totalitären Staaten wie Saudi Arabien (siehe etwa hier) als auch in westlichen Demokratien wobei, ein Blick zurück zeigt, wie eng progressive Kunst und Stadtplanung teilweise beieinander sind, zum Beispiel im Werk des in den 1950er und 1960er Jahren tätigen ungarisch-französische Künstlers Nicolas Schöffer: "Kybernetische Anwendungen zielen darauf ab, Systeme im Gleichgewicht zu halten. Schöffer will dieses Prinzip auf ganze Stadträume hochskalieren. Er entwickelt kybernetische Türme, die als ästhetische Spektakel fungieren und gleichzeitig als Kontrollzentralen Informationen aus städtischen Umgebungen einsammeln, um zum Beispiel das Klima in unterschiedlichen Zonen einer Stadt regulieren zu können. Bewohner*innen könnten hierbei aber auch selbst aktiv werden und durch Knopfdruck an den klimatischen Verhältnissen ihrer direkten Umgebung drehen."
Stichwörter: Smart Cities, Kybernetik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.10.2025 - Architektur

Der neue Ballsaal des "Les Trois Rois" in Basel. Foto: Herzog und de Meuron


Das älteste Grand Hotel Europas ist es wohl, das "Les Trois Rois" in Basel, das die Architekten Herzog und de Meuron nun umbauen durften, meint Klaus Englert in der FAZ. Er ist ganz angetan von ihren Ideen: "Das Entree durch den Seiten-Portikus ist ein Erlebnis, das den Haupteingang vergessen lässt - das Foyer empfängt mit Art-déco-Fliesen und pompösen Kronleuchtern, bevor es zur Wendeltreppe mit kunstvoll schmiedeeisernem Geländer weitergeht. Die Basler Architekten sind am stärksten, wenn sie auf den Überraschungsmoment setzen. Das fängt bei den Fluren an, die in Hotels gemeinhin recht einfallslos ausfallen, hier aber anmuten wie die verwunschenen Gänge einer Wunderkammer." Wo die Inspiration dafür herkommt, sieht Englert auch, es zeigt sich "einmal mehr, wie sehr die Baukunst von Herzog & de Meuron quer zur klassischen architektonischen Moderne in der Tradition des Bauhauses steht. Sie sympathisieren eher mit ihren Außenseitern, mit Erich Mendelsohn und dem Mexikaner Luis Barragán."

Außerdem besucht Stefan Trinks für die FAZ das neue Almaty Museum of Arts in Kasachstan.
Stichwörter: Herzog & de Meuron