Yasmina Khadra

Die Attentäterin

Roman
Cover: Die Attentäterin
Nagel und Kimche Verlag, München 2006
ISBN 9783312003808
Gebunden, 270 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Amin Jaafie ist Chirurg in einem Krankenhaus in Tel Aviv. Er erhält die schreckliche Nachricht, dass seine Frau bei einem Attentat ums Leben kam. Nicht genug damit - seine Frau soll diesen Anschlag selbst verübt haben. Das kann Jaafie unmöglich glauben. Gegen alle Ratschläge seiner Freunde macht er sich auf die Suche nach den Motiven und Hintergründen des Verbrechens. Dabei gerät er immer tiefer in die Verstrickungen einer tödlichen Feindschaft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2007

Überzeugend findet Heinz Hug diesen Roman über eine Selbstmordattentäterin, den Yasmina Khadra vorgelegt hat. Er zählt das Buch zum "Besten, was man derzeit über diese Themen lesen kann". Khadra scheint ihm als Autor geradezu prädestiniert für das Thema, schließlich erlebte dieser als hoher Militär und Schriftsteller den Terror im Algerien der neunziger Jahre hautnah. Beeindruckt hat ihn, wie Khadra seinen Protagonisten, einen angesehenen, wohlhabenden Arzt, die Ursachen und Motive für das Selbstmordattentat seiner geliebten Frau erforschen lässt. Dessen Suche nach Antworten situiere der Autor gekonnt zwischen drei Polen: den radikalen Islamisten, der israelischen Politik und der Ethik des Protagonisten selbst. Dem Leser wird es nach Ansicht Hugs dabei nicht leicht gemacht, weil Khadra die verschiedenen Seiten mit starken Argumenten ausstattet. Insgesamt würdigt er das Buch als differenzierten, überaus spannenden Roman über den Terrorismus und den Nahostkonflikt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2006

Vor lauter Spannung gar nicht mehr aus der Hand legen konnte Rezensent Joseph Hanimann Yasmina Khadras neuen Roman, zu dessen literarischer Bedeutung als Vergleichswert ihm niemand Geringeres als Albert Camus einfällt. Es geht Hanimanns Informationen zufolge um einen israelischen Palästinenser, der als Chirurg in einer Tel Aviver Klinik arbeitet, wo er auch Opfer von Anschlägen das Leben zu retten versucht. Eines Tages ist seine eigene Frau darunter, allerdings als Selbstmordattentäterin. Fesselnd bis zur letzten Seite nun findet der Rezensent den Versuch von Khadras ahnungslosem Protagonisten, den Motiven seiner Frau für diese Tat nachzugehen. Die fast existentialistische Radikalität, mit der dieser Autor sich dabei ins "Zwielicht menschlicher Entscheidungsfreiheit" begibt, in die Abgründe des Nahostkonflikts, machen für Hanimann den besonderen literarischen Wert dieses Romans aus. Vorwürfe, hier werde der Terror verharmlost, mag er nicht gelten lassen. Zu tief blickt Khadra aus seiner Sicht in die Abgründe des Hasses und der Hoffnungslosigkeit, um aus einer "politischen und existenziellen Extremsituation" auch ein menschliches Drama abzuleiten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.08.2006

Yasmina Khadras jüngster Roman ist hoch aktuell, und er erzählt die Geschichte einer tiefen Verunsicherung. Sein Protagonist ist Amin Jaafari, Araber in Israel, mit einer ungewöhnlich erfolgreichen Karriere als Arzt. Ein palästinensischer Selbstmordanschlag lässt sein Leben jedoch aus den Fugen geraten. Nicht nur ist seine Frau Sihem dabei ums Leben gekommen - sie ist sogar verdächtig, die Attentäterin selbst zu sein. Jaafaris Nachforschungen werden zu einem einzigen Leidensweg der Demütigungen. Der Rezensent Jürgen Berger lobt diesen Roman als "hart entlang tatsächlicher Gegebenheiten" geschrieben - und erklärt, dass er mehr Einblicke in die gegenwärtige Lage im Nahen Osten vermittelt als einschlägige Fernsehberichte. Da nimmt er auch die eher "essayistischen Exkurse" des Autors in Kauf, die sich nicht recht in die Romanhandlung fügen wollen.