Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2025 - Architektur

Wir haben durchaus ein Problem im Stadtbild, aber ein anderes als Friedrich Merz denkt, hält Dankwart Guratzsch in der Welt fest - und blickt düster auf die Stadtarchitektur: Denn die wurde von Bürgermeistern, Baudezernenten und Center-Lobbyisten gemeinschaftlich zerstört, schimpft er, mit Shopping-Centern überall: "Mancher Warentempel hat schon wieder dichtgemacht, hat seine Schaufenster zugeklebt, damit die Leere nicht auffällt, hat ganze Etagen und Passagen abgeriegelt, damit die Kunden nicht merken, dass es wie auf der Rolltreppe nach unten geht. Ähnlich das Bild in mancher einst blühenden Einkaufsstraße. Läden und Kaufhäuser werden als Verfügungsmasse für den Umbau zu Wohnungen und Büros gehandelt oder wie Ramsch auf die Schutthalde gekarrt. Dass in solchen Milieus des Abstiegs und des Abbaus kein Gefühl von Stabilität, Sicherheit und Sinnhaftigkeit mehr gedeihen kann, ist die unausweichliche Konsequenz."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2025 - Architektur

Das ehemalige Hauptquartier der jugoslawischen Streitkräfte in Belgrad ist im Krieg heftig beschossen worden, wurde 2005 unter Denkmalschutz gestellt und soll jetzt möglicherweise von der Trump-Familie gekauft werden. Diese Ankündigung hat in Serbien große Proteste ausgelöst, wie Michael Martens in der FAZ weiß: "Es ist durchaus möglich, dass die Ruine zu einem Symbol des Widerstands gegen die Herrschaft Vučićs in Serbien werden könnte. Aber die Symbolträchtigkeit ihrer Vergangenheit liegt vor allem darin, dass von diesem Gebäude, als es noch keine Ruine war, die Befehle in Kriegen ausgingen, die in den Neunzigerjahren mehr als 130.000 Menschen das Leben kosteten. ... Die Zerstörung war eine (manche sagen: überfällige) Folge der Politik, die hinter diesen Mauern geplant wurde."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2025 - Architektur

Es hat im Trubel um den Siegerentwurf der neuen Hamburger Oper (unser Resümee) gestern offenbar kaum jemanden interessiert - aber auch in Düsseldorf wurde am Donnerstag der Wettbewerb für einen Opernneubau entschieden, und der ist in vielerlei Hinsicht das Gegenprogramm zum Hamburger-Entwurf, wie Nikolaus Bernau im Tagesspiegel weiß. Gewonnen hat das norwegische Büro Snøhetta, man plant realistisch mit einer Milliarde, statt einer gab es drei Wettbewerbsrunden - und auch der Entwurf scheint demokratischer gedacht: "Snøhettas Entwurf zeigt drei gewaltige Baukörper, die in der engen Innenstadt aufragen - noch ein Unterschied zu Hamburg: Dort soll die Oper ins Luxusviertel am Hafen umziehen, in Düsseldorf Teil des Stadtlebens bleiben. Große Fenster öffnen die steilen Foyers, sonst sind die Fassaden eher geschlossen, durchstanzt von kleinen Öffnungen gleich einem alten Computerband."

Matthias Alexander, der gestern noch in der FAZ staunte, dass mit Bjarke Ingels das Büro eines verhältnismäßig jungen Architekten den Wettbewerb für die neue Hamburger Oper gewann, beugt sich heute über den Entwurf und schimpft: "Ein bisschen maritimes Flair, ein bisschen Dünen- und Waldromantik - fertig ist der edelkitschige Architektur-Mix, der sogar Hanseaten sinnlich werden lässt." Überhaupt ärgert es Alexander, dass sich die Hamburger Politik von "einem in einem Steuerparadies sitzenden Milliardär einspannen" lässt, "seine Prestigeprojekte voranzutreiben und mitzufinanzieren", denn Michael Kühne wird als Gläubiger auch davon profitieren, dass nun entgegen aller Versprechen nun doch 595 Millionen Euro in den Elbtower investieren will, wo dann irgendwann das geplante Naturkundemuseum einziehen soll.

Weitere Artikel: In der NZZ feiert Hubertus Adam hundert Jahre Neues Frankfurt und empfiehlt die Ausstellungen "Yes, we care" und "Was war das Neue Frankfurt?" im dortigen Museum für Angewandte Kunst.
Stichwörter: Oper Düsseldorf, Snohetta

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2025 - Architektur

Foto: BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

Das dänische Architekturbüro Bjarke Ingels Group gewinnt den Wettbewerb für Hamburgs neue Oper in der Hafencity, für die der Unternehmer Michael Kühne etwa 340 Millionen Euro bereitstellen will. Till Briegleb hatte in der SZ bei der Präsentation allerdings nicht den Eindruck, dass das ausreichen wird. Skeptisch schaut er auch auf den Entwurf, "der das Gebäude als Klingsors Zaubergarten verkleidet. Die hypnotisch kreiselnde Großstruktur legt sich einen neuen Park wie einen mehrfach geschlungenen Schal um den Leib. ... Aus Drohnensicht verschwindet das Musiktheater völlig unter Wegen und Gewächsen. Von Stadt und Wasser dagegen ergibt die neue Oper eher das Bild eines fallenden Stapels Teller kurz vor dem Aufschlag."

Kann man sich für den Moment nicht einfach mal freuen, fragt Hanno Rauterberg bei Zeit Online. Schlicht "epochal" nennt er den Entwurf, denn "das eigentlich Spektakuläre des Entwurfs ist das Gemäßigte. Auf verhaltene Weise ungewöhnlich, unübersehbar, aber nicht triumphal. Ein Wahrzeichen, das weniger Zeichen sein möchte als eine gelebte gesellschaftliche Wahrheit - dieses paradoxe Versprechen bestimmt den Plan. Und könnte eine neue architektonische Gattung begründen. Ingels spricht vom 'humble icon', einer demütigen Ikone." In der taz schreibt Gernot Knödler.

Mit seinen 51 Jahren ist Bjarke Ingels, dessen Büro 700 Architekten, Planer und sonstige Mitarbeiter, verteilt über Standorte auf drei Kontinenten zählt, vergleichsweise jung, hält Matthias Alexander in der FAZ fest. Sind die großen internationalen Baumeister ansonsten doch meist über achtzig Jahre alt. Woran liegt es, dass es kaum Nachwuchs gibt? "Fragt man Architekten, dann ist immer wieder zu hören, dass es heute viel schwieriger geworden sei, ein großes Büro neu aufzubauen. Wer große Aufträge erhalten möchte, muss in der Regel Hunderte Mitarbeiter in der Hinterhand haben, die die Detailarbeit übernehmen, hinzu kommen die Investitionen in die technische Infrastruktur. Junge Büros werden zu den einschlägigen Wettbewerben daher erst gar nicht eingeladen. Organisch mit immer größeren Projekten zu wachsen, wie es Bjarke Ingels gelungen ist, ist ungeheuer schwierig geworden. Hinzu kommt, dass immer weniger Nachwuchskräfte die Rolle der Rampensau anstreben, die heute in Dubai und morgen in Chicago mit großer Geste Entwürfe präsentiert, die sie allenfalls oberflächlich kennt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.11.2025 - Architektur

Im FR-Interview erzählt die angolanische Architektin Paula Nascimento von der Architekturgeschichte ihrer Heimatstadt Luanda und auch davon, wie diese langsam ausgelöscht wird. Zum Beispiel durch den Abriss der Kinaxixe Markthalle, einem wichtigen Gebäude der "tropischen Moderne". "Ich war mit dem Abriss nicht einverstanden. Rückblickend war das eine politische Entscheidung, auch eine symbolische Geste. Dieser Markt verkörperte eine bestimmte Architektur. Wir, die sie studiert haben, sahen darin lokale Moderne - gebaut von portugiesisch-stämmigen Architekten, aber tief verwurzelt in unserer Geographie." Außerdem wird sie auf der Sharjah Biennale 2027 in den Vereinigten Arabischen Emiraten vertreten sein, lesen wir: "Sharjah hat beispielsweise ein Zentrum für Afrikanische Studien. Als ich kürzlich in den Emiraten unterwegs war, fiel mir auf, dass im Oman Swahili gesprochen wird. Das kommt von den Beziehungen über den Indischen Ozean. Während Angola mit dem Atlantischen Ozean und dem Sklavenhandel verbunden ist. Ich interessiere mich sehr für die gemeinsame Geschichte und eine kulturelle Nähe, über die wir nur wenig wissen. Bei der Biennale wird es eine große Beteiligung aus Afrika geben."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2025 - Architektur

Alexandra Wach besucht für den Tagesspiegel den Museumsneubau der Pariser Fondation Cartier, entworfen von Jean Nouvel (mehr hier). Errichtet wurde das Haus ursprünglich schon 1855: "Bereits in der Phase als Geschäftshaus und nach dem Einschlag einer Lancaster-Bomber 1943 wurde das Gebäude umgebaut. In den 1970er Jahren folgte im Innern eine vollständige Entkernung, sodass nur noch eine Hülle übrigblieb. Nouvel hat den gesamten Innenraum um fünf vertikal bewegliche Plattformen herumgebaut, die an die Bedürfnisse von Künstlerinnen oder Kuratoren angepasst werden können. Mitunter lassen sich die lichtdurchfluteten Räume, oft vier oder fünf Ebenen gleichzeitig, überblicken." Jean Nouvels Arbeit ist ein "Museum als öffentliche Arena, die radikale Kunsteinfälle beinahe auf den Straßen des historischen Stadtkerns verhandelt und wie eine verspielte Botschaft aus der Zukunft wirkt. Damit ist zweifellos ein weiterer Schritt getan für Paris als gegenwärtig am weitesten ausstrahlenden Ort der Kunst."

Gerhard Matzig ist in der SZ nicht begeistert, wenn er sich die Entwürfe des Laboratory for Visionary Architecture (LAVA) für Berlins Bewerbung für die Expo 2035 anschaut. Irgendwie war alles schon mal da, Innovationsgeist findet Matzig keinen: "Dabei ist es nicht verkehrt, geodätische Kuppeln und Zeltlandschaften als erprobte Konstruktionen für die Raumlösungen von morgen einzusetzen. Es ist auch nicht verboten, sein Tamagotchi zu streicheln, Rubiks Würfel zu malträtieren und sich einen Toast Hawaii zu machen. Es ist aber kein Form-Katalysator, wenn selbst die Zukunft aussieht wie ihr Schatten. Aus dem aufregenden, vitalisierenden Futurismus von einst ist ein Sedativum geworden. Wir flüchten in die nostalgische Komfortzone der ästhetischen Vergangenheit, weil uns die Kraft fehlt zu einer eigenen, zeitgemäßen Utopie. Zu einem Bild, das zum Versprechen und zum gesellschaftlichen Zielpunkt werden kann. Zur Schubkraft der Transformation. Erfindet doch mal wieder etwas wirklich Neues. Bitte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.11.2025 - Architektur

Das riesige saudische Neom-Projekt, mit der viel gehypten 170 Kilometer langen Zukunftsstadt The Line als Kernstück, scheint vorerst gestoppt, glaubt der Architekt Gunnar Klack in der FAS. Jedenfalls haben sich reihenweise Stararchitekten aus dem Projekt zurückgezogen. Gut so, findet Klack. Denn "Neom stand für eine Idee von gesellschaftlichem Fortschritt, der von Eliten betrieben wird. Das Fortschrittsparadigma von Saudi-Arabien besagt eben nicht, alle Bauern und Beduinen mit ins Boot zu holen. Stattdessen sollen in Saudi-Arabien bewusst Zonen mit maximal unterschiedlichen Gesellschaften entstehen: religiöse Eiferer in Mekka, Ölmilliardäre in Riad, eine globale Tech-Elite in Neom (oder dem, was davon übrig bleibt). Zum maximal ungleichen Fortschrittsmodell gehört es, dass in den fortschrittlichen Zentren wie The Line auch andere Gesetze gelten. In dieser Aufspaltung in soziale und ideologische Archipele liegt der grundlegende Unterschied zum europäischen Gesellschaftsideal, das von einem allen Menschen gleichermaßen zugänglichen öffentlichem Raum ausgeht."
Stichwörter: Saudi-Arabien, Neom

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.11.2025 - Architektur

Arata Isozaki, Kochi Prefecture,1983. ©Kochi Prefecture, Ishimoto Yasuhiro Photo Center, Photo: Yasuhiro Ishimoto


Ulf Meyer (FAZ) schwärmt: Im Geijutsukan/Art Tower Mito ist unter dem Titel "Archipelagos of Architecture" die erste dem japanischen Pritzkerpreisträger Arata Isozaki gewidmete Retrospektive zu sehen und anhand von Holzmodellen, Aquarellen, Siebdrucken und Videos kann Meyer noch einmal in dessen Entwürfen schwelgen, die zeigen, wie Isozakis "außerarchitektonisches Denken" Architektur mit Kunst, Design und Philosophie verband: "Isozakis Kunstmuseen in Kita-Kyushu, Gunma und Okayama veranschaulichen den Bruch mit der Doktrin der Moderne und Isozakis Wendung hin zu einer unbeschwerten Auffassung von Gebäuden als Collage. Für das Museum in Takasaki übertrug Isozaki sein Konzept von 'Rahmen und Leere' in zwölf Meter hohe Kuben, die eine 'Bühne der Kunst' bilden. Ihre dimensionslosen Raumstrukturen verkörpern einen Raum zwischen den Dingen, der im Japanischen 'Ma' genannt wird. Isozaki entwarf die Galerien des Museums als 'Leerräume für die Wirkung der Kunst'."

Ulf von Rauchhaupt berichtet in der FAZ schier überwältigt von seinem Besuch im gigantischen, von Róisín Heneghan und Shih-Fu Peng erbauten Grand Egyptian Museum in Gizeh, das Samstag eröffnete und in dem die 5640 Stücke, die der britische Archäologe Howard Carter aus dem Grab des Tutanchamun entnahm, exzellent zur Geltung kommen: "Der Bau gibt sich alle Mühe, in die Wüstenlandschaft westlich der Stadt zu passen und mit den Monumenten des Cheops, Chephren und Mykerinos zu harmonieren. Aber ein wenig sieht es schon aus, als sei der interstellare Raumkreuzer irgendwelcher Aliens bei den Pyramiden gelandet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.11.2025 - Architektur

Boris Pistorius will 200 leer stehende Kasernen wieder mit Soldaten besetzen, da schaut Dankwart Guratzsch in der Welt genauer hin - und rauft sich die Haare, denn: "Der Raubbau an Gesellschaftsvermögen, der hier getrieben worden ist, lässt sich in seinen Dimensionen kaum abschätzen", schreibt er. Was für Ressourcen wurden hier in den letzten Jahren verschwendet, denn man ließ nicht nur architektonische Werke und deutsche Geschichte verfallen: "In jeder dieser Anlagen stecken kulturelle Werte und Steuergelder in Millionenhöhe, darüber hinaus aber auch noch unmessbare Mengen an 'grauer Energie'. Niemand hat darüber Rechenschaft abgelegt, welche Potenziale davon auf den Müll gewandert sind. Jetzt aber sollen sie zurückgezahlt und vom strapazierten Verbraucher und der Industrie mittels Wasserstofftechnologie, Wärmepumpen, Windrädern und Solarpaneelen Kilowattstunde für Kilowattstunde ein zweites Mal zusammengespart werden. Wenn jetzt auf einen Schlag 200 Kasernenkomplexe reaktiviert werden, kann erahnt werden, um was für Größenordnungen es hier geht."
Stichwörter: Kasernen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.11.2025 - Architektur

Am heutigen Samstag wird das etwa eine Milliarde Euro teure Grand Egyptian Museum von Heneghan Peng Architects in Kairo eröffnet, aber Anne Allmeling war für die NZZ schon vor Ort. Und sie ist überwältigt: "Aus dem Wüstensand erhebt sich das Grand Egyptian Museum (GEM) wie eine Pyramide: majestätisch, geometrisch, überdimensioniert. Schon von außen lässt das Gebäude erahnen, was es verbirgt: jahrtausendealte Schätze aus dem alten Ägypten. Das Thema der Pyramide spiegelt sich bereits in der Architektur: Große goldene Dreiecke schmücken die Mauern. Eines von ihnen fungiert als Eingang in das größte Museum der Welt, das einer einzigen Zivilisation gewidmet ist. (…) Vom Foyer aus führen breite Stufen in den oberen Teil des Museumsgebäudes. Die Treppe mit Statuen berühmter Herrscherinnen und Herrscher wie Hatschepsut, Echnaton und Amenhotep III. symbolisiert eine Reise in die Ewigkeit: Um die Wiedergeburt zu ermöglichen, legten die altägyptischen Herrscher Wert auf steinerne Abbilder, kunstvolle Sarkophage und aufwendige Tempelanlagen."
Stichwörter: Grand Egyptian Museum, Kairo