Nir Baram

Der Wiederträumer

Roman
Cover: Der Wiederträumer
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783895614903
Gebunden, 480 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Lydia Böhmer und Harry Oberländer. Joel entdeckt als Kind, dass er eine besondere Gabe besitzt: Er kann die Träume anderer mitträumen und sie ihnen wiedergeben. Als Joel Jahre später seiner Frau von seiner Gabe erzählt, nimmt ein verhängnisvolles Geschehen seinen Lauf: Rachel will fortan nur noch träumen, wird geradezu süchtig danach, sich die nächtlichen Bilder von ihm in lebhafte Eindrücke verwandeln zu lassen. Ein Spiel mit dem Feuer vor der Kulisse eines monatelangen sintflutartigen Sturms im heutigen, fantastisch verfremdeten Tel Aviv. Auch die Zwillinge Alon und Lior vergreifen sich an der Erinnerung und wollen das Rad der Zeit zurückdrehen: Sie weigert sich, die symbiotische Beziehung zu ihrem Bruder aufzugeben, er trauert einer vergangenen Liebe nach und versucht der Gegenwart zu entfliehen. Die Schicksale beider Paare kreuzen sich mit dem eines "Bettlerkönigs", der die Manipulationen des Traumgedächtnisses ausbeutet und unter geheimnisvollen Umständen ermordet wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2009

Jan Röhnert legt uns den Roman "Die Wiederträumer" von Nir Baram ans Herz. Es wird viel geträumt und geschlafen in diesem im modernen Tel Aviv spielenden Roman, dessen Konstruktion durch die verschwimmenden Zeit- und Raumebenen selbst der Traumlogik verpflichtet scheint, erklärt der Rezensent. Dabei sei bunte Folklore genauso wenig zu erwarten wie jüdisch-israelische Selbstfindungsliteratur, betont Röhnert, denn es gehe um die "permanente Fremdheit" der Figuren sich selbst gegenüber. Das Leben zweier Paare, Träumende auch sie, verknüpft sich in "bizarrer Weise" durch die Ermordung eines arabischen "Bettlerkönigs", später gerät die Großstadt Tel Aviv unter den zerstörerischen Einfluss einer Klimakatastrophe und einer mysteriösen Seuche, erklärt der Rezensent. Baram geht es, so sieht es der Rezensent, um eine "Parabel" der Situation Israels, und er bietet sie mit einer guten Portion "schwarzen Humors", apokalyptischer Finsternis und dankenswerter Weise ohne erhobenen Zeigefinger, wie Röhnert eingenommen feststellt.
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