Raid Sabbah

Der Tod ist ein Geschenk

Die Geschichte eines Selbstmordattentäters
Cover: Der Tod ist ein Geschenk
Droemer Knaur Verlag, München 2002
ISBN 9783426272978
Broschiert, 250 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Said ist ein Selbstmordattentäter. Er wartet auf seinen Einsatz, um sich selbst in die Luft zu sprengen und möglichst viele Israelis mit in den Tod zu reißen. Als Said noch ein Kind war, vertrieben israelische Siedler seine Eltern von dem Land, das sie bewirtschafteten; seither lebt die Familie im Flüchtlingslager bei Dschenin. Als Said zwölf Jahre alt war, wurden sein Vater und sein Onkel verhaftet, geschlagen und misshandelt. Als er sechzehn Jahre alt war, wurde seine Mutter erschossen. Said sagt: "Wir haben nichts. Weder Fahrzeuge noch Panzer, geschweige denn Flugzeuge, mit denen wir einen Krieg gegen die israelische Armee und für einen souveränen palästinensischen Staat führen könnten. Wir haben nur unsere Körper. Das sind unsere einzigen Waffen." Dies ist die Geschichte seines Lebens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2003

Rezensent Ludwig Watzal zeigt sich beeindruckt von diesem Buch, das die Ursachen von Terror und Gewalt in Israel und Palästina aus palästinensischer Sicht beleuchtet und ein "authentisches Bild" der Menschen unter israelischer Besetzung gibt. Die Geschichte von Said, der zu einem Selbstmordattentat bereit war, bei der Erstürmung des Flüchtlingslagers von Jenin durch israelisches Militär aber ums Leben kam, begreift der deutsch-palästinensische Journalist und Dokumentarfilmer Raid Sabbah als exemplarisch. Wie Watzal berichtet, gingen Saids Entschluss, Selbstmordattentäter zu werden, Vertreibung, willkürliche Verhaftung, Folter von Familienmitgliedern und die Ermordung seiner Mutter durch israelische Soldaten bei einer Razzia voraus. Sabbah gelingt es nach Einschätzung Watzal, die Motive der Selbstmordattentäter sichtbar zu machen, ohne Verständnis für ihre Taten wecken zu wollen. "Selbstmordattentat und Besetzungspolitik sind wie siamesische Zwillinge", resümiert der Rezensent, "ob sie durch den Bau der Mauer erfolgreich getrennt werden können, ist mehr als fraglich".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.11.2002

In einer Dreifachbesprechung von Büchern über Selbstmordattentate zeigt sich Angela Gutzeit von diesem Buch zunächst sehr beeindruckt, das in Ich-Form das Leben eines "Attentäters in Warteposition" erzählt und mit erläuternden Kommentaren über den Nahostkonflikt verknüpft. Sie gibt an, dass die Schilderungen von Gewalt und Leiden, die das Leben des Ich-Erzählers Said bestimmen, "zutiefst erschütternd" sind. Als störend und verwirrend dagegen erlebt die Rezensentin den Umstand, dass das Leben Saids tatsächlich aus vielen verschiedenen palästinensischen Biografien zusammengesetzt ist, wie der Autor in der Einleitung einräumt. Das kratzt an der Authentizität, die durch die Ich-Form gerade betont werde, moniert Gutzeit. In dem Bericht schimmere in "jeder Zeile" durch, dass es nicht "Saids", sondern die Stimme des Autor ist, der in Deutschland geboren wurde, dessen Eltern aber aus dem Westjordanland stammen, die sich hier artikuliert. Trotzdem lobt sie es als "beeindruckendes Buch" und sie betont zudem, dass es "sorgfältig geschrieben" sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2002

Als Verdienst des Autors sieht es Heiko Flottau an, die Lebensgeschichte des Palästinensers Said aufgezeichnet zu haben, der sich bereit erklärt hatte, für die zweite Intifada zu sterben. Selbstmordattentate aus der langen Tradition besonders des schiitischen Islam zu erklären -auf den sich sogenannte "Märtyreroperationen" stützen - reicht als Analyse lange nicht aus, so Flottau. Said hat seine Lebens- und Leidensgeschichte, die hier in der Ich-Erzählung geschildert wird, offenbart, und ist, anders als vorgesehen, im Kampf mit israelischen Soldaten gestorben. Flottau erwähnt Saids Lebensstationen im einzelnen und sieht auch dessen Darstellung der brutalen Foltermethoden der israelischer Militärs nicht überzogen. Auch wenn die Berichte in dem ein oder anderen Detail ungenau seien, so erklären die Erzählungen dem Leser doch die jeweilige politische Situation, und das versteht Flottau als gelungenes und "geschicktes Mittel, das Schicksal in den aktuellen Stand des israelisch-palästinensischen Konflikts einzubetten".
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